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Kinderreport 2020: Wir wollen draußen spielen! | BR24

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Von wegen Stubenhocker vor dem Fernseher - Kinder wollen draußen spielen. Sie haben nur oft nicht die Möglichkeit dazu. So steht es im Kinderreport 2020 des Deutschen Kinderhilfswerks.

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Kinderreport 2020: Wir wollen draußen spielen!

Von wegen Stubenhocker vor dem Fernseher - Kinder wollen draußen spielen. Sie haben nur oft nicht die Möglichkeit dazu. So steht es im Kinderreport 2020 des Deutschen Kinderhilfswerks.

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Wer ein eigenes Haus oder zumindest einen Garten vor der Haustür hat, kann sich glücklich schätzen. Vor allem die Kinder können von Glück reden. Denn entgegen dem Klischee der stubenhockenden Jugend zieht es Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren in ihrer Freizeit nach draußen. Das Deutsche Kinderhilfswerk hat dazu sowohl Kinder als auch Erwachsene befragt. Die Erkenntnis: Eltern wünschen sich sogar noch häufiger als Kinder, dass der Nachwuchs an die frische Luft kommt. Das wird vor allem dann zum Problem, wenn kein Spielplatz um die Ecke ist.

Drei Viertel der Kinder wollen raus – ein Viertel nicht unbedingt

Mehr als 70 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen empfinden es als "äußerst wichtig", "sehr wichtig" oder "wichtig", dass sie in ihrer Freizeit auch draußen spielen können. Nur sechs Prozent sagten in der Befragung, dass ihnen das Spielen draußen "gar nicht wichtig" ist. Insgesamt zieht es 29 Prozent nicht so sehr aus dem Haus.

Neun von zehn Erwachsenen sagen dagegen, draußen zu spielen sei für Kinder enorm wichtig. Sie beklagen allerdings die fehlenden Möglichkeiten wie einen Spielplatz um die Ecke und die Gefahren, die damit verbunden sind. Zwei Drittel der Befragten empfinden den Straßenverkehr als zu gefährlich, um die Kinder einfach nach draußen zu schicken. Ein Drittel der befragten Kinder sieht diese Gefahr auch.

Kinder haben keine Zeit und keine Spielgefährten

Mehr als die Hälfte der Kinder beklagt, dass sie draußen niemanden haben, mit dem sie spielen könnten. Dieser Wert hat sich im Vergleich zur Befragung aus dem Jahr 2018 erhöht. Gründe dafür lassen sich nur erahnen: Dürfen oder wollen andere Kinder nicht nach draußen? Wohnen die Kumpel aus der Schule zu weit weg, um sich draußen treffen zu können? Diesen Fragen ist der Report des Kinderhilfswerks nicht nachgegangen. Die Antworten darauf dürften vielfältig ausfallen.

Fast die Hälfte der Kinder sagt aber auch, dass ihnen die Zeit fehlt, um draußen spielen zu können. Auch hier wurde nach den Gründen nicht gefragt. Sind es andere Freizeitaktivitäten wie Sport- und Musikunterricht oder nehmen Schule und Hausaufgaben so viel Raum ein, dass zum Spielen keine Zeit mehr bleibt?

Politische Forderung: mehr Treffpunkte für Kinder schaffen

Fast jedem Kind fehlt laut der Befragung ein Spielplatz, eine Wiese oder sonstige öffentliche Plätze in der Nähe des Wohnhauses, um sich draußen auszutoben. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) griff die Ergebnisse der Studie umgehend auf und forderte: "Wenn es um die Frage geht, ob an einem freien Ort ein Parkplatz oder ein Spielplatz entstehen soll, muss das Wohl der Kinder mit bedacht werden."

Die Befragten des Kinderreports 2020 sagen: Wenn es schon keinen Spielplatz um die Ecke gibt, müsste der weiter entfernte zumindest besser erreichbar sein. Mehr als 90 Prozent der Kinder und der Erwachsenen wünschen sich dafür kostenlose Busse und Bahnen, sichere Radwege oder grüne Wegeverbindungen, also Rad- und Spielwege ohne jeglichen motorisierten Verkehr.

Einschränkungen wegen Corona in Befragung nicht berücksichtigt

Die Veröffentlichung des Kinderreports fällt mitten in die Beschränkungen, die vor allem Kinder und Jugendliche hart treffen. In der Studie kommt das Wort Corona allerdings nicht vor. Das liegt daran, dass die Befragung Mitte Januar stattfand. Spielplätze wurden deutschlandweit erst Mitte März gesperrt.

Das Spielen und Toben auf Wiesen und Freiflächen war in Deutschland - mit Abstand - allerdings immer erlaubt. In anderen Ländern wie Spanien mussten die Kinder wirklich drinnen bleiben. Dort galt eine strikte sechswöchige Ausgangssperre. Draußen zu spielen, davon konnten die Kinder in Spanien nur träumen.

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