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Kinderärzte und Experten: Schulen und Kitas schneller öffnen | BR24

© dpa-Bildfunk/Hauke-Christian Dittrich

Ein Schild mit der Aufschrift "Wir vermissen euch" hängt an einem geschlossenen Kindergarten.

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    Kinderärzte und Experten: Schulen und Kitas schneller öffnen

    Vor den Beratungen zur Lockerung der Corona-Maßnahmen hat Kinderärztepräsident Fischbach mehr Tempo gefordert. Viele Kinder verkümmerten in den eigenen vier Wänden. Auch mehrere Gesundheitsexperten verlangen eine Rückkehr zur Normalisierung.

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    Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hat vor den Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten mehr Tempo bei der Kita- und Schulöffnung gefordert. "Kitas und Grundschulen müssen - bei klugen Maßnahmen zum Infektionsschutz - schneller wieder geöffnet werden", sagte Präsident Thomas Fischbach der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Das mag Lehrern und Erziehern einiges abverlangen. Aber es ist allemal besser, als die Kinder in ihren vier Wänden verkümmern zu lassen. Und das würde passieren."

    Jeder "bastelt sich eigene Regeln"

    Kritik übte Fischbach an den bundesweit unterschiedlichen Regelungen: Es stritten nicht nur die Länderchefs untereinander, auch jeder Landrat und Bürgermeister "bastelt sich eigene Regeln. Dadurch verlieren wir wertvolle Zeit zum Schaden der Kinder und Jugendlichen und ohne jeden epidemiologischen Sinn."

    Seit Mitte März seien Millionen von Kindern von sozialen Kontakten ausgesperrt. Da müsse man den Beweis antreten, dass dies notwendig und sinnvoll sei, so Fischbach. Inzwischen sei nachgewiesen, dass Kinder deutlich seltener krank würden als Erwachsene.

    Positionspapier von Gesundheitsexperten

    Auch mehrere Gesundheitsexperten forderten mit Blick auf Kitas und Schulen "die Rückkehr zu einer möglichst weitgehenden Normalisierung". Sie begründeten dies mit "epidemiologischen Studien, die eine sehr geringe Rate von Infektionen im Kindesalter, eine gute Prognose und eine geringe Infektiosität zeigen". Die Experten sehen keinen Anlass dafür, "in quasi metaphysischer Überhöhung alle Regeln, alles Gemeinsame in Frage zu stellen oder sogar außer Kraft zu setzen." Die Autoren verwiesen unter anderem "auf eine Verstärkung der sozialen Benachteiligung von Kindern aus bildungsfernen, sozial benachteiligten Schichten".

    77-seitiges Positionspapier

    Das insgesamt 77-seitige Papier stammt unter anderem von dem Pathologen Prof. Klaus Püschel vom Univesitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, die ehemalige Pflegedirektorin an der Berliner Charitee, Hedwig François-Kettner, sowie die Professoren Matthias Schrappe und Gerd Glaeske, zwei ehemaligen Mitgliedern des Gesundheitssachverständigenrats.

    Giffey drängt auf Zeitplan

    Derweil appellierte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) an die Bundesländer, sich auf einen Zeitplan zur Öffnung der Kitas zu einigen. "Ich hoffe, dass sich die Länder auf konkrete Zeitpunkte für die nächsten Stufen verständigen - die erweiterte Notbetreuung und auch den eingeschränkten Regelbetrieb in den Kitas und in der Kindertagespflege", sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

    "Aus meiner Sicht müssen konkrete Schritte noch im Mai erfolgen." Bundesfamilienministerin Franziska Giffey

    Kinderhilfswerk: Kinder-Interessen in Exit-Strategien berücksichtigen

    Das Deutsche Kinderhilfswerk forderte, politische Zugänge für die Interessen von Kindern und Jugendlichen zu schaffen und deren Perspektive in der Debatte um die Exit-Strategien in der Corona-Krise deutlich zu stärken.

    "Wenn ein Großteil der Kinder nicht in die Kita oder Schule können, weder Freundinnen und Freunde treffen noch üblichen Freizeitaktivitäten nachgehen dürfen, ist dies ein schwerer Eingriff in ihre Lebenswelt, in ihre Grundrechte und die Kinderrechte auf Entwicklung, Gesundheit, Bildung und Spiel. " Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.

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