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Kinderärzte sollen Misshandlung besser erkennen | BR24

© Christin Klose/dpa/

Symbolbild: Eine Ärztin untersucht in einer Kinderarztpraxis in Hamburg einen kleinen Jungen.

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    Kinderärzte sollen Misshandlung besser erkennen

    Gewalt an Kindern zuverlässiger erkennen – das ist das Ziel einer neuen Online-Fortbildung für Kinderärzte. Sie wurde von einem bayernweiten Experten-Netzwerk entwickelt und ist Teil des bayerischen Gesamtkonzepts zum Kinderschutz.

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    Eine neue Online-Fortbildung für Ärzte soll der Misshandlung von Kindern zukünftig noch besser vorbeugen. Das neue Online-Fortbildungsmaterial ist für Bayerns Kinderärzten ab heute frei geschaltet. Es wird künftig auch Teil der Ausbildung von Kinderärzten. Für bereits praktizierende Ärzte ist die Fortbildung zwar nicht verpflichtend, das Familienministerium rechnet jedoch mit starker Nachfrage.

    Ärzte müssen Misshandlungsverdacht melden

    Ärzte sind seit 2008 in Bayern verpflichtet, Misshandlungsfälle weiter zu melden. Solche Fälle sicher zu erkennen, dazu soll das neue Fortbildungsangebot helfen. Eine Hotline und ein Telemedizin-Angebot der Bayerischen Kinderschutzambulanz an der LMU in München steht ihnen bereits seit acht Jahren zur Verfügung.

    Mehr als 300 Fälle von Verdacht auf Kindesmisshandlung jährlich kommen allein dort an. Gabi Haus vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte lobt die Unterstützung: "Wir haben ein Hamsterrad, wo wir oft nur zwei Minuten für einen Patienten haben. Da ist es entscheidend, sensibilisiert zu sein. Damit es in dem schnellen Praxisalltag nicht verloren geht."

    Bei Vorsorgeuntersuchungen kommen die meisten Kinder in die Praxen

    Eine große Hilfe seien die inzwischen zahlreicheren Vorsorgeuntersuchungen – in diesem Fall haben die Ärzte für ihre kleinen Patienten rechnerisch immerhin 22 Minuten Zeit. Und etwa 90 Prozent der Kinder erscheinen nach Angaben des Berufsverbands tatsächlich auch zu diesen Untersuchungen.

    Bayerns Familienministerin Kerstin Schreyer (CSU) sagte, der Schutz von Kindern sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe: "Nicht nur Ärzte, Jugendamt oder Politik müssen Sorge dafür tragen, dass Gewalt gegen Kinder nicht stattfindet oder schnell Signale erkannt werden, sondern es ist die Aufgabe von jedem Einzelnen von uns."

    Entgegen dem verbreiteten Bild seien Jugendämter vor allem dazu da, Familien Hilfen zu vermitteln. Dass Kinder ihren Eltern weggenommen werden, komme dagegen vergleichsweise selten vor.