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Kinder verbreiten immer öfter Kinderpornos | BR24

© dpa/pa

Jugendliche mit Smartphones

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    Kinder verbreiten immer öfter Kinderpornos

    Kinder und Jugendliche finden die Inhalte meist lustig, die Dimension erfassen sie nicht: Laut BKA ist die Verbreitung von kinderpornografischen Bildern durch Minderjährige ein akutes Problem. Die Folgen können drastisch sein.

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    Das Bundeskriminalamt (BKA) hat eindringlich vor der Verbreitung von Kinderpornografie durch Minderjährige gewarnt. Die Beamten registrierten demnach seit einigen Monaten unzählige Fälle, in denen junge Menschen kinderpornografische Bilder und Videos an Kontakte im Freundeskreis weiterleiteten. Dabei handele es sich keinesfalls um Bagatelldelikte, sagte Sabine Vogt vom BKA. Sie warnte eindringlich: Vor allem Minderjährige verbreiteten solche Inhalte oft, "ohne sich ausreichende Gedanken über den kinderpornografischen Charakter zu machen".

    Seit rund zwei Jahren registrieren die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main und das BKA das bedenkliche Phänomen, sogar in Klassen-Chats tauchen solche Inhalte auf. Oft verbunden mit lustigen Texten und Emojis, was für die Ermittler auf eine Verharmlosung hindeutet. "Es handelt sich hier um ein Phänomen des massenhaften Verbreitens solcher Videos", erklärte Vogt. Die sozialen Netzwerke wirkten dabei wie ein Brandbeschleuniger.

    Polizei verfolgt Fälle konsequent

    Die Tatverdächtigen in diesen Fällen unterscheiden sich laut Vogt grundsätzlich von solchen mit pädosexueller Motivation. Das sei daran zu erkennen, "dass die Verteiler die Darstellungen, die häufig nachträglich mit Musik oder Geräuschen unterlegt wurden, lustig finden", erläuterte die Leiterin der BKA-Abteilung "Schwere und Organisierte Kriminalität". Sie rief alle Internetnutzer dazu auf, diese Dateien umgehend zu löschen und auf keinen Fall weiterzuleiten: Die Polizei gehe solchen Fällen konsequent nach.

    Bundesweit gibt es laut BKA immer wieder Verfahren gegen Heranwachsende - oft aber außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung. Einen größeren Fall machten die Behörden am vergangenen Freitag bekannt: Wegen des Verdachts der Weiterleitung von Bildern und Videos, die teils schwere sexuelle Gewalt gegen Kinder zeigen, hatten die Ermittler in elf Bundesländern Wohnungen durchsucht. 21 Verdächtige im Alter zwischen 14 und 26 Jahren sollen solche Videos über soziale Netzwerke verbreitet haben.

    Studie belegen Phänomen

    Den Jugendlichen sei nicht klar, was sie damit anrichten, sagte Heidemarie Jung vom Verein "Dunkelziffer", der sich für sexuell missbrauchte Jugendliche einsetzt. Diejenigen, die solche Videos und Bilder verbreiteten, würden auf dem Schulhof oft als besonders mutig gelten. "Das ist ein Tribut des Erwachsenseins, dass sie sich mit Sexualität auskennen", erklärte die Kinderpsychologin. Das Weiterverbreiten werde nicht als etwas Kriminelles gesehen.

    Dass sexualisierte Inhalte unter jungen Menschen Verbreitung finden, belegen auch frühere Studien. Demnach haben zwölf Prozent der Jugendlichen schon einmal sexualisierte Bilder verschickt und bis zu 38 Prozent auch entsprechende Bilder erhalten.

    Lehrer und Eltern in der Pflicht

    Der Bildschirm schaffe die nötige Distanz, so dass der Inhalt nicht mehr emotional nachvollzogen wird, sagte Jung. Es müsse nun darum gehen, ein Bewusstsein zu schaffen, dass es sich um Straftaten handele. Lehrer sowie Eltern müssten für Schüler vertrauensvolle Ansprechpartner werden.

    Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, plädierte angesichts der aktuellen Fälle für die Einführung eines Pflichtfachs "Medienkompetenz" an Schulen. Darin sollte Schülern vermittelt werden, dass grundlegende Werte wie Menschlichkeit und Respekt auch in der digitalen Welt gelten. Auch er sieht Schüler und Eltern in der Pflicht: "Kinder und Jugendliche dürfen in der digitalen Welt nicht einfach alleingelassen werden."

    Im Fall der 21 Tatverdächtigen werten die Ermittler nun Smartphones, Tablets und Computer aus. Für einige der Beschuldigten gelte das Jugendstrafrecht. Ihre Verfahren könnten unter Auflagen eingestellt werden. Bei einer Verurteilung nach Erwachsenen-Strafrecht drohen zwischen drei Monaten und bis zu fünf Jahren Haft.