BR24 Logo
BR24 Logo
Deutschland & Welt

Kevin Kühnert: Das einzige Mastermind mit Charisma in der SPD | BR24

© BR/Barbara Kostolnik

Er gilt als das Mastermind hinter dem neu gewählten SPD-Duo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans: der 30-Jährige Juso-Chef Kevin Kühnert. Mit 70 Prozent wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt - kein überragendes Ergebnis.

10
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Kevin Kühnert: Das einzige Mastermind mit Charisma in der SPD

Er gilt als das Mastermind hinter dem neu gewählten SPD-Duo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans: der 30-Jährige Juso-Chef Kevin Kühnert. Mit 70 Prozent wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt - kein überragendes Ergebnis.

10
Per Mail sharen
Teilen
"Kevin Kühnert, 30 Jahre alt, und seit 20 Minuten stellvertretender Parteivorsitzender der SPD, ich muss mich auch noch dran gewöhnen."

Nach all den Gratulationen und den Umarmungen, dem Händeschütteln, dem "Danke Kevin" und den guten Wünschen unter anderem von SPD-Fraktions-Chef Mützenich ist Kevin Kühnert etwas erschöpft. Aber er hat sein Ziel erreicht: die von ihm favorisierten Saska Esken und Norbert Walter-Borjans sind neue Parteivorsitzende der SPD. Mission erfüllt?

"... zufrieden ja, aber Mission nicht erfüllt. Es ist ja ganz häufig so: die Leute denken immer nur bis zum Parteitag und glauben, wenn dann die Wahl wie gewünscht ausgeht, dann ist das Ziel erreicht. Aber eine Wahl ist nur ein Mittel zum Zweck, um danach was anderes zu machen. […] Also: Grundlage geschaffen, aber erreicht eigentlich noch gar nichts.“ Kevin Kühnert, stellvertretender Parteivorsitzender SPD

Kühnerts Schritt zur Runderneuerung

Eines aber hat Kevin Kühnert erreicht: Olaf Scholz und die Pro-GroKo-Truppe werden nicht die Partei-Spitze stellen und die künftige Ausrichtung der Partei dominieren. Der Juso-Chef ist optimistisch, dass die Runderneuerung der SPD ihren Anfang genommen hat.

"Das ist auch ein Neuanfang. Es sind zwei neue Parteivorsitzende, und zwar nicht die üblichen Verdächtigen. Das kann man glaube ich wirklich sagen. Die beiden hatte sicher keiner vor einem halben Jahr auf dem Zettel, als wir den Prozess gestartet haben. Und: auch mit mir und mit Serpil Midyatli sind zwei neue Gesichter drin. Das ist schon eine Erneuerung, die man auch so bezeichnen kann." Kevin Kühnert, stellvertretender Parteivorsitzender SPD

Parteiarbeit statt Studienabschluss

Er selbst will auch als Vize künftig dafür sorgen, die SPD programmatisch neu aufzustellen. Hat er überhaupt so viel Zeit? Schließlich ist er Juso-Chef, Vize-SPD-Chef, und was ist eigentlich mit seinem Studium?

"Studium ist vorbei, wenn es vorbei ist, und meistens zeichnet es sich dadurch aus, dass man vorher nicht weiß, wann es vorbei ist.“ Kevin Kühnert, stellvertretender Parteivorsitzender SPD

Genauso undeutlich klingt Kühnert, wenn man ihn auf seine Doppelfunktion als Juso-Chef und Partei-Vize anspricht. Geht das überhaupt zusammen?

"Die Jusos sind stolz darauf, eigenständig zu sein. Deswegen verstehe ich das, wenn jetzt Leute sagen, wie ist denn das mit der Eigenständigkeit, wenn unser Vorsitzender gleichzeitig in der Spitze der SPD ist. Aber da wir so etwas noch nie hatten, müssen wir das ausdiskutieren. Ich klebe da an nichts. Aber ich mache es sehr gerne, wenn der Verband das will." Kevin Kühnert, stellvertretender Parteivorsitzender SPD

Umfaller in Sachen GroKo

Und was ist mit dem Umfaller-Vorwurf? Schließlich hatte man schon deutlich schärfere Töne von Kevin Kühnert gehört, bevor er in einer Zeitung zur Erkenntnis gelangte, "wer eine Koalition verlässt, gibt einen Teil der Kontrolle aus der Hand“. Kurze Klarstellung:

"Meine Position ist unverändert zur GroKo und lautet weiterhin, dass ich die nicht wollte und auch im Grundsatz für falsch halte. Aber ich akzeptiere demokratische Entscheidungen und das habe ich die ganzen letzten eineinhalb Jahre auch so gesagt." Kevin Kühnert, stellvertretender Parteivorsitzender SPD

Die noch ferne Kühnert-Kanzlerkandidaten-Frage

Kühnert glaubt, wie seine Partei-Chefin Saskia Esken fest daran, dass die SPD Potential hat und zwar jenseits der Großen Koalition, sonst würde er nicht einen Großteil seiner Arbeitszeit in diese Partei stecken. Der 30-jährige Berliner ist auf jeden Fall derzeit der Mann mit dem meisten Charisma der SPD. Wann stellt er sich die KKKK-Frage? Die Kevin-Kühnert-Kanzlerkandidat?

"Mein Anspruch ist, die SPD zu einer Stärke zu führen, bei der wir nicht ausgelacht werden, wenn wir überhaupt über so etwas wie eine Kanzlerkandidatur sprechen. An dem Punkt sind wir noch nicht ganz wieder angekommen." Kevin Kühnert, stellvertretender Parteivorsitzender SPD