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Keine direkte Gefahr für Deutschland durch Pelztierfarmen | BR24

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Nerze schauen durch ein Gitter. Bild aus einer dänischen Pelztierfarm.

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Keine direkte Gefahr für Deutschland durch Pelztierfarmen

Dass Corona von Tieren auf Menschen übergreifen könnte, ist eine große Sorge. So wurde etwa in Dänemark die Tötung von Millionen Nerzen angeordnet, weil eine mutierte Virusform bereits im Umlauf war. Für Deutschland besteht aber keine direkte Gefahr.

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Von
  • Barbara Fuß

Vergangene Woche hatte die Regierung in Dänemark die Tötung aller Nerze angeordnet, die auf sogenannten Pelztierfarmen gehalten werden. Damit sollte eine bei den Pelztieren aufgetretene, auf Menschen übertragbare Coronavirus-Mutation eingedämmt werden.

Keine Pelztierfarmen mehr in Deutschland

Anders als in Dänemark werden in Deutschland seit knapp zwei Jahren keine Pelztiere mehr gezüchtet und gehalten. Anfang 2019 stellte die letzte Pelztierfarm in Nordrhein-Westfalen den Betrieb ein. 4000 Nerze wurden dort gehalten.

Weitere Farmen in Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern mit Beständen zwischen 50 und 40.000 Tieren haben seit 2017 nach und nach ihre Arbeit eingestellt.

Mehr Tierschutz macht Pelztierfarmen unrentabel

Bereits 2007 trat in Deutschland ein neuer Abschnitt der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung in Kraft, die in Stufen über zehn Jahre für mehr Tierwohl in den Farmen sorgen sollte: Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten, größere Grundflächen, höhere Käfige, Schwimmbecken für Nerze.

Doch statt die Änderungen vorzunehmen, zogen einige Farmer vor Gericht. Die Begründung: Die neuen Vorgaben würden zu derart hohen finanziellen Belastungen führen, dass die Nerzhaltung wirtschaftlich unrentabel würde und dies einem Gewerbeverbot gleichkomme. Erst als der Bundestag 2017 statt einer Verordnung die Vorgaben über ein Gesetz (Tiererzeugnisse-Handels-Verbotsgesetz) regelte, gaben die in Deutschland verbliebenen Pelztierfarmen auf.

Keine einheitlichen EU-Vorgaben zur Pelztier-Haltung

Auch in den Niederlanden wurde das Ende der Pelztierfarmen bereits 2009 vom Parlament beschlossen. Doch für die bestehenden Nerzzüchter galt eine Übergangsfrist bis 2024. Aufgrund der Covid-Krise hat die niederländische Regierung am 28. August 2020 beschlossen, die Nerzfarmen im Land bereits 2021 zu schließen. Dafür erhalten die Betriebe finanzielle Entschädigungen.

Europaweit gibt es derzeit keine Verordnung oder Richtlinie, welche die Haltung von Pelztieren regelt. Es existiert lediglich eine Empfehlung des Europarats. Danach sollten ab dem 31.12.2010 Käfigbatterien für Nerze eine Mindestgröße von 85 x 30 x 45 cm haben, also eine Grundfläche von rund einem Viertel Quadratmeter. Auch sollte in den Käfigen eine Nestbox vorhanden sein.

Tierschutzverbände fordern Ende für Pelztierfarmen

Zusammen mit internationalen Partnerorganisationen fordert der Deutsche Tierschutzbund schon seit Jahren ein Ende der Pelztier-Haltung in der EU. Sprecherin Lea Schmitz hält es für eine "Farce", dass jetzt in Dänemark als Erstes verkündet wurde, dass "die Farmbetreiber für die Tötung von 15 bis 17 Millionen Nerzen" entschädigt würden, "aber keine endgültigen Pläne zur Abschaffung der Pelztierhaltung laut werden." Dabei seien diese Farmen mit massenhaft auf engstem Raum gehaltenen Tieren Risikofaktoren für die Ausbreitung von Krankheiten.

Coronavirus auf mehreren Pelztierfarmen aufgetreten

Speziell das Coronavirus ist bereits in mehreren EU-Staaten auf Pelztierfarmen festgestellt worden. Nachweislich mutiert und von Nerzen auf Menschen übertragen worden ist es bisher aber nur in Dänemark.

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Bildrechte: Mads Claus Rasmussen/Ritzau Scanpix/AP/dpa

In Dänemark sind seit Montag schärfere Corona-Maßnahmen in Kraft. Dazu gehört auch die Tötung von Millionen Nerzen. Menschen erkrankten an mutierten Formen des Coronavirus. Ein Hintergrund.

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