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Das Rathaus wird am Abend in Regenbogenfarben angestrahlt, der Münchner Liebfrauendom daneben nicht.

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    "Ehrliches, bitteres Statement": Kein Regenbogen am Münchner Dom

    Münchens Rathaus und der Olympiaturm leuchten zum EM-Spiel gegen Ungarn in Regenbogenfarben. Der Liebfrauendom dagegen nicht, obwohl Kardinal Marx einen offeneren Umgang mit Homosexuellen fordert. Manche sehen darin eine verpasste Chance.

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    Von
    • Simon Berninger

    Rathaus, Olympiaturm, Liebfrauendom – die drei Wahrzeichen fehlen auf keinem Panorama der Stadt München. Doch nur die ersten beiden haben gemeinsam, dass sie zum EM-Spiel der Deutschen gegen Ungarn in Regenbogenfarben leuchten; als politisches Zeichen der Offenheit und Toleranz mit LGBTIQ-Personen, die in einer jüngsten Gesetzesnovelle der ungarischen Regierung in einem mit Pädophilen abgehandelt werden.

    Die ungarische Theologin Judit Gyarfas, Co-Präsidentin des Europäischen Forums Christlicher LGBTG-Gruppen, begrüßt die politischen Signale aus München. Sie vermisst aber klare Gesten der Kirchen. "Für Christen in Ungarn braucht es noch mal mehr Mut, sich offen gegen das neue Gesetz auszusprechen, das Homosexualität ja quasi aus dem öffentlichen Diskurs verbannt", sagt Gyarfas. Mit Regenbogenfarben bestrahlte Kirchen hielte sie deshalb für besonders wichtig.

    "Bei Kirchen wäre die Beleuchtung mit Regenbogenfarben wichtiger als etwa bei einem Stadion. Das gilt auch für Deutschland, in Ungarn ist es aber unvorstellbar." Judit Gyarfas, Europäischen Forums Christlicher LGBTG-Gruppen

    "Keine Überlegungen, den Liebfrauendom beleuchten zu lassen"

    Auf BR-Anfrage teilt die Pressestelle des Erzbistums mit: "Es gab und gibt keine Überlegungen, den Liebfrauendom in Regenbogenfarben beleuchten zu lassen, da der Dom auch zu vergleichbaren Anlässen nicht farbig illuminiert wird."Dabei gilt ausgerechnet Kardinal Reinhard Marx als einer derjenigen, die sich innerhalb der Kirche für Reformen auch im Umgang mit Homosexuellen einsetzen. In seinem Brief an Papst Franziskus, in dem er ihm seinen später abgelehnten Rücktritt anbot, schreibt er von "institutionellem Versagen, das zu Veränderungen und zur Reform der Kirche herausfordert" – und geht auf Distanz zu denjenigen, die "jedem Reform- und Erneuerungsdialog" ablehnend gegenüberstehen.

    Ein Reformvorschlag ist etwa Segnungsfeiern für homosexuelle Paare, die bei der Aktion "Liebe gewinnt" im Mai erstmals öffentlich in Deutschland stattfanden. Der Würzburger Hochschulseelsorger Burkhard Hose hatte die Aktion mitinitiiert. Die ausbleibende Beleuchtung des Liebfrauendoms sieht er als verpasste Chance: "Es wäre nach den innerkirchlichen Diskussionen der letzten Wochen um die Segensfeiern für queere Paare ein Signal in zwei Richtungen gewesen", sagt Hose. Nämlich: "Wir stehen als Kirche an der Seite derer, die für die unbedingte Anerkennung der Menschenrechte eintritt. In die Kirche hinein wäre der Regenbogen-Dom eine Selbstverpflichtung gewesen, Vielfalt und Achtung der Menschenrechte auch innerkirchlich konsequent zum Thema zu machen."

    Evangelische Martinskirche in Fürth wird beleuchtet

    In Fürth hat die evangelische Martinskirche indessen angekündigt, ihr Gotteshaus in Regenbogenfarben zu beleuchten. Der Regenbogen sei "ein starkes biblisches Motiv", heißt es in einer Mitteilung. Die Gemeinde wolle ebenso wie die Stadt München "ein Zeichen für Vielfalt, für Menschlichkeit, für Gleichberechtigung, für Weltoffenheit, für Toleranz, für Solidarität und für Respekt setzen". Daher erstrahle die Martinskirche zum EM-Spiel gegen Ungarn von 20 bis 23.30 Uhr in Regenbogenfarben.

    Dass die Liebfrauenkirche indessen nicht ebenso bunt erstrahlt, mag enttäuschen, sagt Hose. "Es ist aber vielleicht auch ein ehrliches, wenn auch bitteres Statement: Die Katholische Kirche will noch nicht einlösen, was sie mit einem solchen Zeichen versprechen würde: das Ende von Diskriminierung auch in den eigenen Strukturen."

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