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Kein Rechtsruck in der Bevölkerung beim Thema Vielfalt | BR24

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Konflikt- und Gewaltforscher Andreas Zick zur aktuellen Integrationsstudie der Stiftung Mercator und des Instituts für interdisziplinäre Konflikt-und Gewaltforschung , Universität Bielefeld.

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Kein Rechtsruck in der Bevölkerung beim Thema Vielfalt

Die Deutschen sehen Zuwanderung positiver als vor zwei Jahren trotz der Polarisierung in der Politik, das sagt der Konflikt- und Gewaltforscher Andreas Zick von der Universität Bielefeld. Er ist Mitautor der aktuellen Studie der Mercator-Stiftung.

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Der Konflikt- und Gewaltforscher Andreas Zick, Mitautor der Längsschnitt-Studie "ZuGleich 2018", erklärte im "Notizbuch" auf Bayern 2 , dass der Wunsch nach einer Willkommenskultur wieder zunehme. Zu diesem Ergebnis kommt die dritte Erhebung der Studienserie "ZuGleich 2018" des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld in Zusammenarbeit mit der Stiftung Mercator.

"Mit einer polarisierenden Politik punkten Politiker nicht mehr", Professor Andreas Zick .

Die Zivilgesellschaft sieht das Thema entspannter als es die politische Debatte nahe legt. Besonders dort, wo Vielfalt vorhanden ist, sehen die Menschen Zuwanderung deutlich positiver, meint Zick. Er appelliert an die Politik, genauer hinzusehen, was die Zivilgesellschaft will. Vorurteile behinderten die Integration.

"Die Politiker rudern jetzt zurück, selbst in der AfD gibt es auf einmal mäßigende Töne, weil man merkt, dass die Zivilgesellschaft stark ist."

So der Wissenschaftler auf Bayern 2. Alle zwei Jahre befragen die Forscher Menschen in Deutschland mit und ohne Migrationshintergrund repräsentativ zu ihrer Haltung gegenüber Zuwanderung und Integration. Die deutsche Bevölkerung sieht das Land inzwischen mehrheitlich als Einwanderungsgesellschaft: Im Jahr 2018 haben 19,3 Millionen der in Deutschland lebenden Menschen einen Migrationshintergrund - das ist fast jeder vierte Einwohner.

Einstellung zur Willkommenskultur hat sich erholt

Im Jahr 2014, also bevor Flüchtlinge in großer Zahl nach Deutschland kamen, stimmten 39,5% einer Willkommenskultur zu. Dieser Wert brach 2016 in der Folge der Silvesterereignisse in Köln auf 32,3% ein und stieg in der aktuellen Erhebung 2018 wieder auf 36,9 % an. Nur ein Drittel der Befragten wünscht sich einen Weg zurück und will "alte deutsche Vorstellungen" wiederbeleben. Interessant ist auch, wie die Mehrzahl der Befragten Integration definieren. Weit über 80 Prozent, so Zick, nennen als Kriterien, zur deutschen Gesellschaft zu gehören: Kenntnisse der deutschen Sprache und die Achtung deutscher Gesetze, nur eine Minderheit von 15,5 Prozent will Zugehörigkeit daran knüpfen, in Deutschland geboren zu sein.

"Die Kriterien für Integration sind erlernbar. Politik muss diese Erlernbarkeit mit Maßnahmen unterstützen," fordert Konflikt- und Gewaltforscher Andreas Zick.

Vorstellungen von Zugehörigkeit haben sich gewandelt

Damit wandelt sich das Verständnis, wie zur deutschen Gesellschaft zugehörig wird: weg von der reinen Anpassung von Menschen mit Migrationshintergrund hin zur Aneignung bestimmter Kompetenzen, um sich zu integrieren.

Zugehörigkeit und Gleichwertigkeit sind die zentralen Themen für eine moderne Einwanderungsgesellschaft," resümiert Zick.

Andreas Zick sieht eine stark polarisierende Politik, die auf Ressentiments gegen Flüchtlinge setzt, als gescheitert an. Die Mehrheit der Zivilgesellschaft teile diese Positionen nicht. Zick spricht sich dafür aus, stärker als bisher nicht die Gefahren von Migration, sondern die Gewinne für eine Gesellschaft hervorzuheben: die Wirtschaft, die Städtetage, aber auch das Bildungssystem würden langfristig von Zuwanderung profitieren. Zumindest dann, wenn Migranten und Flüchtlinge eine Chance bekommen, sich gut in diese Gesellschaft zu integrieren.