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Kein Hafen für Sea-Eye-Rettungsschiff trotz politischer Lösung | BR24

© Sea Eye

Das Rettungsschiff "Alan Kurdi" der Regensburger Seenotrettungsorganisation Sea Eye

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    Kein Hafen für Sea-Eye-Rettungsschiff trotz politischer Lösung

    Das Rettungsschiff "Alan Kurdi" der Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye wird an der Einfahrt in einen italienischen Hafen gehindert. Und das obwohl von Bundesinnenminister Seehofer verkündet wurde, dass es eine Verteillösung für Flüchtlinge gibt.

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    Das deutsche Rettungsschiff "Alan Kurdi" mit 90 Geflüchteten an Bord wartet seit Tagen auf die Zuweisung eines sicheren Hafens. Der Zustand einiger Geretteter hat sich verschlechtert, teilte am Donnerstag die Regensburger Organisation Sea-Eye mit, die das Schiff betreibt. Auch die Wasser- und Lebensmittelvorräte würden knapp.

    Das Schiff liegt derzeit vor der italienischen Insel Lampedusa. Warum das Schiff trotz einer politischen Regelung zur Verteilung der geretteten Menschen nicht anlegen dürfe, sei ihnen unklar, erklärte Besatzungsmitglied Karsten Jäger.

    Italienische Rettungsleitstelle weiß angeblich nichts von Verteillösung

    Die italienische Rettungsleitstelle "MRCC Rom" habe der Schiffskapitänin Bärbel Beuse auf Nachfrage mitgeteilt, dass sie keine Informationen über entsprechende Verteilungslösungen habe. Das Auswärtige Amt und die EU-Kommission hätten zuvor gegenüber Sea-Eye bestätigt, dass Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) auf der Innenministerkonferenz in München am Dienstag verkündet habe, dass es eine politische Lösung für die Geflüchteten gebe. Doch obwohl dadurch klar sei, in welchen Ländern die Geflüchteten aufgenommen werden, hieße das wohl nicht automatisch, dass die "Alan Kurdi" auch anlegen kann, wundert sich Sea-Eye-Sprecher Gordon Isler, zumindest wurde der Besatzung noch kein sicherer Hafen genannt.

    Sea-Eye vermutet Taktik

    "Möglicherweise möchte man genau wie bei der 'Sea-Watch 3' und der 'Eleonore' warten, bis die Kapitänin den Notstand erklärt und sich Zugang zu einem Hafen verschaffen muss", vermutet der Sea-Eye-Vorsitzende Gordon Isler.

    Ende Juni war Kapitänin Carola Rackete mit ihrem Schiff "Sea-Watch 3" mit 40 Flüchtlingen an Bord trotz ausdrücklichen Verbotes des damaligen Innenministers Matteo Salvini einen italienischen Hafen angelaufen. Rackete war daraufhin vorläufig festgenommen worden. Wenige Tage später kam sie frei.

    Die "Sea-Watch 3" und die "Eleonore" werden seither in italienischen Häfen blockiert.

    Kritik an Verhaltenskodex für private Rettungsschiffe

    Isler kritisierte auch den von Seehofer vorgeschlagenen Verhaltenskodex für private Rettungsschiffe unter deutscher Flagge auf dem Mittelmeer. "Das ist so, als würde man dem Opfer eines Verbrechens Verhaltensänderungen empfehlen wollen, um so den Straftätern keine weiteren Gelegenheiten zu geben, erneut Verbrechen gegen uns zu begehen."

    Die "Alan Kurdi" hatte am Samstag aus einem havarierten Schlauchboot 90 Menschen aufgenommen. Dabei war die Crew von Schnellbooten der libyschen Küstenwache bedrängt worden, deren Besatzung auch Warnschüsse abgab. Eine schwangere Frau aus Nigeria, die unter schweren Blutungen litt, war bereits am Sonntag von der italienischen Küstenwache nach Lampedusa gebracht worden.