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Kein Bock auf Europa? Wenig Interesse bei jungen Wählern | BR24

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Sie sind die Zukunft der EU, interessieren sich aber kaum dafür: Junge Deutsche halten die Europawahl für nicht so wichtig. Warum ist das so? Und was ist daran so gefährlich?

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Kein Bock auf Europa? Wenig Interesse bei jungen Wählern

Sie sind die Zukunft der EU, interessieren sich aber kaum dafür: Junge Deutsche halten die Europawahl für nicht so wichtig. Warum ist das so? Und was ist daran so gefährlich?

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Anfang Mai auf dem Münchner Odeonsplatz: Ein große Gruppe Menschen steht vor einer kleinen Bühne, viele von ihnen schwenken blaue Europafahnen mit dem Ring aus gelben Sternen, einige haben sie sich um die Schultern gelegt. Auf der "Pulse of Europe"-Demonstration möchten die Teilnehmer wenige Wochen vor der EU-Wahl ein Zeichen für ein vereintes Europa setzen. Was auffällt: Die meisten Menschen hier sind im mittleren oder höheren Alter. Junge Leute sieht man kaum. "Das ist etwas, was ich sehr bedaure", sagt eine Teilnehmerin, "das verstehe ich auch nicht. Da muss man mehr tun, dass die jungen Leute auch noch kommen."

Umfragen zeigen: Den Jungen ist die EU-Wahl egal

Tatsächlich bestätigen Umfragen: Jungen Wählern scheint Europapolitik weniger wichtig zu sein. Der BR BayernTrend vom Mai 2019 zeigt: 46 Prozent der 18- bis 39-jährigen interessieren sich wenig oder gar nicht für die Europawahl. Bei den über 65-jährigen trifft dies nur auf 23 Prozent zu. Jenny Paul ist eine der Organisatorinnen der Münchner "Puls of Europe"-Demo. Sie findet diese Umfragewerte erschreckend:

"Ich bin dafür, dass wir so viele junge Menschen wie möglich motivieren, zur Wahl zu gehen." Jenny Paul

Mangelnde Motivation

Doch genau an dieser Motivation mangele es, sagt der Bildungsforscher Klaus Hurrelmann. Er ist mitverantwortlich für die renommierte Shell Jugendstudie. Für junge Europäer sei die EU eine Selbstverständlichkeit, da sie damit groß geworden sind, so Hurrelmann. Gleichzeitig empfänden sie eine gewisse Ohnmacht:

"Junge Leute spüren intuitiv sehr genau, dass sie die Europapolitik nicht direkt beeinflussen können." Klaus Hurrelmann, Bildungsforscher

Keine Lehren aus dem Brexit?

Was dieses Ohnmachtsgefühl auslösen kann, hat 2016 die Brexit-Abstimmung in Großbritannien gezeigt. Damals haben fast zwei Drittel der 18- bis 24-Jährigen keine Stimme abgegeben. Hätten mehr junge Menschen abgestimmt, hätten sie das knappe Ergebnis für den Austritt aus der EU vielleicht kippen können.

Für den Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher ist der Brexit das beste Beispiel dafür, was passiert, wenn die Jungen den Wert der EU nicht erkennen. Der überzeugte Pro-Europäer ist Gastredner auf der "Pulse of Europe"-Demonstration in München. Er betont, dass so etwas wie in Großbritannien nicht noch einmal passieren dürfe:

"Wenn jetzt die falsche Seite gewinnt, dann haben wir einen Rückfall in die Kleinstaaterei und das wäre eine Katastrophe, vor allem für die Zukunft der EU." Arno Kompatscher, Südtiroler Landeshauptmann