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Keime in Wurst: Ermittlungen gegen Wilke-Geschäftsführer | BR24

© Uwe Zucchi/dpa

Gegen den Geschäftsführer der Firma Wilke wurde am Dienstag ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

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    Keime in Wurst: Ermittlungen gegen Wilke-Geschäftsführer

    Wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung wird seit Dienstag gegen den Geschäftsführer von Wilke ermittelt. In den Wurstwaren der Firma wurden gefährliche Keime festgestellt. Verbraucherschützer kritisieren die wenig transparente Aufklärung.

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    Nachdem Wurstprodukte der Firma Wilke wegen gefährlicher Keime zurückgerufen wurden, hat die Staatsanwaltschaft Kassel am Dienstag ein Ermittlungsverfahren gegen den Geschäftsführer eingeleitet. Die Ermittlungen wurden wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung aufgenommen. Dem Mann wird zudem fahrlässige Körperverletzung und ein Verstoß gegen das Lebensmittelrecht vorgeworfen, sagte ein Sprecher der Behörde.

    Die Waren der Firma werden mit zwei Todesfällen in Südhessen sowie 37 weiteren Krankheitsfällen wegen keimbelasteter Wurst in Verbindung gebracht. Die drei erkrankten Menschen sind zwischen 50 und 90 Jahre alt. Zwei von ihnen sind gestorben - einer von ihnen starb an einer anderen Erkrankung, bei der zweiten Person habe nicht ermittelt werden können, ob die Listeriose-Erkrankung die Todesursache war.

    Bereits mehrere Listerien-Fälle bei Wilke

    In der vergangenen Woche wurde bereits das Firmengelände von Wilke und der Wohnsitz des Beschuldigten durchsucht. Der Betrieb mit knapp 200 Mitarbeitern ist seit knapp einer Woche geschlossen und hat vorläufige Insolvenz angemeldet. Der Geschäftsführer befinde sich aber auf freiem Fuß.

    Ob sich die Zahl der Todes- und Krankheitsfälle weiter erhöht, ist unklar. Am Dienstag wurde bekannt, dass niedersächsische Behörden bei drei Erkrankten einen Keimtyp gefunden haben, der genetisch eng mit den Listerien verwandt ist und in den Waren der Firma Wilke vorkam. Bisher gab es bereits mehrere Listerien-Vorfälle bei Wilke. Die Keime können für Menschen mit geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein.

    Foodwatch mahnt Verbraucher zu Vorsicht

    Noch ist jedoch nicht sicher, wohin die Wurst überall geliefert wurde. Vor allem die Verbraucherorganisation Foodwatch warnt: Trotz einer weltweiten Rückrufaktion könnten sich Verbraucher nicht sicher sein, keine Ware der Firma auf dem Teller zu haben.

    Auf Druck von Foodwatch haben Behörden zwar Listen mit Hunderten von betroffenen Produkten herausgegeben. Doch das ändere nichts. "Die Ware ging schließlich auch undeklariert in Restaurants, Kantinen oder an Wursttheken in den Verkauf", so Foodwatch-Geschäftsführer Martin Rücker. Offen sei zudem, ob Wilke an die Lebensmittelindustrie zur Weiterverarbeitung geliefert habe.

    Verbraucherhotline eingerichtet

    Deshalb hatte Foodwatch den Behörden eine Frist gesetzt: "Wir wollen wissen, was den Behörden bisher über die Verkaufs- und Abgabestellen der zurückgerufenen Wilke-Produkte bekannt ist", sagt Rücker. Die Frist lief am Dienstagmittag aus - ohne Antwort auf den Eilantrag von Foodwatch und ohne Herausgabe der Kundenliste. Die Organisation reichte deswegen nach eigenen Angaben einen Eil-Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gegen den Landkreis Waldeck-Frankenberg beim Verwaltungsgericht Kassel ein.

    Das hessische Umweltministerium hatte eine Antwort an Foodwatch angekündigt. Es erklärte aber auch, dass eine Liste, wie sie gefordert werde, nicht existiere. Mittlerweile wurde eine Verbraucherhotline mit der Nummer 06151 – 126082 zur Rückrufaktion der Firma Wilke eingerichtet. Sie ist laut Umweltministerium von montags bis donnerstags zwischen 8.00 und 16.30 Uhr sowie freitags zwischen 8.00 und 15.00 Uhr erreichbar.

    Foodwatch unzufrieden mit Aufarbeitung des Falls

    Doch Foodwatch ist mit der Aufklärungsarbeit der Behörden unzufrieden. Die Verbraucherorganisation wirft dem Land vor, bereits am 12. August vom Listerien-Verdacht bei Wilke erfahren zu haben. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg als zuständige Behörde für die Lebensmittelüberwachung und das Land Hessen haben eine Untersuchung der Vorgänge angekündigt. Linke, FDP und SPD fordern Aufklärung von Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne).

    Was bei Wilke wirklich los war, dazu äußern sich die Behörden vage: Das Unternehmen sei "seiner Verantwortung als Lebensmittelunternehmen nicht vollumfänglich nachgekommen", heißt es. Ekelfotos und einen Medienbericht über eklatante Hygienemängel wurden bisher nicht kommentiert.

    "Das war ein Regime des Schreckens und der Angst"

    Bei der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hatte Wilke keinen guten Ruf: Die Belegschaft sei unter Druck gesetzt worden, es habe Schikanen gegen Mitarbeiter gegeben, der Krankenstand sei hoch gewesen. "Das war ein Regime des Schreckens und der Angst", sagte NGG-Geschäftsführer Andreas Kampmann. Er kenne kein anderes Unternehmen in Nordhessen, dass so geführt worden sei. Wilke selbst reagiert seit der Schließung nicht mehr auf Anfragen.

    Unklar bleibt, was im Untersuchungsbericht der "Task-Force Lebensmittelsicherheit" des Landes Hessen steht. Spezialisten hatten den Betrieb untersucht. Doch der Bericht bleibt vorerst unter Verschluss und ging an die Staatsanwaltschaft Kassel, die wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung ermittelt. Auch sie äußerte sich bisher nicht.