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Katwarn, Nina & Co.: Wie sinnvoll sind Warn-Apps? | BR24

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Die bayerischen Behörden geben Warnungen über Radio oder Fernsehen heraus, sobald Gefahr im Verzug ist. Immer öfter auch online über Apps. Das hat aber in der Vergangenheit nicht immer funktioniert.

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Katwarn, Nina & Co.: Wie sinnvoll sind Warn-Apps?

Ob Amoklauf, Naturgefahren oder Bombenfund – bei Katastrophen muss schnell reagiert werden. Polizei, Feuerwehr und Behörden warnen die Bevölkerung deshalb auch über Apps. Doch die können im Ernstfall den Geist aufgeben.

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Großbrand mit Schadstoffwolke, öffentliche Plätze verlassen, Fenster und Türen schließen. Gültig ab sofort! So oder so ähnlich schallt es im Ernstfall aus dem Radio, dem Fernseher oder dem Handy. Bei dem Amoklauf in München 2016 war das so: Es schallte aus Radio und Fernseher, nicht aber aus dem Handy. Damals versagte die Katastrophenwarnung via App wegen Überlastung.

Digitales Zeitalter ist störanfällig

Dass Warnmeldungen nicht rechtzeitig zugestellt werden, komme immer wieder vor, sagt der App-Experte Marinus Martin von Netzwelt.de: "Bei Unwetter zum Beispiel kamen Meldungen zum Teil erst viel später. Technik ist störungsanfällig. Man kann sich auf Apps nicht zu hundert Prozent verlassen." 700.000 Menschen in Bayern nutzen derzeit "Katwarn". Seit 2011 ist die Katastrophenwarn-App in verschiedenen bayerischen Städten im Einsatz. Konzipiert wurde sie vom Fraunhofer-Institut als ergänzendes Warnsystem zu Polizei, Feuerwehr und Medien.  

Probealarm - wie damals in der Schule

Ein Katastrophenwarnsystem, dessen technische Infrastruktur im Ernstfall überlastet ist, ist keine gute Werbung. "Wozu eine Katastrophenwarnung, wenn die Server ausfallen. So ein Schrott...", twittert ein User im Internet. Um System-Crashs in Zukunft zu vermeiden, werden die Apps mit Probealarmen getestet, sagt der Sprecher von Katwarn Niklas Reinhardt: "Wir schicken bis zu 500.000 Warnungen gleichzeitig raus. Das funktioniert gut."

Bei Bayerns oberstem Sicherheitshüter hingegen ruft das Lagezentrum höchstpersönlich an, wenn etwas passiert: "Und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit", schiebt Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hinterher. Warnapps beurteilt er trotz ihrer technischen Verwundbarkeit eindeutig positiv: "Natürlich können wir mit all diesen Dingen an Grenzen stoßen. Trotzdem ist die Möglichkeit von Warnapps in vielen Situationen eine zusätzliche Bereicherung."

Zu viele und überzogene Warnungen?

Nina, ebenfalls eine Warn-App, wird vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) betrieben. Fünf Millionen Menschen nutzen sie deutschlandweit. Vergangenes Jahr hatte Nina nach einem Rohrbruch den Großraum Hannover vor Problemen mit der Trinkwasserversorgung gewarnt. "Unqualifizierte Ausbreitung", kritisiert Matthias Kerl, Sprecher der damals betroffenen Stadtwerke Böhmetal: "Es war eine Netzleitung defekt und zwei kleine Ortschaften betroffen.“"

Landen Warn-Nachrichten tatsächlich immer zahlreicher auf dem Smartphone und entpuppen sich Unwetterwarnungen auch mal als Nieselregen? "Richtig ist, dass aufgrund steigender Nutzerzahlen bei den Warn-Apps dieses Instrument auch eine vermehrte Nutzung durch die Leitstellen erfährt", gibt der Sprecher des BBK, Wahid Samimy, zu. 

Nervbarometer schlägt an

Rund 15 Millionen Warnnachrichten sendet Katwarn jährlich aus. In Bayern löste Nina rund 145 Ereignisse aus. "Da kann ich mir schon vorstellen, dass es Menschen gibt, die die App wieder deinstallieren, weil sie durch die Flut an Meldungen genervt sind", sagt App-Experte Marinus Martin. Auf der Internetseite Netzwelt.de gibt es einen Störungsmelder, um Serverausfälle oder ähnliches zu melden.

"Direkt darunter haben wir einen Nervbarometer", erklärt Martin: "Dort können die Nutzer abstimmen, wie genervt sie von Störungen der jeweiligen Plattform sind. Bei Katwarn sind es tatsächlich gerade acht von zehn möglichen Punkten." Allerdings: Repräsentativ ist die Abstimmung mit 75 Teilnehmern nicht.

Katwarn-Sprecher Niklas Reinhardt sieht das anders: "So viele Warnmeldungen sind das nicht. Wir haben deutschlandweit drei Millionen Nutzer, wenn man das runterrechnet, sind es durchschnittlich fünf Warnmeldungen pro Jahr pro Person. Wenn man sich das in der Gesamtschau anschaut, ist da ein Abstumpfungsprozess aus meiner Sicht nicht sichtbar."

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