Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode.
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Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode ist der erste Bischof, der im Zuge des Missbrauchsskandal tatsächlich zurücktritt.

    Katholische Kirche: Wann dürfen Bischöfe zurücktreten?

    Bischof Franz-Josef Bode ist der erste deutsche Bischof, der im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal zurücktritt. Auch andere Bischöfe wollten Platz machen, doch der Papst beließ sie im Amt. Warum dürfen manche Bischöfe zurücktreten, andere nicht?

    Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat dem Papst seinen Rücktritt angeboten und Franziskus hat ihn auch angenommen. Damit ist Bode der erste deutsche Bischof, der im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche seinen Posten tatsächlich räumt. Ein außergewöhnlicher und überraschender Schritt, denn obwohl in der Vergangenheit bereits mehrere deutsche Bischöfe dem Papst ihren Rücktritt angeboten hatten, beließ Papst Franziskus bisher alle im Amt.

    Viele deutsche Bischöfe wollten schon zurücktreten

    Die Liste der deutschen Bischöfe, die schon einmal zurücktreten wollten, aber immer noch im Amt sind, ist lang: der Münchner Kardinal Reinhard Marx, der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, dessen Weihbischöfe Dominikus Schwaderlapp und Ansgar Puff und der Hamburger Erzbischof Stefan Heße. Für den Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode ist seine Amtszeit nun zu Ende. Dabei könnte aber auch seine angeschlagene Gesundheit eine Rolle gespielt haben.

    Für deutschlandweite mediale Aufmerksamkeit sorgten die Rücktrittsgesuche des Münchner Kardinals Reinhard Marx und des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki. Marx erklärte im Mai 2021 dem Papst seinen Amtsverzicht; er wolle Mitverantwortung tragen "für die Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche". Keine drei Wochen später, am 10. Juni, entschied Franziskus, Marx im Amt zu belassen. Ein erneutes Rücktrittsgesuch schloss Marx später nicht aus, "wenn sich eine neue Situation ergibt oder veränderte Umstände, die meinen Dienst grundsätzlich in Frage stellen".

    Bischöfe können nicht wie Politiker Amt einfach niederlegen

    Während die Entscheidung, Marx im Amt zu belassen, bei manchen Gläubigen auch auf Verständnis stieß, sorgte der Verbleib von Kardinal Woelki im Amt für großen Ärger unter den Katholiken. Im Erzbistum Köln gab es einen regelrechten Ansturm von Gläubigen auf die Standesämter, die schnellstmöglich aus der katholischen Kirche austreten wollten und das Verhalten des Kardinals bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals als Grund nannten. Juristische Fehler konnte Woelki eine Studie zwar nicht nachweisen, dennoch hat die Art und Weise der Aufarbeitung in Deutschlands mitgliederstärkstem Bistum zu einer großen Vertrauenskrise geführt. Der Papst selbst schaltete sich in die Vorgänge ein und hielt nach einer Untersuchung fest, dass Woelki "große Fehler" vor allem in der Kommunikation gemacht habe. Er verordnete Woelki eine mehrmonatige Auszeit und forderte ihn vor über einem Jahr auf, seinen Rücktritt anzubieten. Darauf reagiert hat der Papst bisher allerdings nicht.

    Katholische Bischöfe können laut Kirchenrecht nicht einfach wie Politiker ihr Amt niederlegen. Sie müssen dem Papst ihren Rücktritt anbieten, der dann darüber befindet, ob er den Rücktritt annimmt oder den Bischof in seinem Amt belässt. Üblich ist seit etwa 50 Jahren, dass deutsche Bischöfe dem Papst mit 75 Jahren ihren Rücktritt anbieten dürfen, der diesen dann normalerweise auch annimmt und sie in den Ruhestand entlässt. Lange Zeit war es bei Bischöfen aber wie beim Papst: Sie blieben bis zu ihrem Tod im Amt.

    Gefährden Bischofsrücktritte das hierarchische System?

    Rom versuche, Bischofsrücktritte so weit es gehe zu vermeiden, "weil man durch jeden Rücktritt, den man annimmt, eigentlich dieses hierarchische System der Bischofskirche gefährdet", sagte der Kirchenhistoriker Hubert Wolf bereits 2021 in einem Deutschlandfunk-Interview. "Wenn Sie zum Bischof geweiht sind, dann sind Sie zum Bischof geweiht, ob Sie jetzt zurücktreten oder nicht. Sie bleiben Bischof", sagte Wolf. "Der einzige Amtsträger in der katholischen Kirche, der, ohne dass er die Zustimmung von jemand anderem braucht, zurücktreten kann, ist der Papst."

    Auch der Münsteraner Professor für Kirchenrecht, Thomas Schüller, sagt, dass der Vatikan im Zweifel dem Bischof immer den Rücken stärken wird. "Was Rom gar nicht mag, ist die mediale – aus ihrer Sicht – Inszenierung. Kampagnen, Skandalisierung. Wenn der Eindruck entsteht, ein missliebiger, konservativer Erzbischof wird vom Hofe gejagt", sagt Schüller im Deutschlandfunk. Deshalb könne sich laut Schüller ein Bischof durchaus Skandale leisten, bevor der Papst tatsächlich einen Rücktritt annehme. Prominentestes Beispiel ist der ehemalige Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, der selbst nach seinem Rücktritt nicht sehr tief gefallen ist. Tebartz-van Elst ist heute Kurienbischof in Rom.

    Trotz bewiesener Pflichtverletzung: Papst lehnt Rücktritt ab

    Im Gegensatz zu Kardinal Woelki wurden anderen Verantwortlichen im Erzbistum Köln durch das Missbrauchsgutachten Pflichtverletzungen nachgewiesen. Elf Pflichtverletzungen werden dabei dem früheren Personalchef und Generalvikar in Köln und heutigem Hamburger Erzbischof Heße zur Last gelegt. Heße hatte daraufhin seine Amtsgeschäfte ruhen lassen. Doch der Papst lehnte Heßes Rücktrittsgesuch ab. Seither versucht der Hamburger Erzbischof, das Vertrauen der Katholiken zurückzugewinnen.

    Auch dem jetzigen Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp weist das 2021 veröffentlichte Gutachten Fehlverhalten im Zeitraum zwischen 2004 und 2012 nach, als Schwaderlapp Leiter der Kölner Bistumsverwaltung war. Nachdem der Papst seinen Rücktritt abgelehnt hatte, ging er für zehn Monate nach Afrika, um dort als einfacher Priester zu arbeiten. Auch Ansgar Puff soll als früherer Personalchef im Erzbistum Köln einmal gegen seine Aufklärungspflicht verstoßen haben. Puff und Schwaderlapp hätten zwar vereinzelt Fehler begangen, nicht aber die Absicht gehabt, Missbrauch zu vertuschen oder Betroffene zu ignorieren, begründete der Papst die Ablehnung der beiden Rücktrittsgesuche.

    Wegen Missbrauch: Weltweit viele Bischöfe zurückgetreten

    Im Gegensatz zu Deutschland haben weltweit schon zahlreiche Bischöfe wegen ihres Versagens im Umgang mit Missbrauchsfällen ihr Amt niedergelegt. Als erster reichte der Bostoner Kardinal Bernard Law 2002 seinen Rücktritt ein, nachdem ihm Medien die Vertuschung zahlreicher Fälle nachgewiesen hatten. Sieben Jahre später folgten zwei Bischöfe und zwei Weihbischöfe aus Irland. Eine regelrechte Rücktrittswelle gab es 2018 in Chile, wo 30 Mitglieder der Bischofskonferenz ihre Ämter zeitgleich zur Disposition stellten. Fünf Rücktritte davon nahm der Papst im selben Jahr an. 2018 trat der Erzbischof von Adelaide in Australien, Philip Wilson, wegen Vertuschung zurück. Medial für Aufmerksamkeit sorgte auch der Fall des französischen Kardinals Philippe Barbarin, dessen Rücktritt als Erzbischof von Lyon Franziskus trotz eines Freispruchs vor einem weltlichen Gericht im März 2020 annahm.

    Noch im Herbst 2022 hatte der nun zurückgetretene Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode die Rücktrittsforderungen zurückgewiesen, obwohl ihn Studienergebnisse belasteten. Doch die Kritik an Bode riss in den Monaten darauf nicht ab. Betroffene hatten ihn sogar im Vatikan angezeigt, weil er einen Fall gänzlich falsch eingeschätzt habe. Was dann dazu geführt haben könnte, dass der Osnabrücker Bischof seine Meinung änderte, und dem Papst dann doch seinen Amtsverzicht anbot, ist nicht bekannt.

    Mit Informationen der KNA

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