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Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.
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Martin Jarde
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Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) hat sich bei ihrer Frühjahrsvollversammlung im niedersächsischen Lingen auf einen Erneuerungsprozess geeinigt. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, spricht von einem "synodalen Weg", der gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) organisiert werden soll und der für Experten von außen offen ist.

Das weckt Erinnerungen an die "Würzburger Synode" in den 1970er Jahren. Auch damals haben die deutschen Katholiken gemeinsam über Reformen diskutiert. Marx legt Wert auf die Feststellung: Dieser Beratungsprozess wurde heute ohne Gegenstimmen von allen deutschen Bischöfen beschlossen.

"Es wird uns nicht mehr durchgelassen, dass wir jetzt jahrelang nur reden, reden, reden." Kardinal Reinhard Marx

Themen sollen der "nötige Machtabbau" bei Klerikern, der Zölibat und die Sexualmoral der Kirche sein, so Marx. Alle Bischöfe hätten mittlerweile gespürt, "dass es so nicht weitergeht und dass die Gläubigen das nicht mehr mitmachen". Marx betonte, es gehe nicht um einen "deutschen Sonderweg" in der Weltkirche. Am Ende könne ein "Brief nach Rom" mit konkreten Veränderungswünschen stehen.

Ärger mit Rom vermeiden? - "Die Zeiten sind jetzt vorbei"

Gerade Diskussionen zum Zölibat und der Sexualmoral hatten einige Bischöfe bisher strikt abgelehnt - so zum Beispiel beim "Gesprächsprozess" der Jahre 2011 bis 2015. Damals habe man "Ärger mit Rom" vermeiden wollen, betonte Marx: "Die Zeiten sind jetzt vorbei."

Die Sexualmoral der Kirche habe entscheidende Erkenntnisse aus der Theologie und den Humanwissenschaften noch nicht aufgenommen, so der Kardinal. Die Bedeutung der Sexualität finde bislang keine hinreichende Beachtung in der katholischen Morallehre.

"Man kann das nicht mit einem Tabu belegen, weil man sagt, das gibt eh' nur Streit." Kardinal Reinhard Marx

Aufhebung des Zölibats ist kein Tabuthema mehr

Mit Blick auf den Zölibat müsse die Frage erlaubt sein, ob verheiratete Priester in der katholischen Kirche die absolute Ausnahme bleiben müssten, sagte Marx. Zugleich bekundete der Kardinal, dass die Bischöfe die Ehelosigkeit der Priester als "Ausdruck der religiösen Bindung an Gott" schätzten und diese Tradition nicht einfach aufgeben wollten.

Der geplante Dialog brauche eine gewisse Ordnung in einem verabredeten Zeitraum und müsse verbindlich verlaufen, so Marx. Um umständliche Genehmigungen in Rom zu vermeiden, hätten sich die Bischöfe entschieden, das Ganze im kirchenrechtlich offenen Format des "synodalen Wegs" zu beginnen. Das bedeutet, es soll eine breite Debatte unter Mitwirkung katholischer Laien und mit verbindlichen Beschlüssen geben.

Erste Konferenzen von Bischöfen, Laien und Experten im September

Als ersten Schritt beschlossen die Bischöfe die Einsetzung von drei Vorbereitungsforen zu den Themen "Macht", "Sexualmoral" und "Priesterliche Lebensform". Die Foren sollen bereits am 12. und 13. September einen ersten Zwischenbericht geben. Für diesen Termin ist einen Konferenz zusammen mit dem ZdK und weiteren Personen geplant.

Das ZdK, die oberste Laienvertretung der Katholiken, begrüßte den Entschluss. "Wir stehen bereit, mit den Bischöfen in der Gemeinsamen Konferenz und der Tagung im September dieses Jahres, die Vorbereitung zügig voranzubringen, wenn der Wille zu wirklicher Veränderung erkennbar wird", erklärte Präsident Thomas Sternberg. Er betonte allerdings, dass klar sein müsse, "was da beraten und entschieden werden soll":

"Wenn das einfach nur ein Gesprächsprozess mit offenem Ausgang sein sollte, würde das Frustration bedeuten. Die Leute wollen jetzt Reformen sehen." ZdK-Präsident Thomas Sternberg

Marx: Beschlüsse später auf weltkirchlicher Ebene vertreten

Wie der Beratungsprozess ausgeht, sei völlig offen, sagte Kardinal Marx. Möglicherweise werde er mit einem Mehrheits- und einem Minderheitsvotum abgeschlossen. Am Ende könnte ein Brief an Rom stehen, der die Ergebnisse zusammenfasst.

Für Marx steht allerdings fest: "Wer einen solchen Weg geht, muss auch die Bereitschaft haben, die dort getroffenen Beschlüsse auf weltkirchlicher Ebene zu vertreten."