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Bildrechte: Renate Spannig

Renate Spannig, Maria 2.0

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    Katholische Frauenbewegung Maria 2.0 im Visier des Vatikans

    Hunderte katholische Frauen in ganz Deutschland fordern Gleichberechtigung. Doch während sich in München gerade eine neue "Maria 2.0"-Gruppe formiert, rückt die Kölner ins Visier des Vatikans. Aber es gibt Unterstützung durch einen Frauenverband.

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    Von
    • Julia Mumelter

    Sie wollen die Machtstrukturen in ihrer Kirche aufbrechen, fordern Gleichberechtigung von Frauen und eine schonungslose Aufklärung der Missbrauchsfälle. Hunderte katholische Frauen in Deutschland engagieren sich bei Maria 2.0. In der Münchner Gruppe sind die rund 40 Mitglieder zwischen 14 und 80 Jahre alt. Generationenübergreifend fordern sie eine Reform ihrer katholischen Kirche. Der Großteil der Gruppe besteht aus Frauen, aber auch ein paar Männer sind dabei.

    Maria 2.0 sieht in der Kirche derzeit Verletzungen der Menschenrechte

    Der Wunsch nach Vernetzung und Veränderung - der treibe die Gruppe an, erklärt Renate Spannig, die Sprecherin von Maria 2.0 München. Die Gruppe hat sich erst vor kurzem gegründet. Das, was derzeit in der katholischen Kirche passiere, nennt sie "eigentlich eine Verletzung der Menschenrechte". Frauen seien nicht gleichgestellt. "Den Betroffenen von Missbrauch wird nicht wirklich das Recht zugestanden. Es gibt keinerlei demokratische Entscheidungsprozesse und das sind alles Punkte wo wir sagen, das passt einfach nicht zu unserem Leben als Frauen 2021."

    Kölner Gruppe im Visier der Glaubenskongregation?

    Während sich die neue Initiative in München bislang Corona-bedingt nur online treffen konnte, ist Maria 2.0 in Nordrhein-Westfalen schon seit knapp zwei Jahren an der Basis aktiv, mitgliederstark und gut vernetzt. Die Kölner Gruppe steht nun womöglich im Visier des Vatikans. Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung werde Maria 2.0 von der Glaubenskongregation beobachtet. Die Bewegung hat nach eigenen Angaben bislang keine Kenntnis davon, ob sich die vatikanische Glaubenskongregation tatsächlich mit ihr beschäftigt.

    Solidarität von großem Frauenverband KfD

    Unabhängig davon, ob dem so ist oder nicht, hat sich die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands, die fast eine halbe Million Mitglieder hat, mit Maria 2.0 solidarisiert. Die Theologin Agnes Wuckelt ist im Vorstand des katholischen Verbands - sie hofft, dass es nicht zu einer außerordentlichen Visitation der Glaubenskongregation kommt. Denn der Vatikan würde damit einerseits ein Signal der Einschüchterung senden.

    Andererseits wurde er allerdings auch offenbaren, dass der er die Bewegung fürchtet. Die Amtsträger spüren ihrer Meinung nach, dass damit ihre Position, ihre Einstellung auf den Prüfstand gestellt werde, dass sie etwas verlieren und das sie vielleicht auch zugeben müssten, dass sie in eine falsche Richtung dächten. "Und dass sie Frauen missachten und Frauen nicht ernst genug nehmen und das einzugestehen ist natürlich sehr schwer."

    Maria 1.0 will keine Zeitgeist-Kirche

    Johanna Stöhr von der Bewegung Maria 1.0 hat eine andere Meinung. In Sachen Frauen sieht sie keinen Handlungsbedarf in der katholischen Kirche. Für sie ist es in Ordnung, wenn andere Frauen anders denken. "Aber sie sollten ihren persönlichen Glauben nicht zur Definition des katholischen Glaubens erheben." Sie wolle an das glauben, was seit 2.000 Jahren überliefert sei und nicht auf das vertrauen, was gerade dem Zeitgeist entspreche, sagt sie.

    Beobachtung vom Vatikan? Auftrieb für Maria 2.0!

    Renate Spannig von der frisch gegründeten Maria 2.0 Bewegung will auf jeden Fall weiter für Reformen in ihrer Kirche kämpfen. Angst vor einer möglichen Beobachtung aus dem Vatikan habe man nicht. Die dadurch entstehende Aufmerksamkeit würde ihrer Reformbewegung dann wohl eher zugutekommen, so die katholische Aktivistin.

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