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Katholische Bischöfe wollen an Reformweg festhalten | BR24

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Neben der Entschädigung von Missbrauchsopfern haben die katholischen Bischöfe auf ihrer Herbstvollversammlung über weitreichende Reformen beraten. Der eingeschlagene Reformweg soll fortgesetzt werden - trotz Widerstands aus Rom und einiger Bischöfe .

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Katholische Bischöfe wollen an Reformweg festhalten

Neben der Entschädigung von Missbrauchsopfern haben die katholischen Bischöfe auf ihrer Herbstvollversammlung über weitreichende Reformen beraten. Der eingeschlagene Reformweg soll fortgesetzt werden - trotz Widerstands.

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Was die Entschädigung von Missbrauchsopfern betrifft, hatten die katholischen Bischöfe auf ihrer Herbstvollversammlung in Fulda bereits gestern weitreichende Beschlüsse gefasst. Auf dem Tisch liegen zwei Modelle: Das eine sieht eine pauschale Entschädigung in Höhe von rund 300.000 Euro pro Fall vor, das andere ein abgestuftes Entschädigungsverfahren, bei dem je nach Schwere des Falls zwischen 40.000 und 400.000 Euro gezahlt werden.

Entschädigung von Missbrauchsopfern und Reformprozess

Neben der Entschädigungsfrage war das zentrale Thema in Fulda aber ein anderes: Die Bischöfe mussten darüber entscheiden, wie sie den im Frühjahr beschlossenen Reformprozess, den sogenannten "synodalen Weg" fortführen wollen. Vier Arbeitsgruppen haben seitdem Thesenpapiere über Sexualmoral, die Lebensform für Priester, die Frage der Macht und, auf Wunsch des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), die Rolle der Frau, erarbeitet.

Parallel gab es Gegenwind von konservativer Seite - aus Bayern, aus Köln und aus Rom. Vereinfacht gesagt stehen rund 80 Prozent der Bischöfe hinter dem Vorhaben, aus Sicht der Minderheit überwiegen die Gefahren des Prozesses. Mitmachen wollen indes alle Bischöfe, wie der Konferenz-Vorsitzende, Kardinal Reinhard Marx, zum Abschluss betonte.

Kardinal Marx zeigt sich verwundert über Vorwurf aus Rom

Den Vorwurf, der "synodale Weg" wäre ein deutscher Alleingang, der zu einer Nationalkirche ohne Bindung an Rom führe, weist die Mehrheit der Bischöfe zurück. Marx betonte das mit Nachdruck und zeigte sich verwundert, wie eine solche Einschätzung in Rom überhaupt habe aufkommen können.

Außergewöhnlich stark war in Fulda die Begleitung der Basis: Frauen organisierten zwei Demonstrationen und machten deutlich, dass sie mehr Gleichberechtigung in der katholischen Kirchen anstreben. Auch die Katholische junge Gemeinde (KjG) forderte "Strukturveränderungen - mutig, zeitnah, transparent!" Die Bischöfe mühten sich, mit den Demonstranten ins Gespräch zu kommen und zu signalisieren, dass die Anliegen der Basis gehört würden. Auch hier geht es um eine bessere und andere Gesprächskultur.

Bischöfe unterstützen Seenotrettung von Flüchtlingen

Ein weiterer Punkt auf der Agenda in Fulda war die Seenotrettung von Flüchtlingen. Die Deutsche Bischofskonferenz setzt hier ihr Engagement fort und will die Seenotrettung weiter unterstützen. In dem am Donnerstag in Fulda veröffentlichten Bericht heißt es, die Grenze Europas dürfe "keine Grenze des Todes sein". Die europäischen Staaten seien verpflichtet, "eine wirksame Seenotrettung zu organisieren - verbunden mit einer Flüchtlingspolitik, die sichere Wege eröffnet".

Wenn Staaten ihrer Verpflichtung zur Seenotrettung nicht nachkämen, sei zivilgesellschaftliches Handeln dringend geboten. Entsprechende Initiativen dürften nicht diffamiert, sondern müssten unterstützt werden. Ziel aller müsse es sein, "das Sterben auf dem Mittelmeer zu beenden".

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Die Bischöfe haben die Dringlichkeit von Reformen in der katholischen Kirche erkannt. Das berichtet BR-Reporter Kleinjung, der die Herbstvollversammlung der Bischofskonferenz in Fulda beobachtet hat.