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Kastration und Kastenstände: Tierwohl in der Schweinehaltung | BR24

© Birgit Schmeitzner/BR

Intensive Schweinehaltung und Tierwohl sind schwer auf einen Nenner zu bringen. Die Grünen werfen Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner vor, mehr auf PR-Aktionen zu setzen, als wirklich etwas für die Tiere zu tun. Die CDU-Politikerin wehrt sich.

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Kastration und Kastenstände: Tierwohl in der Schweinehaltung

Intensive Schweinehaltung und Tierwohl sind schwer auf einen Nenner zu bringen. Die Grünen werfen Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner vor, mehr auf PR-Aktionen zu setzen, als wirklich etwas für die Tiere zu tun. Die CDU-Politikerin wehrt sich.

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Geht es um die Zustände in der Schweinehaltung, ist man schnell mitten im Spannungsfeld zwischen dem Tierwohl auf der einen Seite und den wirtschaftlichen Interessen des Landwirts auf der anderen.

Die Politik, fordert der Grüne Bundestagsabgeordnete Friedrich Ostendorff immer wieder, müsse Tiere besser schützen. Und zwar nicht, "weil wir durchgeknallte, überemotionale Tierfreunde sind, sondern weil es das Grundgesetz von uns verlangt." Der Tierschutz habe eben Verfassungsrang.

Klöckner muss Kompromisse schmieden

Ostendorff wirft Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) vor, nicht genug zu tun. Sie doktore an der intensiven Schweinehaltung herum. Diese habe aber keine Zukunft, zumindest nicht, wenn man sie umweltverträglich und artgerecht haben wolle. Klöckner verteidigt sich damit, sie müsse eben immer alle Beteiligten mitnehmen.

"Den Bauern ist es zu streng, was ich mache, den NGOs und den Grünen ist es zu wenig. In der Mitte, im Ausgleich liegt die Kraft. Auch in der Demokratie." Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU)

Die betäubungslose Kastration

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat den Bauern eine weitere Übergangsphase zugestanden, in der sie den männlichen Ferkeln ohne Betäubung die Hoden herausschneiden dürfen. Der Plan ist jetzt, dass Bauern nach einer mehrstündigen Schulung die Tiere selbst betäuben. Und zwar mit Isofluran, das kürzlich als Narkosemittel zugelassen wurde. Die entsprechende Verordnung soll laut Ministerium vor Ende des Jahres in Kraft treten.

Kritik kommt von den Tierärzten

Allerdings stößt das auf Widerstand bei den Tierärzten. Sie befürchten, dass das Einleiten einer Narkose die Landwirte überfordert. Mit der Folge, dass die Ferkel eben nicht schmerzfrei operiert werden, wie es das Tierschutzgesetz eigentlich vorschreibt.

Eingepfercht in Kastenstände

Ebenfalls in Arbeit sind neue Vorschriften für die so genannten Kastenstände. Zuchtsauen verbringen im Schnitt vor und nach jeder Besamung bis zu 70 Tage in engen Boxen aus Metallgittern. Hochgerechnet aufs Jahr sind das rund 160 Tage. Quälerei, sagen die Grünen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium will die Zeit, die die Zuchtsauen in diesen Boxen verbringen, begrenzen – und zwar von maximal 70 Tage auf dann maximal 13 Tage pro Trächtigkeitszyklus.

70 cm sind nicht breit genug

Auch sollen die Boxen breiter und länger werden. Im Gegenzug soll aber eine bestehende Vorschrift fallen, wonach die Sauen im Liegen ihre Gliedmaßen ausstrecken können müssen, ohne dass sie dabei an ein Hindernis stoßen.

Das Ministerium will verhindern, dass die Betriebe "Zwischeninvestitionen" tätigen müssen. Dort bestätigt man auch, dass diese Vorschrift derzeit gar nicht umgesetzt wird: "Es ist korrekt, dass diese Anforderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung bisher anders interpretiert wurde."

Schweinehalter klagen über Strukturbruch

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter pocht auf Planungssicherheit. Und argumentiert damit, die Branche sei ohnehin im Umbruch. Einer Umfrage der Lobbyvertretung zufolge will die Hälfte der Zuchtbetriebe in den kommenden zehn Jahren aufgeben, betroffen seien gerade kleine Betriebe und vor allem solche in den südlichen Bundesländern.

Höfesterben auch in Bayern

In Bayern gab es Ende des vergangenen Jahres rund 4.800 schweinehaltende Betriebe mit mindestens 50 Schweinen oder zehn Zuchtsauen. Das sind rund 200 Betriebe weniger als noch im Jahr zuvor. Der Bayerische Bauernverband spricht von einer dramatischen Situation und fordert für jede Neuregelung lange Übergangsfristen – mindestens 15 Jahre. Genau das sieht Klöckners Verordnungsentwurf für den Umbau der Ställe und neue Kastenstände vor.