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Kassenforderungen an Krankenhäuser auf Rekordstand | BR24

© picture alliance/chromorange

Symbolbild: medizinische Behandlungsgerätschaft

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    Kassenforderungen an Krankenhäuser auf Rekordstand

    Geldforderungen, die Krankenkassen an Kliniken wegen fehlerhafter Abrechnungen richten, sind 2018 in Bayern auf einen Rekordstand gestiegen. Beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung und Kliniken sorgt die Entwicklung für Ärger.

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    Max Peter Waser ist beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung dafür zuständig, dass die Rechnungen, die Krankenhäuser stellen, darauf geprüft werden, ob sie korrekt sind. Der stellvertretende MDK-Geschäftsführer ist immer wieder beeindruckt, wie viele Rechnungen die Kassen monieren:

    "Etwa jede siebte Rechnung wird uns zur Prüfung vorgelegt." Max Peter Waser, MDK Bayern

    Vergangenes Jahr hat der MDK Bayern im Auftrag der Krankenkassen knapp 409.000 Klinikrechnungen geprüft, innerhalb von zwei Jahren ist das ein Anstieg um 26 Prozent. In mehr als der Hälfte der Fälle finden die Prüfer des MDK Fehler in den Klinik-Rechnungen. Die Kassen kürzen die Rechnungen deshalb im Schnitt um jeweils 1.500 Euro. Das bedeutet, dass sich die Kassen alleine in Bayern auf diese Weise pro Jahr rund 300 Millionen Euro von den Kliniken holen. In dieser riesigen Summe liegt nach Ansicht des Geschäftsführers der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, Siegfried Hasenbein, der eigentliche Grund für den rasanten Anstieg der Prüfungen:

    "Das Bemühen der Krankenkassen, möglichst viele Abrechnungen streitig zu stellen, möglichst viele Rechnungen zu kürzen und die Ausgaben zu minimieren." Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer Bayerische Krankenhausgesellschaft

    Mehr als 30.000 Vorschriften für Behandlungen

    Außerdem ist nach Einschätzung der Krankenhausgesellschaft das Abrechnungssystem inzwischen so kompliziert, dass es nicht mehr vernünftig zu handhaben sei. Der sogenannte OPS-Katalog, in dem Vorschriften für Behandlungen und Diagnosen aufgeschrieben sind, umfasse inzwischen mehr als 30.000 Posten, zu denen es jeweils umfangreiche Erläuterungen gebe, beklagt der Klinikverbands-Geschäftsführer. Alleine, wie etwa eine besonders intensive Versorgung von Schlaganfallpatienten abzurechnen ist, sei auf 49 Seiten beschrieben.

    "Die Kombination von zigtausenden von Prozeduren und Diagnosen ist nicht mehr überschaubar und natürlich auch extrem interpretationsfähig und fehleranfällig." Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer Bayerische Krankenhausgesellschaft

    Max Peter Waser vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung räumt ein, dass der Dschungel der Abrechnungsregeln immer dichter wuchert. Aber Krankenhäuser hätten im jetzigen System auch einen Anreiz, Leistungen so abzurechnen, dass sie möglichst viel Geld dafür bekommen.

    "Die Krankenhäuser sehen sich sicherlich einem Wettbewerbs-System ausgesetzt, in dem sie auch entsprechend versuchen, sich ökonomisch zu behaupten. Und diese Fehlanreize, die machen natürlich auch gewisse Entwicklungen einfach möglich." Max Peter Waser, MDK Bayern

    Mit professioneller Hilfe gegen Krankenkassen-Forderungen

    So haben sich inzwischen zahlreiche Beratungsunternehmen darauf spezialisiert, Krankenhausmitarbeiter darin zu schulen, dass sie Rechnungen so stellen, dass sie möglichst viel Geld bringen. Nach Ansicht der Krankenhausgesellschaft bleibt den Kliniken aber auch gar nichts anderes übrig, als sich mit professioneller Hilfe gegen die Forderungen der Krankenkassen zu wehren. Der BKG-Geschäftsführer Siegfried Hasenbein wünscht sich daher vor allem eines:

    "Ein Ende dieser Misstrauenskultur, dass man den Krankenhäusern per se unterstellt, sie würden falsch und zu hoch abrechnen." Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer Bayerische Krankenhausgesellschaft

    So lange das Abrechnungssystem aber so bleibt, wie es derzeit ist, hat er wenig Hoffnung, dass sich schnell etwas ändert. Deswegen kommt von der Krankenhausgesellschaft vor allem eine Forderung.

    "Das System muss deutlich entschlackt und entbürokratisiert werden." Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer Bayerische Krankenhausgesellschaft

    Dagegen hätte auch Max Peter Waser vom MDK nichts einzuwenden. Alleine in Bayern sind beim Medizinische Dienst der Krankenversicherung mehr als 160 Mitarbeiter nur mit der Prüfung von Klinikrechnungen beschäftigt, rund die Hälfte davon sind Ärzte. In Wasers Augen ist eines klar:

    "Dass man die durchaus auch an anderen Stellen sinnvoller einsetzen könnte - vorausgesetzt, wir hätten ein System, das in dem Bereich Ressourcen freisetzt." Max Peter Waser, MDK Bayern