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Karl Lauterbach

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    Karl Lauterbach: Der ewige Mahner in der Corona-Politik

    Ein Name taucht in der Corona-Krise häufig auf, wenn es um Mahnung und Warnung geht. Karl Lauterbach. Wer ist der SPD-Politiker und Epidemiologe? Ein Portrait.

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    Von
    • Barbara Kostolnik

    Der Mann polarisiert. Schon immer. Selbst in seiner eigenen Partei, der SPD, rollen einige die Augen, wenn sein Name fällt. Und der Name von Prof. Dr. Karl Lauterbach, dem studierten Epidemiologen und Gesundheitsökonomen, fällt in dieser Corona-Pandemie noch häufiger als sonst. Der 58-jährige Lauterbach ist ein unermüdlicher Warner in dieser Krise, er liest beinahe jede wissenschaftliche Studie zum Thema und bespricht sie dann auf seinem Twitter-Account, dem weit mehr Menschen folgen als dem Bundesgesundheitsminister. Seine Aufklärungsarbeit hat dem Vater von fünf Kindern sehr viel Aufmerksamkeit beschert - auch negative bis hin zu Morddrohungen. Lauterbach aber lässt nicht locker.

    Keine Talkshow ohne "Karlchen Überall"

    Der Gesundheitsschutz ist dem Gesundheitsexperten der SPD-Bundestagsfraktion ein echtes Anliegen. Dabei ist der Mann noch nicht einmal Mitglied im Gesundheitsausschuss: Zu Beginn der Legislaturperiode wurde er von seiner Partei in den Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz verbannt. Das war noch vor der Pandemie, Lauterbach war ein einfacher Abgeordneter ohne große Aufgaben.

    Dann aber kam Corona, und mit der Pandemie kam Lauterbachs Popularität zurück. Kaum eine Talkshow ohne "Karlchen Überall", wie ihn böse Stimmen bereits in der Vergangenheit wenig freundlich bezeichnet hatten. Dass er bei Markus Lanz ein Abo oder eine Couch stehen hätte, streitet er milde lächelnd ab. Aber wenn er angerufen wird, um seine Ansichten zur Pandemie zu äußern, kommt er fast immer.

    Salzarm und fleischlos: Auch beim Essen achtet Lauterbach auf Gesundheit

    Karl Lauterbach schläft weniger als er seinen Patienten raten würde, sagt er, er brauche aber auch wenig Schlaf, das habe er sich in seiner Studienzeit in den USA so angewöhnt. Er treibt Sport, isst salzarm und kein Fleisch, Fisch allerdings schon. Sein Lieblings-Cocktail ist weniger schillernd als seine Auftritte im Fernsehen und geradezu verblüffend konservativ: Gin-Tonic.

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    Karl Lauterbach beim corona-konformen Tischtennis mit Günter Wallraff (im November 2020)

    Der Sohn einer Arbeiterfamilie im damaligen SPD-Stammland Nordrhein-Westfalen war in jungen Jahren CDU-Mitglied. Politische Karriere machte er aber in der SPD, in die er 2001 eintrat. Er hat ein ungebrochenes Selbstbewusstsein: Als die SPD 2019 ein Vorsitzenden-Duo suchte, trat er an und als vehementer Klimaschützer und GroKo-Kritiker auf – auch Lauterbach selbst rechnete wohl nicht mit erhöhten Siegchancen.

    Dass er zusammen mit Nina Scheer recht kläglich scheiterte, hat er nach eigenem Bekunden grundsätzlich bedauert.

    Der Erfinder der Bürgerversicherung

    Lauterbach ist einer der Erfinder der Bürgerversicherung. Als seine Partei-Freundin Ulla Schmidt Bundesgesundheitsministerin war, galt er als eine der treibenden Kräfte hinter einer Gesundheitsreform, die ihn letzten Endes aber enttäuscht zurückließ: Die SPD hatte es nicht geschafft, die Bürgerversicherung in der Großen Koalition durchzusetzen.

    Es gilt als offenes Geheimnis, dass sich Karl Lauterbach das Amt des Bundesgesundheitsministers nicht nur zutraut, sondern der festen Überzeugung ist, er könne es besser als viele andere.

    Um den erneuten Einzug in den Bundestag muss sich der SPD-Politiker, anders als etliche andere Parteigenossinnen und -genossen, keine großen Gedanken machen: Seit 2005 ist er direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Leverkusen und Köln-Mülheim. Und er ist sich sicher, dass das so bleibt.

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