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Kardinal Gerhard Ludwig Müller mit anderen Kardinälen im Petersdom
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Guido Fromm
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Kardinal Gerhard Ludwig Müller mit anderen Kardinälen im Petersdom

Der frühere Regensburger Bischof und zeitweilige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hat die Kirchenführung von Papst Franziskus scharf kritisiert.

Attacke auf Kardinalsrat

In einem Interview mit dem "Spiegel" beklagt der 71-Jährige unter anderem, dass der Papst das Kardinalskollegium zu wenig zu Rate ziehe. Zugleich sei der Kardinalsrat, ein Beratergremium mit neun Mitgliedern zur Reform der Leitung der Katholischen Kirche, "ein exklusiver Zirkel geworden, in dem der Management-Gedanke zu dominieren scheint." Die Kirche, so Müller, sei aber eine geistliche Gemeinschaft, die nicht wie ein Wirtschaftsunternehmen zu reorganisieren sei. Dem Rat gehört auch der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, an.

"Hofschranzen" im Vatikan

Kritik übt Müller in dem Interview am Umgang mit Personal. Dieser sei willkürlich.

"Es gibt keinen Kündigungsschutz, keinen Personalrat. Da kann jeder jederzeit ohne Angabe von Gründen entlassen werden, wie es unter anderem mit dreien meiner Mitarbeiter passiert ist. Ich habe dem Papst auch gesagt, dass ich das unmöglich finde." Kardinal Gerhard Ludwig Müller im "Spiegel"-Interview

Der Papst mache sich "von Zuträgern und ihren oft unedlen Motiven abhängig, wenn er sich in Personalentscheidungen" über Mitarbeiter einbeziehen lasse, die er gar nicht kennen könne, so Müller weiter. Mit Blick auf seine eigene Ablösung als Präfekt der Glaubenskongregation 2017 sieht er in der Rückschau öffentlich lancierte Ressentiments gegen die Kongregation und sich selbst als Ursache.

"Man war offenkundig mit meiner Position nicht zufrieden - nämlich, dass wir uns nicht in einen Gegensatz zur Heiligen Schrift und den wesentlichen Aussagen der kirchlichen Überlieferung begeben können, sondern ihnen dienen sollen." Kardinal Gerhard Ludwig Müller im "Spiegel"-Interview

Der Papst sei umgeben von Leuten, "die wenig von Theologie und der kirchlichen Soziallehre" verstünden, sondern eine Höflingsmentalität nicht ablegen wollen. Diesen "Hofschranzen" gelte heute jedes Wort, jede beiläufige Bemerkung von Franziskus, und sei es in einem Interview, als sakrosankt. "Als hätte Gott selbst gesprochen", so Müller. Dabei habe, was der Papst als Privatmann sage, "mit Unfehlbarkeit in Glaubensfragen nicht das Geringste zu tun."

Müller: Papst ist "rechtgläubig"

Papst Franziskus selbst bezeichnet Müller im Interview als "orthodox", das heißt im katholischen Sinne rechtgläubig. Seine Aufgabe sei es aber, die Kirche in der Wahrheit zu einen. Mit Blick darauf warnt Müller davor, eine Gruppe, die sich mit Progressismus brüste, gegen den Rest der Kirche auszuspielen. Auch lehnt er es ab, die Gesamtkirche nach den Regeln des Jesuitenordens zu führen.

Kritik an Kollegen

In seine Kritik schließt Müller auch seinen Kardinalskollegen Walter Kasper ein - auch wegen dessen Reaktion an dem von Müller kürzlich veröffentlichen Glaubensmanifest. Dabei habe es sich um eine Auftragsarbeit gehandelt, "in der die kirchliche Machtpolitik über die Theologie gesiegt" habe, so der frühere Regensburger Bischof, der zudem offen mit Teilen des deutschen Klerus' hadert:

"Deutschland war einmal in Fragen der Theologie führend. Und dass es derzeit ausgerechnet Deutsche sind, die sich bei dieser völligen Talfahrt an die Spitze des Zuges setzen und die Lokomotive für die Weltkirche spielen wollen, für eine Weltkirche unter deutscher Führung, ist mehr als kurios." Kardinal Gerhard Ludwig Müller im "Spiegel"-Interview

Missbrauch Minderjähriger nicht dulden

Mit Blick auf den anstehenden Anti-Missbrauchs-Gipfel im Vatikan macht Kardinal Müller deutlich, dass sexueller Missbrauch Minderjähriger in keiner Weise geduldet werden könne. Es handele sich um einen sowohl weltlichen wie kirchlichen Straftatbestand, der entsprechend verfolgt werden müsse.

"Wer sich nicht beherrschen kann, ist für das Priesteramt nicht geeignet." Kardinal Gerhard Ludwig Müller im "Spiegel"-Interview

Widerspruch gibt es von Müller für die These, dass eine Ursache für sexuellen Missbrauch im Klerikalismus liege. Die Ursache liege im verdorbenen Charakter des Täters, das habe nichts mit dem Amt zu tun.