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Kardinal Marx, nach Veröffentlichung des Briefs von Papst Franziskus: Weitermachen!

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Kardinal Marx: Manches an der Kirche "vielleicht doch vorüber"

Die Kirche sei an einem "toten Punkt". Kardinal Marx erklärt bei einem Gottesdienst in München, was er damit im Zusammenhang mit seinem Rücktrittsgesuch meinte. Man frage sich, so der Erzbischof, ob nicht manches an der Kirche "vorüber" sei.

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  • BR24 Redaktion

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hatte sein Rücktrittsgesuch an Papst Franziskus kürzlich unter anderem damit begründet, dass die Kirche an einem "toten Punkt" angekommen sei. Nun hat Marx erklärt, was er damit meint. "Das ist keine Kritik, sondern einfach nur ein Aufruf, ein Weckruf", sagte der Erzbischof von München und Freising bei einer Predigt im Münchner Liebfrauendom am Sonntag anlässlich des Münchner Bennofests zu Ehren des Stadtpatrons.

Jesuitenpater Alfred Delp 1944: Kirche an "totem Punkt"

Marx hatte in dem Zusammenhang darauf verwiesen, dass es sich um ein Zitat des Jesuitenpaters Alfred Delp aus dem Jahr 1944 handele. Delp habe das Bild gewählt, so erläuterte Marx nun, "weil er meint, dass die Kirchen angesichts der Zeitstunde, in die sie hineingestellt sind – das war damals der Nationalsozialismus –, doch zu sehr an ihr eigenes Überleben geklammert waren, an ihre Institution, an den Betrieb, den sie nicht beschädigen wollten". Delp habe seinerzeit aus der Erkenntnis, die Kirche sei an einem toten Punkt, einen Aufruf zur Diakonie, also zur Nächstenliebe und zur Ökumene abgeleitet, so Marx.

"Manches an Gehabe und an Selbstbewusstsein" der Kirche "vorüber"

Gläubige erwarteten von ihrem Bischof den Blick in die Zukunft, so Marx weiter, trotzdem frage man sich: "Ist nicht manches an der Sozialgestalt der Kirche vorüber? Nicht das Evangelium, nicht der Einsatz für die Kranken, nicht der Einsatz für den Nächsten, nicht die Feier der Eucharistie. Aber manches an Gehabe und an Selbstbewusstsein, das auf die Institution und auf die Macht und auf den Einfluss ausgerichtet ist, den wir hätten oder haben wollen – all das ist vielleicht doch vorüber."

Marx: Gläubige sehnen sich nach Kirche, die "nicht rechthaberisch" ist

Er bekomme aktuell viele Briefe, so der Erzbischof von München und Freising weiter, "auch voller Not, voller Sehnsucht nach einer Kirche, nach einer Gemeinschaft, die aufhilft, die heilt, die Wunden ernst nimmt und nicht rechthaberisch darüber hinweggeht". Vor dem Hintergrund des christlichen Auferstehungsglaubens gebe es keinen toten Punkt, der nicht zum Wendepunkt werden könne, so Marx. "Die Turbulenzen, das Auf und Ab des inneren Ringens und der Diskussionen der Öffentlichkeit, all das hat Sie bewegt und natürlich mich auch. Aber jetzt gilt es weiterzugehen."

Marx hatte am 21. Mai seinen Rücktritt als Erzbischof von München und Freising vor dem Hintergrund des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche angeboten, für den er persönlich Verantwortung übernehmen wolle. Der Papst lehnte das Rücktrittsgesuch am Donnerstag ab.

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Nachdem Papst Franziskus den Rücktritt des Münchner Kardinals Reinhard Marx abgelehnt hat, hat sich dieser überrascht gezeigt. Das Vertrauen des Kirchenoberhaupts bedeute für ihn, nun nach "neuen Wegen" für weitere Reformen in der Kirche zu suchen.

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