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Kardinal Faulhabers Tagebücher gehen online | BR24

© dpa / pa / UPI

Kardinal Faulhaber

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    Kardinal Faulhabers Tagebücher gehen online

    Wer war Kardinal Michael Faulhaber nun wirklich? Welche Rolle spielte er unter der Herrschaft der Nationalsozialisten? Darüber könnten seine Tagebücher Aufschluss geben, die heute in einer Online-Edition erscheinen. Niels Beintker

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    Aus Sicht des Münchener Erzbischofs Michael Kardinal Faulhaber kam die Revolution von 1918 einer Katastrophe gleich. Er lehnte die Räterepublik aus tiefstem Herzen ab. Die nun veröffentlichten ersten Teile seines umfangreichen, jahrzehntelang penibel geführten Tagebuches verdeutlichen, wie Faulhaber den politischen Umbruch am Ende des Ersten Weltkriegs erlebte. Hier Herzrasen, dort Magenverstimmung, da der Wunsch, als Märtyrer zu sterben, da schließlich die Beschreibung der Revolution als Antischöpfung.

    Faulhaber als Märtyrer ?

    "Das andere aber ist dann: Als Eisner ermordet wird - nun wirklich kein Freund von Faulhaber - schreibt Faulhaber ins Tagebuch: ‚Schrecklich. Denn jetzt mit Eisner war Bayern doch gerade auf dem Weg, irgendwie wieder eine gewisse Struktur zu kriegen. Was wird jetzt kommen? Es wird viel schlimmer.‘ Das ist so eine Seite, die man bei ihm auch spürt." Hubert Wolf, Professor für Kirchengeschichte, Münster

    Einmalige Chronik

    Hubert Wolf, Professor für Mittlere und Neue Kirchengeschichte in Münster, ist einer der Initiatoren der Edition der Faulhaber-Tagebücher. An der Erschließung ist auch das Institut für Zeitgeschichte in München und Berlin beteiligt. 32 Bände, 4.000 Seiten, eng beschrieben in der kaum noch bekannten Gabelsberger-Stenographie-Schrift. 

    Lob für Hitler

    Die Machtergreifung der Nationalsozialisten erlebte Faulhaber offenbar nicht als existentiellen Einschnitt.
    "Es gibt auch Dokumente von Faulhaber, wo er Hitler lobt – für den entschiedenen Kampf gegen den Kommunismus, Marxismus, Bolschewismus – da wird Hitler schon als jemand gesehen, der eine wichtige Aufgabe für die Deutschen, aber auch für den Katholizismus, für das Christentum vollzieht. Ein drastischer politischer Irrtum, der sich historisch erklären lässt, von dem Faulhaber in keiner Weise frei war." Andreas Wirsching, Direktor des Instituts für Zeitgeschichte

    Tagebuch offenbart politische Fehleinschätzungen

    Nicht die einzige politische Fehleinschätzung des Kardinals – den die Nazis übrigens persönlich für das Scheitern des Hitler-Putsches vom November 1923 verantwortlich machten und verachteten. Faulhabers Positionen in den ersten veröffentlichten Tagebuch-Passagen aus dieser Zeit sind zwiespältig. Einerseits kritisierte der Erzbischof Boykott-Aktionen gegen Juden, andererseits äußerte er sich lobend über das sogenannte Reichskonkordat, über den Staatsvertrag des „Dritten Reichs“ mit der Katholischen Kirche. Dann wiederum lehnte er, so der Kirchenhistoriker Wolf, die Wiederbewaffnung und die die Einführung der Allgemeinen Wehrpflicht ab.