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Bildrechte: pa/dpa/Michael Kappeler

CSU-Chef Söder liegt in den Umfragen vor seinem Kontrahenten Armin Laschet. Doch auf welchen Kanzlerkandidaten sich die Union am Ende einigt ist noch offen. Laut BR-Reporterin Anita Fünffinger könnte es jetzt recht flott gehen bei der Kandidatenkür.

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Analyse: Söder und Laschet greifen nach der Macht - und nun?

Armin Laschet oder Markus Söder? Die Entscheidung über den Kanzlerkandidaten der Union rückt näher. Beide Parteichefs erklärten zum ersten Mal klar und eindeutig ihre Bereitschaft. Und nun? Eine Analyse.

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Von
  • Anita Fünffinger

Mit demonstrativer Gelassenheit schlenderte am Vormittag CSU-Parteichef Markus Söder [zum Portrait] zum Eingang des Reichstagsgebäudes. "Schau’n wir mal, dann sehen wir schon", zitierte Söder einen der berühmtesten Sprüche aus Bayern. Fußballkaiser Franz Beckenbauer wird der lapidare Spruch über die Zukunft zugeschrieben. Damit stellte Söder klar: Ein Spiel hat 90 Minuten, und es bleibt spannend bis zum Abpfiff. Dass Söder sich in den letzten Minuten selbst als Sturmspitze auf den Platz stellt, sorgt für eine faustdicke Überraschung.

Die Erzählung von Armin Laschet und Markus Söder lautete bisher: Wir werden uns zusammensetzen, dann werden wir einen gemeinsamen Vorschlag unterbreiten. Niemand ahnte, dass beide sich selbst als Kandidaten vorschlagen. Die Mannschaft Union geht mit zwei Sturmspitzen in die entscheidende Spielphase. Man kann es auch offenen Machtkampf nennen.

Söder und Laschet erklären ihre Bereitschaft zur Kandidatur

Die Zeit zum Herumdrucksen war abgelaufen. Das schien beiden Männern am Wochenende klar geworden zu sein. Floskelsätze wie "Das natürliche Vorschlagsrecht liegt bei der CDU." oder "Mein Platz ist in Bayern" zogen nach ständiger Wiederholung nicht mehr. Der Druck in den letzten Tagen für eine rasche Entscheidung war gestiegen. Und so haben Armin Laschet und Markus Söder entschieden: Sie wollen beide Kanzlerkandidaten der Union, und damit auch Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland werden.

Wer entscheidet jetzt?

Es gibt in Kanzlerkandidatenfragen kein Formblatt und keine Vorlage, wie so eine Kandidatenkür funktioniert. Sie wurde bereits einsam in Hinterzimmern entschieden (Angela Merkel und Edmund Stoiber), andere Parteien ließen die Basis entscheiden. In der Union wird es nun darauf ankommen, auf wessen Seite sich der Großteil der CDU schlägt.

Söder braucht schwergewichtige Unterstützer in der CDU

Auch wenn ihn viele CSUler wohl nicht aus Bayern nach Berlin ziehen lassen wollen, dürfte Markus Söder dennoch seine Partei geschlossen hinter sich wissen. Was der CSU-Parteichef nun vielmehr braucht, sind prominente Unterstützer in der Schwesterpartei CDU. Bisher hat sich noch kein Schwergewicht für ihn ausgesprochen. Kein stellvertretender CDU-Parteichef, kein CDU-Ministerpräsident hat sich bislang offen zu Söder bekannt. Das wird die spannendste Frage für die nächsten Tage: Wer traut sich aus der CDU zuerst aus der Deckung? Oder wird sich am Ende kein prominenter Unterstützer für Söder finden?

Große Schwester CDU hat mehr Macht

Die CDU sieht sich aus ihrer Geschichte heraus als die Kanzlerpartei. Sie hat stets die Kanzler der Union gestellt, sie ist die große Schwester der CSU. Ohne die CDU kann die CSU im Bund nichts durchsetzen. Die kleine Schwester kann ärgern und piesacken und sticheln, sie kann aber nicht allein bestimmen. Und: es gab zwar zwei Unions-Kanzlerkandidaten der CSU. Aber weder Franz-Josef Strauß noch Edmund Stoiber sind dann auch Kanzler geworden. Das weiß Markus Söder ganz genau. Er hat seinen Satz, er trete als Kanzlerkandidat an, "wenn die CDU dies als größere Schwester breit unterstützt", genau überlegt. Söder weiß um seine Ausgangslage und kann gleichzeitig seine Zustimmungswerte auf den Tisch legen. Seit Monaten liegt er in der Gunst der Wählerinnen und Wähler weit vor Laschet. Aber die Bevölkerung entscheidet nicht über den Kanzlerkandidaten. Das ist Sache der Parteien.

Kandidat gefunden – und dann freundschaftlich verbunden?

Vor allem Markus Söder betonte schon fast eindringlich, wie sehr er selbstverständlich Armin Laschet unterstützen werde, falls nicht er der gemeinsame Kandidat werde. Das muss Söder freilich sagen. Schließlich müssen CDU und CSU gemeinsam als Union in den Wahlkampf ziehen. Streit können sich die Schwestern nicht erlauben. Sobald die Entscheidung für einen Kandidaten gefallen ist, kommt es darauf an, ob das Versprechen noch gilt: "Egal wie die Entscheidung ausfällt, wir werden sehr gut zusammenarbeiten."

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