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Bildrechte: picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Am Nachmittag hat sich die Unionsfraktion im Bundestag nochmals mit der K-Frage beschäftigt. Nach der Entscheidung für Laschet und dem Rückzug Söders ist es nun die große Herausforderung, die beiden Lager in CDU und CSU wieder zusammenzuführen.

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Kanzlerkandidat Laschet: Gratulationen, Enttäuschung und Kritik

Die Reaktionen darauf, dass CDU-Chef Armin Laschet nun offiziell als Spitzenkandidat der Union ins Rennen geht, sind so widersprüchlich wie sein langer Weg dorthin. Auch aus den Reihen der Union erreichen ihn nicht nur Gratulationen.

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Von
  • Magdalena Latz
  • Tina Wenzel
  • Irene Esmann

Der zähe Machtkampf um die Kanzlerkandidatur ist vorbei - und in der Union scheint größtenteils Erleichterung darüber vorzuherrschen.

CSU-Chef Söder hatte sich am Dienstagmittag aus dem Rennen zurückgezogen und seinem Rivalen Armin Laschet, dem Bundesvorsitzenden der CDU und Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, das Feld überlassen.

Viel CDU-Zuspruch für Laschets Kandidatur

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte Laschet (zum Portrait) als eine der ersten zur Übernahme der Kanzlerkandidatur - im Machtkampf zwischen Söder (zum Portrait) und Laschet hatte sie sich bewusst zurückgehalten. "Herzlichen Glückwunsch, lieber Armin Laschet, zur neuen Aufgabe als Kanzlerkandidat der Union", hieß es in einer Erklärung Merkels, die ihr Sprecher Steffen Seibert am Dienstag auf Twitter veröffentlichte. Sie freue sich auf die kommenden Monate der Zusammenarbeit, so Merkel weiter.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat die Entscheidung ebenfalls begrüßt. "Und natürlich freue ich mich darüber ausdrücklich, dass Armin Laschet Spitzenkandidat der Union für die Bundestagswahl im September wird", sagte Günther in Kiel. Der Politiker hatte in den vergangenen Tagen zu Laschets engsten Unterstützern gezählt.

Weitere Glückwünsche erreichten Laschet von CDU-Politikern wie Friedrich Merz, CDU-Vize Julia Klöckner oder dem sachsen-anhaltinischen Landesvorsitzenden Sven Schulze - gleichzeitig sagten sie ihm ihre Unterstützung zu.

CSU-Landtagsfraktion: zwischen Enttäuschung und Pragmatismus

In der Landtagsfraktion der CSU zeigten sich jedoch viele enttäuscht. Ulrike Scharf etwa, die auch Vorsitzende der Frauen-Union in Bayern ist, hält die Entscheidung pro Laschet für falsch und argumentiert mit der Beliebtheit Söders in Umfragen. Sie könne nicht nachvollziehen, dass man sich in einer Zeit, in der so viele Menschen, so viele Mitglieder Söder an der Spitze gesehen hätten, so entscheide. Und Max Gibis (CSU) meint, Entscheidungen gegen die Mehrheitsmeinung an der Parteibasis könnten "keine gute Ausgangsbasis für die Zukunft sein".

Pragmatischer ist dagegen Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU). Sie betonte, man müsse nun viele Gespräche mit der Schwesterpartei führen und "gemeinsam" kämpfen. Schließlich wolle man die Bundestagswahl gewinnen. CSU-Politiker Klaus Holetschek, Gesundheitsminister im Kabinett Söder, mahnte Professionalität in den eigenen Reihen an. Personell seien die Würfel gefallen. Die Menschen erwarteten nun "Konzepte und Ideen". Für Zerwürfnisse unter den Schwesterparteien sei nun, wenige Monate vor der Bundestagswahl, keine Zeit mehr, heißt es von mehreren CSU-Landtagsabgeordneten.

Ernüchterung bei CSU-Politikern in Nürnberg

Frustration herrscht auch bei der CSU Nürnberg - Söders Heimatstadt. "Ich bin enttäuscht, weil ich Markus Söder für den besseren Kandidaten halte", sagte CSU-Stadtrat Kilian Sendner gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. "Ich kann die Arroganz und Unverantwortlichkeit der CDU-Spitze nicht nachvollziehen", so Sendner weiter. Söder habe bei Umfragen weit vor Laschet gelegen, betonte der CSU-Stadtrat. Sendner befürchtet, dass es im bevorstehenden Wahlkampf nun schwieriger werde, die Mitglieder an der Basis zu mobilisieren.

Der Nürnberger CSU-Stadtrat Otto Heimbucher betont, dass die Union jetzt geschlossen bleiben müsse. "Söder ist besser bei der Bevölkerung angekommen. Da hat Laschet noch zu tun und wir werden ihn dabei unterstützen", sagte Heimbucher. Die K-Frage in der Union sei eine spannende Auseinandersetzung gewesen, so der Stadtrat.

Brinkhaus: Müssen aus den letzten Wochen lernen

Gratulationen für Laschet kamen dagegen vom Chef der Unionsfraktion im Bundestags, Ralph Brinkhaus: "Herzlichen Glückwunsch an Armin Laschet, Riesenrespekt vor Markus Söder. Jetzt geht's nach vorne, jetzt wollen wir Wahlkampf machen."

Brinkhaus forderte die Unionsparteien zugleich auf, ein geordnetes Verfahren zur Kür eines Kanzlerkandidaten zu finden. Wenn wieder eine solche Entscheidung anstehe, solle "rechtzeitig vorher" definiert werden, wie der Prozess ablaufe, sagte der CDU-Politiker vor der Fraktionssitzung am Dienstagmittag. "Wir tun gut daran, dass wir aus den letzten Wochen lernen", meinte Brinkhaus mit Blick auf das Ringen der beiden Parteichefs um die Kanzlerkandidatur. Ein Prozedere für das nächste Mal zu finden, sei nun Aufgabe der Generalsekretäre von CDU und CSU. Diese müssten einen Vorschlag ausarbeiten.

Dobrindt versöhnlich nach CDU-Entscheidung für Laschet

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt zeigte sich im BR-Interview versöhnlich. In der Rundschau im BR Fernsehen sagte Dobrindt, nun müssten Gräben zugeschüttet und nach vorne geschaut werden. Denn für einen Erfolg der Union bei der Bundestagswahl im September werde ein Team gebraucht. Die CSU wolle dabei ein Teil der Lösung sein, betonte Dobrindt.

Junge Union zwiespältig gegenüber Laschets Kandidatur

Die Jungen Union, der Parteinachwuchs von CDU und CSU, hat CDU-Chef Armin Laschet unterdessen aufgefordert, als Kanzlerkandidat nach dem Machtkampf mit CSU-Chef Söder für Geschlossenheit zu sorgen. Die Mehrheit der Landesverbände und der JU-Mitglieder habe sich Söder als Kanzlerkandidaten gewünscht, erklärte der Chef der Organisation, Tilman Kuban. Diese Position habe man auch in allen Gremien vertreten. Nun müsse Laschet "beweisen, dass er zusammenführen kann und es keine Verlierer in der Union gibt".

Diese Fähigkeit sei mehr denn je gefragt, erklärte Kuban. "Denn das Bild des gestrigen Abends war kein Bild eines Wahlsiegers und so können wir nicht in den Wahlkampf ziehen - organisatorisch und im parteiinternen Umgang." Hier müsse besonders auch die CDU besser werden.

Grüne, SPD und FDP gratulieren Laschet

Glückwünsche bekam Laschet auch von Politikern anderer Parteien. So etwa Olaf Scholz, Kanzlerkandidat der SPD und Annalena Baerbock, die selbst erst am gestrigen Montag offiziell von Bündnis 90/Die Grünen als Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl präsentiert worden war. Auf Twitter betonten sie, dass sie auf einen fairen Wahlkampf hofften.

FDP-Chef Christian sagte, Laschet sei ein Regierungschef und Verhandlungspartner, "den wir für seine Fairness schätzen. Es gibt viele inhaltliche Fragen, in denen wir mit Herrn Laschet, auch im konkreten Regierungshandeln, übereinstimmen", sagte er mit Blick auf die gemeinsame Koalition in Nordrhein-Westfalen. Zugleich gebe es genug Unterschiede, die einen spannenden Wahlkampf versprächen. "Wir wünschen Herrn Laschet also viel Erfolg, soweit er nicht zu unseren Lasten geht", sagte Lindner.

Anerkennung zeigte ebenso der Generalsekretär der FDP, Volker Wissing: "Egal, wie man zu Herrn Laschet stehen mag, [aber] wer so überlegt vorgeht, so viel aushält und so ein Stehvermögen beweist, dem kann man das Kanzlerpotential nicht ganz absprechen", twitterte Wissing, der auch rheinland-pfälzischer Wirtschaftsminister ist.

Ähnlich äußerte sich der Präsident der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA): "Wer die damals populäre SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in einem SPD-Stammwählerland, nämlich Nordrhein-Westfalen, schlägt, sich gegen einen starken Mitwerber für den CDU-Bundesvorsitz, Friedrich Merz, durchsetzt und sich gegen den CSU-Vorsitzenden behauptet, der kann auch Kanzler", sagte Rainer Dulger gegenüber der "Augsburger Allgemeinen".

SPD-Fraktionschef Mützenich übt Kritik

Kritik kam dagegen vom Fraktionschef der SPD, Rolf Mützenich. Er bezeichnete den tagelangen Machtkampf in der Union als chaotisch. Zwar habe Laschet "mit Hängen und Würgen" die Unterstützung vom CDU-Vorstand für seine Kanzlerkandidatur erhalten. Doch es gebe "durchaus vergiftete Sätze" im Zugeständnis von Markus Söder (CSU), nun selbst zurückzustehen, so der Politiker. Er hoffe, dass sich jetzt zumindest einige Unions-Politiker wieder auf den Kampf gegen Corona konzentrieren würden.

AfD scheinbar unbeeindruckt von Laschets Kandidatur

Aus Sicht der AfD hat die Entscheidung der Union für Laschet als Kanzlerkandidat keinen Einfluss auf das, was nach der Wahl kommt. Schon jetzt sei klar, "wer CDU wählt, bekommt am Ende tatsächlich Grün", sagte der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen am Dienstag. Vize-Parteichefin Beatrix von Storch meinte: "Es ging im Machtkampf der Union nie um konservative Inhalte", sondern nur um die Frage, wer an der Seite der Grünen-Vorsitzenden Annalena Baerbock "grüne Unionspolitik betreiben" dürfe.

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