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Kanzler trotz Ibiza: Sebastian Kurz vor der Wiederwahl? | BR24

© BR/Srdjan Govedarica

Sebastian Kurz ist mit Abstand der populärste Politiker Österreichs und hat sich geschickt zur Marke gemacht. Sein Wahlkampf war allerdings von Pannen begleitet. Dennoch steht der nur 33-jährige Altkanzler vor einem erneuten Wahlsieg.

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Kanzler trotz Ibiza: Sebastian Kurz vor der Wiederwahl?

Sebastian Kurz ist mit Abstand der populärste Politiker Österreichs und hat sich geschickt zur Marke gemacht. Sein Wahlkampf war allerdings von Pannen begleitet. Dennoch steht der nur 33-jährige Altkanzler vor einem erneuten Wahlsieg.

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Über dem Skandal um das Ibiza-Video ist die österreichische Koalition von ÖVP und FPÖ im Mai 2019 zerbrochen, und damit war kurz darauf auch die Kanzlerschaft von Sebastian Kurz beendet. Bei der Wahl am Sonntag will er mit seiner ÖVP wieder Kanzler werden.

Beliebtester Politiker Österreichs

Die Chancen dafür stehen gut. Sebastian Kurz' ÖVP liegt in Umfragen meilenweit vorne. Und der erst 33-jährige Ex-Bundeskanzler ist nach wie vor der beliebteste Politiker des Landes. Doch während Sebastian Kurz durch den Wahlkampf 2017 praktisch fehlerlos und skandalfrei segelte, gab es diesmal mehrere Pannen im Wahlkampf.

Enthüllungen zu maroden Parteifinanzen

Bei einer Wahlrunde im ORF-Fernsehen gab es Buhrufe aus dem Publikum - Neuland für Sebastian Kurz. Ebenso ungewohnt für ihn und sein Team: unangenehme Enthüllungen von investigativen Journalisten auf den letzten Wahlkampfmetern.

Etwa zu den Parteifinanzen der hochverschuldeten ÖVP, die - so der Vorwurf - Großspender und sehr hohe Wahlkampfkosten verschleiere und sich nicht immer an die Regeln halte. Von Journalisten auf das Thema angesprochen reagiert Sebastian Kurz ungewohnt ungehalten und unterbricht die ORF-Interviewerin mehrfach.

"Darf ich Sie ganz kurz unterbrechen. Ich halte die Formulierung für höchst problematisch. Sie sagen, es steht der Verdacht im Raum. Sie haben keinen einzigen Beweis und es gibt auch keinen Indiz. Was es gibt, ist die Falschberichterstattung, gegen die wir gerichtlich vorgehen." Sebastian Kurz
© BR

Morgen wird in der Alpenrepublik ein neues Parlament gewählt. Nötig wurde dies, weil im Frühjahr die alte ÖVP-FPÖ-Koalition am Ibiza-Skandal um FPÖ-Chef Strache zerbrochen war. Umfragen sehen Ex-Kanzler Kurz von der konservativen ÖVP vorne.

Politikwissenschaftlerin: Sebastian Kurz stellt sich keiner Kritik

Politikwissenschaftlerin Natascha Strobl analysiert regelmäßig auf Twitter Sprach- und Strategiemuster von Politikern. Sie sagt, dass Sebastian Kurz berechtigte und unberechtigte Kritik an seiner Politik bewusst vermenge und sich so gegen jede Kritik immunisiere.

"Jedes Widerwort gegen ihn ist Dirty Campaining, jede Kritik gegen ihn ist Schmutzkübel. Und indem er diese sehr gefährliche Strategie fährt, sagt er uns, dass er sich eben keiner Kritik stellt, dass jede Kritik gegen ihn unzulässig ist." Natascha Strobl, Politikwissenschaftlerin

Sektenartige Verehrung von Kurz?

Zudem sei der Wahlkampf der konservativen ÖVP komplett darauf zugeschnitten, dass Kurz wieder Kanzler werden muss.

„Ich, ich, ich ist der Inhalt des Wahlkampfes von Sebastian Kurz, und seine Anhänger werden sogar in Strategiepapieren der ÖVP als Jünger bezeichnet. Da sieht man auch diesen religiösen Charakter, diesen sektodien Charakter in Wahrheit. " Natascha Strobl, Politikwissenschaftlerin

Kurz führe diesen Wahlkampf in einer neuen Qualität: Hier handle es sich nicht mehr um Rechtsextreme und Rechtspopulisten, von denen man das gewohnt sei, sondern hier pflege diesen Stil ein Vertreter einer konservativen Partei.

Kritik an Kurz auch aus den eigenen Reihen

Das kommt nicht bei allen Stammwählern der konservativen ÖVP gut an. In einer Serie von YouTube-Videos erklären einige von ihnen, warum sie Sebastian Kurz und seiner ÖVP bei der kommenden Wahl die Stimme verweigern werden. Sie nennen sich dabei "Konservative mit Anstand":

"Einerseits auf die Schulter klopfen mit dem Spruch neuer Stil, aber noch viel mehr Dreck schleudern und Gerüchte verbreiten und genau das Gegenteil machen, von dem was man sagt." Kritiker in einem Youtube-Video
"Ein Samariter ist Sebastian Kurz nicht. Auf mich wirkt er sehr kalt, sehr kühl und sehr berechnend. Ich finde nicht, dass er so lieb ist, wie er immer tut." Kritiker in einem Youtube-Video

Rückenwind aus Ibiza durch Wählerwanderung

Bei aller Kritik auch aus den eigenen Reihen ist die ÖVP mit Werten rund um 35 Prozent in den Umfragen als stärkste Kraft kaum mehr einholbar. Wie kann das sein? Für Politikwissenschaftler Peter Filzmeier ist das vor allem eine indirekte Folge des Skandals um das so genannte Ibiza-Video rund um den ehemaligen Chef der rechten FPÖ, Heinz-Christian Strache. Nach der Ibiza-Affäre habe es im Mai und Juni eine Wählerwanderung von der FPÖ zur ÖVP gegeben.

"Wer gerade bei der Zuwanderungspolitik rechte Positionen vertritt, aber die FPÖ nicht mehr mag, der geht automatisch zur ÖVP." Peter Filzmeier, Politikwissenschaftler

Wer wird Koalitionspartner?

Auch Peter Filzmeier geht davon aus, dass Sebastian Kurz mit seiner ÖVP die Wahl gewinnen wird. Das Hauptproblem für Kurz dürfe aber sein, einen Partner zu finden, mit dem er dann auch fünf Jahre regieren kann. Nicht zuletzt deshalb, weil Sebastian Kurz bereits zwei Koalitionen hat platzen lassen: die große Koalition 2017 und sein Bündnis mit der FPÖ 2019. Politikwissenschaftler Peter Filzmeier formuliert das so.

"Jede Partneragentur würde da einen Risikoaufschlag verlangen. Und auch beim Onlinedating ist es im Tinderprofil wahrscheinlich nicht so gut, wenn da steht: 33 Jahre jung aber zwei Mal geschieden." Peter Filzmeier, Politikwissenschaftler
© BR24

Der Ausgang der Parlamentswahl in Österreich dürfte extrem spannend werden, sagte der BR-Korrespondent Michael Mandlik der Rundschau. Viele spekulierten derzeit mit einem so genannten Dirndl-Bündnis aus konservativer ÖVP, Grünen und liberalen Neos.