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Kann es in Bayern noch mehr Corona-Tests geben? | BR24

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Sind mehr Tests zur Corona-Prävention schnell machbar?

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Kann es in Bayern noch mehr Corona-Tests geben?

Die Bundesregierung will im Kampf gegen das Coronavirus die Tests kräftig ausweiten. So soll die Ausbreitung des Erregers besser eingedämmt werden. Aber: Viele Ärzte - auch in Bayern - sind skeptisch, ob sich die Zahl der Tests schnell erhöhen lässt.

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Testen, testen, testen - so lautet die Parole der Weltgesundheitsorganisation im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Südkorea gilt hier mit seinen vielen Tests als Vorbild. Hierzulande warten viele Verdachtspersonen lange oder sogar vergeblich auf einen Termin und ein Ergebnis, die Kapazität reicht nicht aus. Die Bundesregierung will nun die Zahl der Tests erhöhen. Aber das ist gar nicht so einfach, wie auch die Situation in Bayern zeigt.

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Probleme bei den Lieferketten

Es ist ein weltweiter Wettlauf der Reagenzien. So bezeichnet Clemens Engelschalk, Geschäftsleiter und Ärztlicher Leiter des MVZ-Labors in Passau, die derzeitige Situation. 1.000 Testungen führt sein Labor täglich durch, aber statt mehr könnten es vielleicht bald auch weniger werden.

Die Zahl der Neuinfektionen in Niederbayern - und was die Niederbayern tun: hier

Engelschalk befürchtet, dass die Kapazität sinken könnte, weil "aufgrund der aktuellen Liefereinschränkungen auch wir trotz rechtzeitiger und umfangreicher Bestellungen nicht in vollem Umfang beliefert werden." Es handelt sich um die Chemikalien und Testmaterialien für die Corona-PCR-Tests, die das Erbgut der Erreger aufspüren.

Internationale Konkurrenz macht zu schaffen

Zwar arbeite sein Labor mit verschiedenen Diagnostika-Firmen zusammen, um Lieferengpässe zu kompensieren, sagt der Passauer Mediziner. Aber weil andere Länder inzwischen auch mehr Labore aufgebaut hätten, ist die Konkurrenz groß. "Man bekommt einfach nichts", sagt auch Elisabeth Müller von LABOKLIN im unterfränkischen Bad Kissingen.

Inzwischen ist auch ihr Labor, das normalerweise ein Dienstleister für Tierarztpraxen ist, in die Analyse von Corona-verdächtigen Proben einbezogen worden. Rein technisch unterscheide sich diese Arbeit von tierischem Material nicht wesentlich von der Labordiagnostik in der Humanmedizin, erklärt die Laborchefin. Deshalb könne man auch die Würzburger Uni-Klinik entlasten.

Warten auf die Testergebnisse

Die Analyse in ein auf Tiere spezialisiertes Labor zu verlagern, hält Johannes Hardenacke, Sprecher der Regierung von Unterfranken, für sinnvoll: Wenn Proben zur Untersuchung nach Berlin geschickt werden müssten, ginge nur wertvolle Zeit verloren.

Ein Gegenbeispiel ist der besonders stark betroffene Landkreis Tirschenreuth, wo es bisher 259 bestätigte Coronafälle gibt. Weil deshalb viele Menschen getestet wurden, stehen immer noch Hunderte von Ergebnissen aus. Sie werden in den nächsten Tagen erwartet, heißt es aus dem Landratsamt.

Politik befürwortet mehr Tests

Mehr Tests als mögliche Maßnahme zur Eindämmung des Virus befürwortet auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Bei seinem Besuch im Klinikum Weiden gab er aber auch zu bedenken: "Es hat keinen Sinn, irgendwelche theoretischen Marken in die Welt zu setzen. Wir müssen sehen, ob es bei insgesamt auf dem Weltmarkt knappen Materialien möglich ist, die Zahl zu steigern." Bayernweit können laut Herrmann derzeit zwischen 6.000 und 7.000 Tests pro Tag durchgeführt werden.

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In Bayern gibt es laut Robert-Koch-Institut aktuell fast 9.500 Corona-Infizierte und 55 Todesfälle. Die steigenden Zahlen stellen auch die Gesundheitsämter vor große Herausforderungen. Denn in vielen Landkreisen fehlt das dringend nötige Personal.

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