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Kanada legalisiert Cannabis | BR24

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Kanada legalisiert heute als weltweit zweites Land nach Uruguay vollständig den Verkauf von Cannabis. Das kanadische Parlament hatte im Juni ein Gesetz gebilligt, das den Konsum und die Herstellung der Droge erlaubt.

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Kanada legalisiert Cannabis

Der Konsum und die Herstellung von Cannabis sind ab heute in Kanada erlaubt. Die Regierung will damit gegen den Schwarzmarkt vorgehen. Kritiker warnen vor gesundheitlichen Schäden und eine Zunahme von Unfällen unter Drogeneinfluss.

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Bruce Linton prophezeit lange Schlangen vor den Geschäften Einen Andrang wie bei der Einführung eines neuen I-Phones. Das würde ihm bestens gefallen, schließlich leitet er mit Canopy Growth die größte Cannabis-Firma der Welt.

Legalen Markt für eine Droge aufbauen

Eigentlich hätten die Geschäfte bereits diesen Sommer für die Droge öffnen sollen. Doch alles hat länger gedauert. Zu viele offene Fragen, zu viel Regelungsbedarf. Wie viel Cannabis im Handgepäck im Flieger? Dürfen Cannabis-Geschäftsleute überhaupt noch in die USA einreisen? Wie hoch sollen die Steuern sein? Wer in der Regierung weiß schon, wie man einen legalen Markt für eine Droge aufbaut – spottet Kanadas Sender CBC.

Cannabis ja – aber nicht am Steuer

Klar ist immerhin: Ab heute darf jeder Erwachsene Cannabis in geringen Mengen kaufen, besitzen und konsumieren. Aber: nicht am Steuer.

Der Rest ist ein Patchwork, geregelt von Kanadas Provinzen und Territorien, vergleichbar den deutschen Bundesländern. Fast alle sagen: zulässiger Höchstbesitz 30 Gramm. In Quebec allerdings ist es mit 150 Gramm das Fünffache. Verkauf nur über Abgabestellen der Regierung – vergleichbar den kanadischen Alkoholgeschäften. So ist es in Nova Scotia, auch online. Zulässig sind auch private Geschäfte – so ist es in Britisch Kolumbien. Das Alter liegt mal bei 18, mal bei 19 Jahren. In Quebec könnte es auf 21 steigen. Das passt Premier Justin Trudeau nicht, wie er jetzt auf einer Auslandsreise in Armenien erklärt hat. "Das könnte ein Marktsegment schaffen, das ausschließlich von illegalen Händlern bedient wird", befürchtet er, "vom Schwarzmarkt, von kriminellen Organisationen".

Risiken und Nebenwirkungen

Den Schwarzmarkt auszutrocknen und Minderjährige besser vor der Droge zu schützen gehört aber zu den erklärten Zielen der kanadischen Regierung. Nun blickt die Welt gebannt auf die erste der großen G7-Industrienationen, die Marihuana freigibt - nach Uruguay überhaupt erst das zweite Land. Werden die Ziele eingelöst? Und wie schlimm sind die Risiken und Nebenwirkungen, die auch ein großer neon-gelber Warnaufkleber auf jeder Packung ausführt, etwa für Schwangere?

Mittel im Kampf gegen kriminelle Dealer

"Es gibt Empfehlungen, das Alter noch höher zu setzen, da Marihuana vor allem dem sich entwickelnden Hirn schadet", erklärt Trudeau, "also eher auf 25 Jahre". Das aber, glaubt er, gehe an den Realitäten des Marihuana-Konsums vorbei und nutze damit wieder nur den kriminellen Dealern.

"Wir schreiben Geschichte"

Wie Linton und sein Cannabis-Hersteller Canopy Growth stehen zudem ganze Industriezweige in den Startlöchern. Kanada als Speerspitze der Bewegung, so sieht er es. "Das letzte Mal war Kanada so weit vorne, da ging es noch um einen Typen namens Bell und ein Telefonat", sagt Linton. "Das wird die kommenden 100 Jahre ändern."

Beim Wirtschaftsberater Ernst & Young nennt Monica Chadha sich gar "National Cannabis Leader". "Das wird eine Geldmaschine", ist sie überzeugt. "Wir schreiben Geschichte."

Cannabis-Gummibärchen und -Schokolade

Ökonomen rechnen mit einem milliardenschweren Markt. Ob Gummibärchen, Schokolade Zimtschnecken oder Bier – überall könnte demnächst Marihuana drin sein. Demnächst heißt allerdings: frühestens in einem Jahr, bis dahin bleiben all diese Produkte auch in Kanada verboten. Richard Stanwick, Arzt und Leiter der Gesundheitsbehörde von Vancouver Island, freut sich über diese Schonfrist. Vor kurzem erst musste er ein mit Cannabis-Gummibärchen vergiftetes Kind behandeln. Und das, so fürchtet er, werde mit der Legalisierung solcher Lebensmittel nur zunehmen.