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Kanada - die langsame Entdeckung der Einsamkeit | BR24

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Zwei Tage dauert die Reise mit der Bahn in die "Eisbärenhauptstadt der Welt". Die Mitreisenden bestaunen auf dem Weg sonderbare Menschen, leuchtende Seen und den grenzenlos weiten Himmel über der Hudson Bay. Eine Reportage von Georg Schwarte.

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Kanada - die langsame Entdeckung der Einsamkeit

Kanada mit seinen Naturwundern, seinen Eisbären und Polarfüchsen fasziniert ARD-Korrespondent Georg Schwarte wie kein anderes Land. Zuletzt ist er zwei Tage lang mit dem Zug von Winnipeg nach Churchill, in die "Eisbärenhauptstadt der Welt" gefahren.

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Wer von Winnipeg 1.697 Kilometer mit dem Zug Richtung Norden nach Churchill reist, sollte die Zeit vergessen. Hier herrscht Northern Time. Die Bahn fährt. Oder auch nicht. Wenn ein Güterzug auf der eingleisigen Strecke entgegenkommt, bleibt der Passagierzug an der Weiche stehen. Schleicht dann weiter, vorbei an schneebedeckten Birken, und trägt die Passagiere mitten hinein in das, was Kanadas Meisterpianist Glenn Gould einst die "Idee des Nordens" nannte.

Glenn Gould nämlich machte sich 1965 - an einem Wendepunkt seiner Karriere, nachdem er beschlossen hatte, nicht mehr öffentlich aufzutreten - auf die Reise mit dem Zug von Winnipeg nach Churchill. Es war sein einziger Ausflug in Kanadas Norden. Dessen raue Schönheit aber prägte Gould so nachhaltig, dass er die Trilogie "Idea of the North" erschuf.

Der Himmel kennt keine Zeit und keine Grenzen

Reisende, die heute zwei Tage lang mit der Bahn in die nördlichste Stadt Manitobas, in die "Eisbärenhauptstadt der Welt", reisen, bestaunen auf dem Weg sonderbare Menschen, leuchtende Seen und den weiten Himmel über der Hudson Bay, der keine Zeit und keine Grenze kennt.

Nach einem Tag ziehen erste Schneefelder vorbei. Die Seen sind gefroren. Das Auge kann sich kaum sattsehen an den blau- und türkisleuchtenden Eisflächen, in deren Mitte metergroße Eisblumen gewachsen sind.

Die Uhren scheinen langsamer zu gehen

Nach 50 Stunden, zwei Sonnenaufgängen, zwei Nächten schließlich die Ankunft in Churchill. Fast pünktlich, sagt ein Mitreisender, nur drei Stunden Verspätung. Die Zeit hier oben im Norden, sie wird anders gemessen. Die Uhren gehen scheinbar langsamer. "So ist das eben", sagt Joanne. Die Lehrerin an der Schule von Churchill lächelt:

"Wir sagen gern, wir fangen pünktlich an. Aber was ist schon pünktlich. Sagen wir so: Wir versuchen es." Joanne, Lehrerin in Churchill, Kanada