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Bundesumweltministerin Schulze (SPD) hat vor einer Wasserknappheit gewarnt. "Für die Zukunft ist es nicht selbstverständlich, dass es überall Wasser im Überfluss gibt", sagte sie bei der Vorstellung des Entwurfs zur "Nationalen Wasserstrategie".

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Kampf gegen Klimawandel: Der Milliardenplan fürs Wasser

Die Umweltministerin will Deutschlands Versorgung mit sauberem Wasser in Zeiten des Klimawandels sicherstellen. Die Nationale Wasserstrategie hat Ideen gesammelt. Die Umsetzung kostet viel Geld und dürfte sich hinziehen.

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Von
  • Markus Langenstraß

Sommer 2020. Der dritte Hitzesommer in Folge. Unterfrankens Landwirte leiden besonders, die Region gilt als Steppe Bayerns. Weltweit hat sich die Temperatur seit Beginn der Industrialisierung um rund 0,95 Grad erwärmt, in Unterfranken sind es 1,7 Grad.

Das hat Folgen: "Report München" berichtete letzten Sommer über einen Gemüsebauern aus Remlingen bei Würzburg, der zwar gute Böden zum Anbau hätte, dem aber die Brunnen ausgetrocknet sind. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) nennt Remlingen als eines von drei Beispielen für extreme Trockenheit in Deutschland. Beispiele, die sie, wie sie sagt, Medienberichten entnommen habe. Und das ist ein Teil des Problems.

Es fehlen Daten für Dürre-Prognosen

Denn eine zentrale Datenbank mit vergleichbaren regionalen Daten gibt es nicht. Das Wissen über die Dürre in Deutschland und vor allem über die Entstehung von Hotspots wie Remlingen hat Lücken. Schulze will Vorhersagen ermöglichen, wo künftig Wasser verfügbar sein wird und wo es fehlen wird. Ähnlich wie bei beim Klimawandel sollen Modelle entstehen. Die Forschung soll hier intensiviert werden.

Wer bekommt wie viel Wasser, wenn es knapp wird?

Die bereits jetzt betroffenen Regionen könnten laut Schulze an größere Fernwasserleitungen angeschlossen werden, über die Kommunen und Wasserversorger überregional kooperieren. Dort wo Wasserknappheit herrsche, müsse eine Wassernutzungshierarchie entwickelt werden. Wer bekommt wie viel? Das dürfe nicht von oben bestimmt, sondern mit allen Beteiligten ausgehandelt werden.

Laut Entwurf sollen Trinkwasserversorgung und der Wassermindestbedarf für Tiere und Pflanzen Vorrang haben. Schulze betont: Deutschland habe nicht insgesamt zu wenig Wasser, bisher seien nur einzelne Regionen betroffen. Aber: "Drei Dürrejahre in Folge haben gezeigt, dass Deutschlands Wasserreichtum keine Selbstverständlichkeit mehr ist."

Neue Stauseen nicht ausgeschlossen

Aus Sicht der Ministerin, sei jetzt die Zeit zum Umsteuern. Zum Beispiel, indem vermehrt Uferbereiche von Seen und Flussauen als natürliche Rückhalteräume bei Hochwasser und als Speicher für niederschlagsarme Phasen genutzt werden. Allerdings sind auch neue Wasserspeicher wie etwa Talsperren denkbar. Laut Schulze aber nur, wenn sie ökologisch verträglich seien. Diese Infrastrukturmaßnahmen kosten Geld. Schulze plant eine Milliarde Euro Bundeszuschuss für ein Sofortprogramm in den kommenden zehn Jahren ein.

Wasserstrategie ist bisher nur Entwurf

Von einer Umsetzung ist das alles allerdings noch weit entfernt. Bisher ist die "Nationale Wasserstrategie" aus dem Hause Schulze ein Entwurf, der nicht mit der Bundesregierung abgestimmt ist. Das gibt die Ministerin auch unumwunden zu. Das Ministerium hat ihn nach zwei Jahren Beratung mit Unternehmen, Verbänden, Ländern und Kommunen erarbeitet. Die Teilnehmer haben den Entwurf ergänzt durch ein Programm mit 57 Maßnahmen. Dazu gehört auch der Plan, Unternehmen stärker zu belasten, wenn sie mit ihrer Produktion Gewässer verschmutzen.

Zudem könnten Smart-Tarife wie beim Strom auch für den Wasserverbrauch eingeführt werden: Wer Wasser außerhalb der Stoßzeiten verbraucht, zahlt weniger.

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