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Kalaschnikow - für Russland ein Held | BR24

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Michail Kalaschnikow

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    Kalaschnikow - für Russland ein Held

    Er konstruierte die wohl meistverkaufte Waffe der Welt - und gab ihr seinen Namen: Kalaschnikow. Der Russe wäre heute 100 Jahre alt geworden. In seiner Heimat gilt er als Held und wird entsprechend gefeiert.

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    Nein, ein Waffenkonstrukteur hat in Russland kein negatives Image. Das russische Bildungsministerium hat zum 100. Geburtstag Michail Kalaschnikows Vorschläge für einen Sonderunterricht erarbeitet und sie an alle Schulen verteilt. Ziel sei es, die Kinder zu Patriotismus zu erziehen und die Wichtigkeit des Diensts an der Waffe zu verdeutlichen.

    Der Personenkult um Michail Kalaschnikow ist in Russland ohnehin sehr groß. Selbst in die Musik hat er Eingang gefunden. In Schnulzen besungen, beliebt bei russischen Rappern oder bei der St. Petersburger Techno Gruppe Little Big. In Liedtexten heißt es zum Beispiel:

    "Kalaschnikow, Kalaschnikow - was für ein Maschinengewehr. Seit einem halben Jahrhundert auf der ganzen Welt in aller Munde. Michail Kalaschnikow, Ihr herrliches Maschinengewehr dient zuverlässig dem Vaterland."

    Geschätzt 100 Millionen Stück verkauft

    Michail Kalaschnikow wurde im Süden Sibiriens geboren, in der Region Altai. Mit 17 begann er eine Ausbildung zum Eisenbahntechniker und wurde dann mit 19 in die Rote Armee eingezogen, um im Zweiten Weltkrieg zu kämpfen.

    1941 war er als Panzerkommandant an der deutsch-sowjetischen Front, bei der Schlacht von Brjansk, 400 Kilometer südwestlich von Moskau. Sein Panzer wurde von den Deutschen in Brand geschossen, Kalaschnikow erlitt eine Gehirnerschütterung und wurde an der Schulter verletzt. Dann kam es zu einem Schlüsselerlebnis, das für seine spätere Karriere entscheidend war, sagt er viele Jahre später rückblickend:

    "Als ich zu Beginn des Krieges verletzt wurde, kam ich ins Lazarett. Da waren viele verletzte Kameraden, die sagten: 'Was soll das, die deutschen Soldaten haben alle gute Schusswaffen, und wir haben nur ein einfaches Gewehr.' Ich selbst bin auch mit einem einfachen Holzgewehr marschiert. Die verletzten Soldaten haben sich beklagt, dass unsere Waffeningenieure unfähig sind. So lag ich dann im Lazarett in der Stadt Trubtschewsk in der Nähe von Brjansk und dachte mir, ich kann doch versuchen, Waffen selbst zu konstruieren."

    Beliebt auch bei Rebellen und der Mafia

    Kalaschnikow fertigte noch im Lazarett erste Skizzen einer Maschinenpistole an und begann in den folgenden Jahren zu tüfteln. 1948 begann dann die Serienfertigung des ersten Modells der berühmten Kalaschnikow AK-47. Mit geschätzten 100 Millionen Stück ist sie eine der meistproduzierten Waffen der Welt.

    Sie ist auch sehr beliebt bei Rebellen, Piraten, Terroristen, Gangstern und der Mafia. Der heutige Geschäftsführer des Kalaschnikow-Konzerns, Dmitri Tarasow, erklärt sich den Erfolg der Waffen mit ihrer vielfältigen Einsetzbarkeit. "Unsere Maschinengewehre sind so konstruiert, dass sie in der Wüste einsetzbar sind, im Regen, bei Schneematsch und bei einer Temperatur von minus 50 Grad."

    "Ich bin dafür, dass es keine Waffen auf der Welt gibt"

    Michail Kalaschnikow selbst war viele Jahre ein Mysterium. Niemand kannte den Waffenkonstrukteur, er arbeitete im verborgenen. Erst als hochbetagter Mann trat er in Erscheinung. Bei öffentlichen Auftritten schwärmte er einerseits von seinen Waffen: "Nicht nur Frauen brauchen Schönheit - auch Waffen haben eine eigene, besondere Schönheit. Ja, so ist das." Andererseits betont er gerne, dass er kein Kriegsnarr sei:

    "Viele haben mich gefragt: 'Wissen Sie eigentlich, wie viele Menschen durch Ihr Maschinengewehr getötet wurden? Wie können sie nachts schlafen?' Ich sage dann immer: 'Nicht die Waffe ist schuld, sondern die Politiker, die sich nicht friedlich einigen können.' Ich bin dafür, dass es keine Waffen auf der Welt gibt."

    Kaum zu glauben, denn neben Geld, haben die Waffen Kalaschnikow viel Ehre eingebracht. Er wurde ausgezeichnet als "Held der sozialistischen Arbeit" und als "Held der russischen Föderation".

    In Zentrum von Moskau gibt es seit 2017 ein überlebensgroßes Denkmal, das Kalaschnikow mit einem Gewehr zeigt. Die Passanten im angrenzenden Park finden überwiegend pathetische Lobesworte. Bezeichnungen wie "Held" oder "genialer Mann" sind da zu hören. Und ein junger Mann meint: "Wir haben wegen seiner Waffen Kriege gewonnen."