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Kaffeeanbau in Kolumbien (Symbolbild)

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    Kaffee: Wird das Lieblingsgetränk der Deutschen zum Luxus?

    Fast 170 Liter Kaffee konsumiert der Durchschnittsdeutsche im Jahr. Doch das Kaffeeangebot wird knapper – die Tasse kostet mehr. Ein Grund dafür ist der Klimawandel. Kaffeeanbauer und Experten versuchen, sich auf die neuen Bedingungen einzustellen.

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    Von
    • Xenia Böttcher
    • Nils Kopp
    • Bettina Rühl

    Die Familie von Uriel Chiquito aus Kolumbien arbeitet im Kaffeeanbau, wo sie die Folgen des Klimawandels immer wieder zu spüren bekommt: Mal regnet es häufiger als früher, mal ist es heißer und demzufolge auch trockener als bisher.

    Klimaexperten sagen voraus, dass Mitte des Jahrhunderts Kaffeeanbau in Lateinamerika auf bis zu 90 Prozent der derzeitigen Flächen nicht mehr möglich sein wird. "Wir sehen das Ergebnis unseres schlechten Umgangs mit dem Land, das uns von Gott anvertraut wurde," sagt Chiquito. "Ich habe Enkel, sie sind noch klein, was werden sie in 15 Jahren machen, wenn wir jetzt nicht alles geben?"

    Hilfe aus den Niederlanden

    Chiquito und seine Familie bekommen nun Hilfe von der niederländischen Organisation "Solidaridad". Sie unterstützt Kaffeebäuerinnen und -bauern bei der Umstellung auf die neuen klimatischen Umstände. Ziel ist es, mit den derzeitigen Plantagen immer noch einen Ertrag zu erzielen, von dem sie auch weiterhin ihr Überleben sichern können. So pflanzt Chiquitos Familie auf ihren Plantagen die Kaffeebäume jetzt unter großen, schattigen Bäumen. Unkraut wird stehengelassen, so bleibt der Boden kühl und feucht.

    "Wir müssen sofort handeln und die Böden erhalten. Bäume pflanzen, all das wird helfen, sich gegen die Widrigkeiten stemmen zu können", meint Hector Aricapa von "Solidaridad". "Wir können den Klimawandel nicht aufhalten, aber das alles wird helfen, damit die Kaffeebauern länger durchhalten können."

    Schutz der Bohnensorten

    Auch die Auswahl der Bohnensorten kann für die Kaffeeanbauer beim Umgang mit den Klimafolgen eine Rolle spielen: Der größte Teil des in Deutschland konsumierten Kaffees wird aus den Bohnen Arabica oder Robusta erzeugt. Aber es gibt noch viele andere, die allerdings wirtschaftlich nicht so erfolgreich zu verarbeiten sind.

    Diese kaum bekannten Sorten zu schützen, ist ein Anliegen von Björn Schäfer vom Stuttgarter Zoologisch-Botanischen Garten Wilhelma. Er erhält wenige Exemplare der Pflanzen von den Kaffeebäuerinnen und -bauern aus den Erzeugerländern. Durch das Stuttgarter Sammlungsprojekt, weit entfernt vom Anbaugebiet, stehen stets Alternativen bereit, wenn die Pflanzen im Herkunftsland krank werden und die Ernte ausfallen muss.  

    Flexibilität bei Klimaänderung

    Diese Kaffee-Alternativen haben auch einen weiteren Vorteil für den Kaffeeanbau mit Blick auf die Klimafolgen: Manche Arten sind zum Teil hitzebeständiger, manche vertragen mehr Regen, manche wachsen auch in höheren Lagen: Mit einer Mischung aus verschiedenen Sorten können Kaffeeanbauer sicherstellen, dass sie genug ernten werden, auch wenn eine Bohnenart ausfällt.

    "Die alten Varietäten haben ganz besondere Eigenschaften", sagt Schäfer. "Dadurch wollen wir den Bauern die Möglichkeit geben, unter dem Klimawandel weiter Kaffee produzieren zu können."

    Fairtrade als Ausweg

    Ein weiteres Problem bei der Kaffeeproduktion ist, dass oftmals Kleinbäuerinnen und -bauern ihren Betrieb aufgeben und ihre Plantagen verkaufen, weil unter den momentan herrschenden Bedingungen am Weltmarkt kein lukrativer Betrieb möglich ist. Mit einem Fairtrade-Siegel sehen die Chancen aber gleich besser aus: Charles Wanjohi aus Kenia arbeitet seit vielen Jahren als Kaffeebauer. Er ist Mitglied einer Kooperative von 14 Landwirten, die bereits seit 2006 ein Fairtrade-Siegel hat.

    Sicheres Einkommen für die Kaffeebauern

    Doch für ein solches Siegel müssen die Bäuerinnen und Bauern erst mal investieren, zum Beispiel in Umweltschutz. Außerdem müssen sie geregelte Arbeitsbedingungen nachweisen – viele können sich das nicht leisten. Daher ist Wanjohi froh, dass er Mitstreiter zur Aufgabenteilung hat und der offiziell fairen Kooperative angehört. Denn dadurch konnte er seine Kinder zur Schule schicken und Wanjohis Tochter kann studieren. Er bekommt landwirtschaftliche Beratung und hat ein sichereres Einkommen.

    "Die 20 Jahre, in denen ich jetzt schon Kaffeebauer bin, haben sich für mich wirklich gelohnt. Ich konnte weiteres Land und ein Grundstück in der Nähe kaufen, auf dem ich anbaue. Ich kann wirklich nicht klagen." Charles Wanjohi, Mitglied einer Fairtrade-Kooperative von Kaffeebauern

    Preisanstieg beim Kaffee

    Für uns als Verbraucher wird Kaffee teurer. So sieht es auch Steffen Schwarz vom Mannheimer Unternehmen "Coffee Consulate". Er ist eng eingebunden in die Initiative zum Schutz von Kaffeesorten in der Stuttgarter Wilhelma und verfügt über gute Kontakte und regen Austausch mit den Kaffeebauern in den Erzeugerländern entlang des Äquators, im sogenannten "Kaffee-Gürtel".

    Was macht den Kaffee zusammengefasst teurer? Zu möglichen Fairtrade-Auflagen kommen aufgrund des Klimawandels Kaffeearten mit weniger Ertrag zum Einsatz. Schwarz meint: Die globale Nachfrage steigt. Die "emerging markets", spielten eine immer wichtigere Rolle. So würde zum Beispiel auch im Tee-Land Indien immer häufiger Kaffee konsumiert.

    Im Weltspiegel-Podcast erzählt unsere ARD-Korrespondentin Xenia Böttcher aus dem Studio Mexiko Moderatorin Natalie Amiri über ihre Reise in die Kaffee-Plantagen in Kolumbien: Weltspiegel Thema Kaffeeanbau im KlimawandelTalks und Einblicke

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