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Bildrechte: REUTERS

Der Dauerkonflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Exklave Berg-Karabach flammt wieder auf. Aus dem Süd-Kaukasus werden schwere Gefechte gemeldet. Nach Angaben beider Seiten wurden Soldaten und Zivilisten getötet.

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Kämpfe in Bergkarabach: Armenien erklärt Kriegszustand

Seit dem Ende der Sowjetunion streiten sich Armenien und Aserbaidschan um die Region Bergkarabach. Nun droht dort eine gefährliche Eskalation. Nach neuen Kämpfen hat Armenien den Kriegszustand für das ganze Land verhängt.

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Von
  • tagesschau.de

Nach schweren Gefechten im südkaukasischen Konfliktgebiet Bergkarabach mit dem verfeindeten Aserbaidschan hat Armenien den Kriegszustand für das gesamte Land ausgerufen. Das teilte Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan mit. In einem Post auf Facebook verkündete der Präsident zudem die Generalmobilmachung. Er rief seine Landsleute auf, sich für die Verteidigung des "heiligen Vaterlandes" bereitzuhalten.

Am Morgen waren in Bergkarabach schwere Kämpfe zwischen Armenien und Aserbaidschan ausgebrochen. Die Hauptstadt Stepanakert sei beschossen worden, die Menschen sollten sich in Sicherheit bringen, teilten die lokalen Behörden in Bergkarabach mit. Sie hatten bereits den Kriegszustand für die Region erklärt.

Russland fordert sofortige Waffenruhe

Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld für die Gefechte. Aserbaidschans Verteidigungsministerium erklärte, die Armee habe eine "Gegenoffensive" gestartet, "um Armeniens militärische Aktivitäten zu stoppen und die Sicherheit der Bevölkerung zu schützen".

Armeniens Premierminister Paschinjan hatte am Morgen in einem Facebookpost seinerseits mitgeteilt, dass aserbaidschanische Streitkräfte eine Offensive in Bergkarabach gestartet hätten. "Die gesamte Verantwortung dafür hat die militär-politische Führung Aserbaidschans", schrieb er. Armenien habe deshalb Hubschrauber und Kampfdrohnen eingesetzt. Das Verteidigungsministerium sprach von zwei abgeschossenen aserbaidschanischen Hubschraubern und mehreren zerstörten Panzern. Das aserbaidschanische Verteidigungsministerium wies diese Angaben zurück.

Es soll zahlreiche Verletzte und etwa zehn Tote unter den Soldaten in dem Südkaukasus-Gebiet geben. Es handelt sich wohl um die schwerste Eskalation seit Jahrzehnten. Russland rief zu einer sofortigen Waffenruhe in der Region auf. Auch die EU forderte ein sofortiges Ende aller Kampfhandlungen. EU-Ratspräsident Charles Michel erklärte am Sonntag, die Konfliktparteien müssten "umgehend an den Verhandlungstisch zurückkehren". Die Informationen über die jüngsten Kampfhandlungen seien Anlass zu "größter Besorgnis".

Türkei macht Armenien verantwortlich

Die Türkei stellte sich hingegen umgehend an die Seite Aserbaidschans. Der Sprecher der Regierungspartei AKP, Ömer Celik, verurteilte per Twitter vehement "Armeniens Angriff auf Aserbaidschan". Das sei eine weitere armenische Provokation. Die Türkei werde Aserbaidschan beistehen, erklärte er, und fügte hinzu: "Armenien spielt mit dem Feuer und gefährdet den regionalen Frieden." Der türkische Präsidentensprecher Ibrahim Kalin warf Armenien ebenfalls per Twitter vor, "mit einem Angriff auf zivile Siedlungen" den Waffenstillstand verletzt zu haben.

Konflikt seit 1991

Die von Armenien kontrollierte Region Bergkarabach gehört völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. Der Konflikt um die Region entbrannte nach dem Ende der Sowjetunion 1991, in der Bergkarabach den Status einer autonomen Region der UdSSR innehatte. 1992 brach Krieg um das Gebiet aus, in dem in den folgenden zwei Jahren etwa 30.000 Menschen getötet und Hunderttausende Menschen vertrieben wurden. Aserbaidschan hatte damals die Kontrolle über das von christlichen Karabach-Armeniern bewohnte Gebiet verloren. Eine 1994 vereinbarte Waffenruhe wird bis heute immer wieder durchbrochen. Zuletzt flammte der Konflikt 2016 auf.

Das Auswärtige Amt erkennt die Region nicht als "Republik Bergkarabach" an und bezeichnet sie als "von armenischen Streitkräften besetzte Gebieten der Republik Aserbaidschan". Armenien setzt auf Russland als Schutzmacht, die dort Tausende Soldaten und Waffen stationiert hat.

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