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Juul-Zigaretten
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Hermann Scholz
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Juul-Zigaretten

Fabian Strecker hat einen Laden für E-Zigaretten in München-Laim. Seit 3. Januar gibt es bei ihm die Juul zu kaufen. Ein paar Leute, sagt er, hätten sich auch schon danach erkundigt – einige kannten sie aus den USA, andere waren einfach nur neugierig. Die Juul, sagt Strecker, ist anders als andere E-Zigaretten.

"Die meisten anderen E-Zigaretten sind deutlich größer, machen auch mehr Dampf, aber sind einfach nicht so einfach in der Handhabung. Das heißt, die Juul ist wirklich klein, ich kann sie gut mitnehmen, sieht gut aus, ich kann einfach die Kapseln gut drauf stecken und sie ist einsatzbereit. Lädt schnell – also gerade für unterwegs ein großer Vorteil." Fabian Strecker, Fun Smoke München

Nikotin-Produkt setzt auf Design

Das Design der Neuen ist so schick, dass mancher schon vom "i-Phone" unter den E-Zigaretten spricht. Im vergangenen Jahr hat der Tabakriese Altria, der unter anderem Marlboro vertreibt, einen 35-Prozent-Anteil an Juul Labs gekauft – für satte 12,8 Milliarden Dollar. Das drei Jahre alte Start-up aus Kalifornien wäre damit mehr wert als die Lufthansa oder AirBnB, nämlich 38 Milliarden Dollar.

Die Juul enthält viel mehr Nikotin

Dabei hat Juul in den USA die besondere Aufmerksamkeit der Gesundheitsbehörde FDA auf sich gezogen – weil es einen Hype unter Jugendlichen ausgelöst hat. Besonders über soziale Medien verbreitete sich die Marke. Das Problematische daran: In den USA darf die Flüssigkeit, die in E-Zigaretten verdampft wird, bis zu 5 Prozent Nikotin enthalten – in der EU sind maximal 1,7 Prozent erlaubt. Das Dampfen könnte erst Nikotinsucht erzeugen und so ein Einstieg ins Rauchen werden.

Das soll in Deutschland anders werden, beteuert der Pressesprecher von Juul Labs Deutschland. Er kündigt Testkäufe an, um zu nachzuprüfen, ob Jugendliche die E-Zigarette bekommen könnten, Alterskontrollen bei Online-Käufen, den Verzicht auf Werbung rund um Schulen und Kindergärten.

"Wir werden in Deutschland auf jegliche Social-Media-Aktivitäten verzichten. Wir richten uns nur an erwachsene Raucher in unserer Werbung, und wollen dadurch vermeiden, dass Juul in Deutschland einen Hype bei Jugendlichen auslöst." Tobias Gerlach, Pressesprecher Juul Deutschland

Juul hat hohes Suchtpotential

Trotzdem: Mediziner sehen Juul kritisch. Denn wie stark das Dampfen von E-Zigaretten die Gesundheit langfristig beeinflusst, ist kaum erforscht. Sicher ist: Es ist weniger gesundheitsschädlich, als Tabak zu rauchen. Aber Nikotin enthalten die meisten Verdampfer-Flüssigkeiten auch, nur wirken sie normalerweise nicht so schnell wie bei einer Tabak-Zigarette. Anders bei Juul – dort ist das Nikotin in speziellen Salzen enthalten.

"Das Neue an diesem neuen Produkt Juul ist, dass ein Nikotin beigemischt ist, was sehr schnell im Gehirn anflutet. Und je schneller ein Suchtstoff im Gehirn anflutet, umso stärker ist das Suchtpotential, umso mehr macht's abhängig." Dr. Tobias Rüther, Tabakambulanz der Uni-Klinik München

Verbreitet sich die neue E-Zigarette tatsächlich rasch unter jungen Leuten, könnte das die Erfolge der vergangenen Jahre im Kampf gegen das Rauchen zumindest teilweise wieder zunichte machen.