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Polizei in New York im Einsatz (Symbolbild)

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    Justizirrtum in New York: 24 Jahre unschuldig in Haft

    In New York sind drei Schwarze nach fast einem Vierteljahrhundert unschuldig hinter Gittern freigesprochen worden. Ihnen wurde fälschlicherweise unter Ex-Bürgermeister Giuliani Mord vorgeworfen.

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    Von
    • Antje Passenheim

    Er ist ein freier Mann. George Bell klingt, als könne er es selbst noch kaum glauben. Als er es ausspricht, hat er Tränen in den Augen. Nach 24 Jahren unschuldig im Gefängnis kann er nach Hause gehen.

    24 Jahre lang habe er den Traum nicht aufgegeben, endlich wieder bei seiner Familie zu sein. Als er von ihr getrennt wurde, sei er noch ein Kind gewesen.

    "Ich war erst 19, hatte keine Ahnung von meinen Rechten. Und bevor ich ins Gefängnis kam, habe ich immer an die Justiz geglaubt." George Bell

    Fast ein Vierteljahrhundert unschuldig hinter Gittern

    Dieses Vertrauen auf Gerechtigkeit hatten Bell und seine zwei Mithäftlinge, Rohan Bolt and Gary Johnson, zwischenzeitig verloren. Fast ein Vierteljahrhundert haben die drei Afroamerikaner unschuldig hinter Gittern gesessen. Den Großteil ihres Lebens haben sie für einen Doppelmord gebüßt, den sie gar nicht begangen haben, wie Richter Joseph Zayas endlich besiegelt, als er die Männer in den beigen Hosen und weißen Hemden nun in die Freiheit entlässt.

    Es war kurz vor Weihnachten 1996, als ein Ladenbesitzer in Queens im Beisein eines Polizisten überfallen wurde. Beide Männer wurden erschossen. Der Doppelmord löste eine erbitterte Jagd aus. Der damalige Bürgermeister von New York hieß Rudy Guiliani. Mit seiner "Null Toleranz"-Politik war er angetreten, um im kriminellen Dschungel der Stadt hart durchzugreifen.

    "Null Toleranz" gegenüber Minderheiten?

    Doch der Einsatz von Polizei und Justiz richtete sich vor allem gegen Minderheiten. Wenige Tage später präsentierten die Jäger die vermeintlich Schuldigen. Im darauffolgenden Prozess hätten die Ankläger entlastendes Material unterschlagen, erklärt die heutige Bezirks-Staatsanwältin von Queens, Melinda Katz. Aus den Polizeiberichten sei hervorgegangen, dass andere Personen beteiligt waren.

    Vergangenes Jahr hatte Katz den Fall neu aufrollen lassen: "Euer Ehren, das ist ein tragischer Fall, der viele Leben beeinträchtigt hat."

    Zeit ist nicht zu erstatten

    Zwischen 50 Jahren und lebenslänglich betrugen die Haftstrafen für die drei unschuldig Verurteilten. Da waren sie zwischen 19 und 35 Jahre alt. Restaurantbesitzer Bolt war bereits vierfacher Vater. Was ihnen geraubt wurde, bekommen sie auch mit ihrer Freisprechung nicht wieder, betont Pro-Bono-Anwältin Rita Dave. "Das Leben wird in Zeit gemessen. Verlorene Zeit ist verlorenes Leben." Die Juristin fordert Konsequenzen für das System.

    "Während das Leiden von George, Gary und Rohan nicht gelöscht werden kann, kann die Unfairness eines Systems korrigiert werden, das die eilige Lösung von Kriminalfällen wertschätzt." Anwältin Rita Dave

    Bis zum Juni sollen mehrere weitere Sitzungen folgen - um dem Justizirrtum auf den Grund zu gehen. Bell, Bolt und Johnson werden sie als freie Männer verfolgen.

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