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Party trotz Corona - mit Ordnungskräften im Hintergrund.

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Junge Menschen und Corona: Sorglosigkeit statt Abstand

Die Corona-Fallzahlen in Deutschland sind zuletzt wieder gestiegen. Liegt das an einer neuen Sorglosigkeit der Menschen im Umgang mit dem Virus? Recherchen von Report München deuten daraufhin.

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Von
  • Benedikt Nabben
  • Fabian Mader

Richard Kindsmüller ist eigentlich Reisebusfahrer - seit der Coronakrise fährt er Linienbus im Münchner Umland. Er ist 63, gehört zur Risikogruppe. Für ihn ist es besonders gefährlich, wenn Fahrgäste sich nicht an die Maskenpflicht halten.

"Die sind halt für mich - wie soll ich sagen - rücksichtslos, kombiniert mit Dummheit." Richard Kindsmüller, Busfahrer

Maske nach Aufforderung

Wir begleiten ihn während seiner Schicht im Münchner Osten - unser Eindruck: Viele hier tragen Maske, aber bei manchen hängt sie unter der Nase oder sogar ganz am Kinn. Einige steigen gleich ganz ohne Maske ein. Kindsmüller lässt sich das nicht bieten. Er herrscht solche Fahrgäste sehr deutlich an. Vier solcher Fahrgäste lassen sich - teilweise nach Diskussionen - darauf ein, sie legen die Maske schließlich an. Einen jungen Fahrgast weist er während seiner Schicht an der Tür ab.

Ist es nur ein Eindruck? Oder sinkt die Bereitschaft die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie einzuhalten? Forscher der Universität Erfurt untersuchen jede zweite Woche, wie ernst die Deutschen die Infektionsgefahr noch nehmen. Die Zahlen sind eindeutig. Gaben Mitte März noch 79 Prozent an, dass sie zumindest häufig an Corona denken – sagen das vier Monate später nur noch 55 Prozent. Besorgnis und Angst vor Corona haben deutlich abgenommen.

Keine Angst mehr vor Corona

Und das hat Folgen für das Verhalten. Während Mitte März öffentliche Orte laut der Erhebung für fast alle tabu waren, sind feiernde Menschenmassen, etwa am Münchner Gärtnerplatz, jetzt schon fast wieder normal.

Ein ähnliches Bild zeigt sich vergangenes Wochenende in Berlin-Mitte. Die Feiernden stehen vor und in den Kneipen dicht gedrängt, teilweise ohne Mundschutz. Anja Schomburg vom Allgemeinen Ordnungsdienst in Berlin geht mit einem Zollstock durch die Kneipen und versucht den Mindestabstand durchzusetzen. Insgesamt ein aussichtsloses Unterfangen.

"Manche hören da gar nicht drauf. Das ist ein Fass ohne Boden, wir könnten jetzt eigentlich bis morgen früh durcharbeiten." Anja Schomburg, Ordnungsdienst Berlin

Steigende Corona-Zahlen bei unter 30-Jährigen

Der Eindruck, dass viele junge Leute besonders sorglos mit den Corona-Regeln umgehen, täuscht nicht. Nach Daten des Robert Koch-Instituts hat sich der Anteil der unter 30-Jährigen bei den Covid-19-Positiven seit März mehr als verdoppelt. Inzwischen stammen 39 Prozent der gemeldeten Infektionen aus dieser Gruppe.

Eine aktuelle Studie des Marsilius-Kollegs der Universität Heidelberg belegt zudem: Halten noch 92 Prozent der über 65-Jährigen die Corona-Regeln zumindest meistens ein, sind es bei den unter 26-Jährigen nur noch 70 Prozent.

Busfahrer Richard Kindsmüller will die Maskenpflicht auf seiner Fahrtroute im Münchner Osten weiterhin rigoros durchsetzen. Auch wenn Kollegen von ihm deswegen schon Prügel abbekommen haben – er nimmt keinen Fahrgast ohne Maske mit. Er fürchtet, dass sich die zweite Welle bereits aufbaut - weil viele zur sorglos sind.

"'Die Leute, die sagen, das dauert schon so lange, ich habe keinen Bock nimmer' - das ist die Gefahr und der Grund, warum das wieder steigt - weil die Leute rücksichtslos sind - zumindest viele." Richard Kindsmüller, Busfahrer
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Die Corona-Fallzahlen in Deutschland sind zwischenzeitlich wieder gestiegen. Liegt das an einer neuen Sorglosigkeit der Menschen im Umgang mit dem Virus? Recherchen von Report München deuten daraufhin.

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