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Juncker: Deutschland hat bei der Bankenunion "nicht geliefert" | BR24

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Im Gespräch mit dem ARD-Europastudio Brüssel zieht der scheidende EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker Bilanz

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Juncker: Deutschland hat bei der Bankenunion "nicht geliefert"

Ein großer Europäer tritt ab: In wenigen Wochen übergibt EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker an von der Leyen. Im Gespräch mit dem ARD-Europastudio Brüssel hat der Luxemburger Bilanz gezogen. Gewohnt humorvoll, aber auch nachdenklich.

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Fünf Jahre Juncker-Kommission – das heißt vor allem: fünf Jahre Krisenmanagement. Ob Ukrainekrieg, der Beinahe-Rauswurf Griechenlands, ob Flüchtlingsverteilung oder islamistischer Terror – die Herausforderungen kamen Schlag auf Schlag.

Juncker habe nie mit Aufgeben gedroht

Ans Aufgeben, wie zwischenzeitlich immer wieder gemunkelt wurde, habe er aber nie gedacht – trotz seiner angegriffenen Gesundheit, beteuert Jean-Claude Juncker im Interview mit dem ARD-Studio Brüssel.

"Ich habe auch, entgegen dem, was in der Presse steht, nie damit gedroht." EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker

Juncker bereut Zurückhaltung bei Brexit-Referendum

Einen langen Schatten auf seine Amtszeit wirft der Brexit. Zu viel Zeit und zu viel Energie hätten die Scheidungsverhandlungen mit den Briten gekostet. Zeit und Energie, die die EU gut für andere Baustellen gebraucht hätte. Und Juncker räumt ein Versäumnis ein: beim Referendum, 2016, habe er sich, auf Wunsch von Premier Cameron, nicht eingemischt. Dies sei ein Fehler gewesen.

"Da wurden viele Lügen erzählt, denen niemand widersprochen hat." EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker

Bankenunion: "Deutschland hat nicht geliefert"

Enttäuscht zeigt sich der scheidende Kommissionschef über die mangelnde Unterstützung aus Berlin, beim Thema Bankenunion. Er hätte es sich "sehr gewünscht", wenn sich Europa, wie geplant, auf eine gemeinsame Einlagensicherung verständigt hätte. Doch Deutschland habe hier "nicht geliefert".

Strafzölle: Trump nennt Juncker "brutalen Killer"

Als wichtigste Leistung nennt Juncker im Rückblick, dass es gelungen sei, den "Laden" EU – trotz aller Probleme – zusammenzuhalten. Die verbleibenden Mitgliedsstaaten hätten den Wert der Gemeinschaft erkannt, darauf sei er stolz. Dies gilt laut Juncker im Übrigen auch für das zweifelhafte Kompliment von US-Präsident Trump. Der hatte ihn im Streit um Strafzölle als "harten Brocken" und "brutalen Killer" bezeichnet.

"Wenn ein Amerikaner zum einem Luxemburger sagt, er wäre todesgefährlich, dann ist das so als kleiner Luxemburger doch ein Ereignis, das ich mir aufgeschrieben habe." EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker