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Jugendstudie: So ticken Deutschlands 14- bis 17-Jährige | BR24

© dpa-Bildfunk

Jugendlicher mit Maske

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    Jugendstudie: So ticken Deutschlands 14- bis 17-Jährige

    Weniger Party, weniger Abenteuer, dafür große Herausforderungen wie den Klimawandel im Blick: Die neue Sinus-Jugendstudie zeigt, dass viele 14- bis 17-Jährige heute vor allem eines sind: ernst und problembewusst.

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    Zunächst einmal: Pessimistisch ist die junge Generation heute nicht. Das betonen die Autorinnen und Autoren der Sinus-Jugendstudie, die heute in Berlin vorgestellt wurde. In ausführlichen Interviews befragt das Sinus-Institut alle vier Jahre 14- bis 17-Jährige in Deutschland, um in ihre Lebenswelt einzutauchen. "Die Zukunftshoffnungen überwiegen deutlich gegenüber den Sorgen", heißt es in der Studie.

    Aber: So ganz voller Euphorie ist er dann auch wieder nicht, der Blick der Jugendlichen in ihre persönliche Zukunft. Vor allem die Bildungsferneren machen sich durchaus Sorgen um Job und persönliche Perspektiven, fürchten den sozialen Abstieg. Hier die wesentlichen Erkenntnisse der Studie:

    Die "ernste Generation"

    Was sich an den "Fridays for Future"-Protesten ablesen lässt, zeigt auch die Sinus-Studie: Viele Jugendliche beschäftigen sich mit den großen Herausforderungen der Zeit. Dazu gehört vor allem der Klimawandel. Viele sehen hier angesichts der fortschreitenden Zerstörung der Lebensgrundlagen auf der Erde, die Gefahr einer Katastrophe.

    Die Jugendlichen heute seien "ernst und problembewusst" - neben dem Klimawandel sorgen auch die Themen soziale Gerechtigkeit und Migration für Unmut, heißt es in der Sinus-Studie. "Trotz überwiegender Akzeptanz von Vielfalt in der Gesellschaft, verunsichert die anhaltende Zuwanderung weite Teile der Jugend", schreiben die Autoren.

    Viele fühlen sich zu wenig gehört

    Besonders beunruhigt die junge Generation offenbar, dass sie zwar realistisch auf politische und gesellschaftliche Probleme schauen, aber damit von Verantwortlichen nicht ernst genug genommen werden. Eine der wichtigsten Erkenntnisse für die Autorinnen und Autoren der Studie: "Die Jugend fühlt sich zu wenig gehört" - sowohl von der Politik als auch der älteren Generation insgesamt.

    Die Politik, so die Befragten, würde Maßnahmen gegen den Klimawandel auf die lange Bank schieben. "Viele Jugendliche haben das Gefühl von Macht- bzw. Einflusslosigkeit", heißt es in der Auswertung der Interviews mit den 14- bis 17-Jährigen. "Die massenhafte Teilnahme an Fridays-for-Future-Demonstrationen ist Ausdruck ihrer Ohnmacht und Empörung."

    Müssten sich Jugendliche dann nicht stärker in der Politik engagieren? Die Sinus-Studie kommt zwar zu dem Ergebnis - wie auch schon andere Untersuchungen zu diesem Thema, - dass die junge Generation sich zunehmend für Politik interessiert. Die Welt der Parteien und klassische politische Arbeit ist ihr aber fremd.

    Auf der Suche nach Halt und Geborgenheit

    Die unübersichtliche, globalisierte Welt treibt schon seit Jahren das sogenannte "Regrounding" voran. Das heißt: Immer mehr Menschen sehnen sich nach einem Leben, in dem Familie und Heimat an vorderster Stelle stehen. Dieser Trend setzt sich offenbar auch bei den heute 14- bis 17-Jährigen fort.

    Demnach suchen Jugendliche "Zugehörigkeit, Halt und Orientierung", schreiben die Studienautoren. Die junge Generation beschreibt sich selbst als "bodenständig" - soziale Geborgenheit, Hilfsbereitschaft und Toleranz sei ihr wichtig. Viele befürchten mehr Hass und zunehmende Aggressionen in der Gesellschaft, es fehle an Zusammenhalt.

    Beruf, Ehe, Kinder

    Bloß nicht ausscheren, bloß nicht auffallen? Das Bild der Jugendlichen, dass die Sinus-Studie zeichnet, beschreibt eine junge Generation, die nicht mehr unbedingt auf Status und Erfolg aus ist, sondern vor allem auf abgesicherte, stabile Lebensverhältnisse: "Ein dominanter Zukunftswunsch vieler Jugendlicher ist es, in der Mitte der Gesellschaft anzukommen", schreiben die Autorinnen und Autoren. Der Weg, den viele Jugendliche sich vorstellen, lautet demnach ganz klassisch: Schule, Ausbildung oder Studium, Beruf, Ehe, Kinder.

    Corona: Sorgen halten sich in Grenzen

    Um herauszufinden, wie Jugendliche von der Corona-Pandemie betroffen sind und wie sie darüber denken, mussten die Autoren der Studie ein zweites Mal ran: In einer Nachbefragung interviewten sie Jugendliche von Ende April bis Anfang Mai noch einmal. Und stellten unter anderem fest: So richtig betroffen sind die meisten 14- bis 17-Jährigen nicht. Sie sorgen sich zwar, so heißt es, teils um Familienangehörige, sind genervt von Einschränkungen, aber: "Nur wenige Befragte erwarten, dass Corona der Wirtschaft oder der Gesellschaft langfristig massiv schaden wird", so die Autoren.

    Jugendliche erkennen "Fake News"

    Auf der Suche nach Informationen rund um Corona, vor allem im Netz, kommen die meisten Jugendlichen mit Fake News und Verschwörungstheorien in Kontakt. Sie "trauen ihnen aber in den meisten Fällen nicht", heißt es in der Sinus-Studie.

    Demnach meinen die meisten Jugendlichen, Fake News erstens zu erkennen und zweitens damit umzugehen. Dabei helfe auch, dass Fake News mittlerweile in der Schule als Problem aufgegriffen werden – Schülerinnen und Schüler bekommen dort das Grundwerkzeug an die Hand, um Fake News zu erkennen.

    Es gibt nicht die eine Generation

    Um für ihre Erkenntnisse möglichst alle Lebenswelten der 14- bis 17-Jährigen in Deutschland berücksichtigen zu können, teilten die Autorinnen und Autoren der Studie Jugendliche in sieben verschiedene Gruppen ein, unter anderem danach, welche Ziele sie haben, welche Werte, wie sie sich um gesellschaftliche Teilhabe bemühen und welche Interessen sie haben. Für die aktuelle Studie hat das Sinus-Institut 72 ausführliche Interviews mit Jugendlichen aus jeder dieser sieben Gruppen durchgeführt, im Zeitraum März bis Juni 2019. Auftraggeberin ist unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung.

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