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Jubel über Sieg von Imamoglu in Istanbul | BR24

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BR-Türkei-Korrespondent Oliver Mayer-Rüth schätzt im ARD-Morgenmagazin die Bedeutung der Bürgermeister-Wahl in Istanbul ein.

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Jubel über Sieg von Imamoglu in Istanbul

So ausgelassen wurde in Istanbul seit Jahren nicht mehr gefeiert. Nachdem das Wahlergebnis relativ früh und eindeutig feststand, gab es für die Anhänger von Ekrem Imamoglu kein Halten mehr.

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54 Prozent für Imamoglu, der zuvor Bürgermeister des Istanbuler Stadtteils Belikdüzü war. 45,1 für seinen Konkurrenten Binali Yildirim von der Regierungspartei AKP - mit einer Vita als Verkehrsminister, Ministerpräsident und Parlamentspräsident eigentlich ein politisches Schwergewicht. Aber eben auch ein verbrauchtes politisches Gesicht. Dem Newcomer Imamoglu gelang es, auch konservative Wähler und Stadtteile zu gewinnen. Seinen Sieg feierte er in Beylikdüzü vor Zehntausenden Anhängern:

"Wir werden in dieser Stadt wahre Demokratie aufbauen. Wir werden in dieser Stadt Gerechtigkeit schaffen. Wir werden in dieser schönen Stadt, das verspreche ich Euch, die Zukunft gestalten." Ekrem Imamoglu, Sieger der Bürgermeisterwahl in Istanbul

Türkischer Staatspräsident gratuliert zu "inoffiziellen Ergebnissen"

Zu diesem Zeitpunkt hatte auch Staatspräsident Erdogan Imamoglu zu den – so Erdogan wörtlich – inoffiziellen Ergebnissen gratuliert.

Während Erdogan in der ersten Runde des Wahlkampfs kämpfte, als ginge es um sein eigenes Amt, zog er sich immer mehr zurück, je schlechter die Umfragen wurden. Am Wahlabend mied er jegliche Kameras und Mikrofone.

Die Tausenden jungen Menschen, die im Stadtteil Besiktas feierten, haben ihn mit Sicherheit nicht vermisst. "Er ist ein Hoffnungträger. Nicht nur für Istanbul, sondern für die ganze Türkei", sagt der junge Istanbuler Baran, der den Sieg Imamoglus am Wahlabend feiert.

Mehr Grünflächen, Kindergärten und Jobs in Istanbul

Nicht nur Grünflächen und mehr Kindergärten und neue Jobs will Imamoglu schaffen, sondern auch ein Gefühl der Zusammengehörigkeit in der Stadt.

"Diese Wahl bedeutet, dass in Istanbul alle gemeinsam ein neues Kapitel aufschlagen werden. In diesem neuen Kapitel wird es Gerechtigkeit, Gleichheit, Nächstenliebe und Toleranz geben; aber nicht mehr Verschwendung, Prunk, Hochmut und Diskriminierung" Ekrem Imamoglu, Sieger der Bürgermeisterwahl in Istanbul

Claudia Roth: Imamoglu setzt auf Zusammenhalt statt auf Spaltung

Die deutsche Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, die sich gerade in Istanbul aufhält, hebt hervor, dass es Imamoglu darum geht, die Gräben in der türkischen Gesellschaft zu überwinden.

"Und ich glaube, es gibt zu Recht in der gesamten Türkei, aber auch bei uns die Hoffnung, dass mit einer anderen Politik, die nicht auf Spaltung setzt, die nicht auf die Verletzung von Menschenrechten setzt, sondern die den Zusammenhalt will, es einen insgesamten Neuanfang in der türkischen Politik geben kann." Claudia Roth, Grünen-Politikerin

Seine Ernennungsurkunde soll Imamoglu in einigen Tagen bekommen. Dann beginnt der Alltag als Oberbürgermeister. Einfach dürfte das nicht werden, denn die Mehrheit im Stadtrat stellt nach wie vor Erdogans AKP. Imamoglu hat deshalb gleich am Wahlabend an Erdogan appelliert, zum Wohl der Bürger zusammenzuarbeiten. Eine Antwort hat er noch nicht erhalten.