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Stacheldraht vor dem Kapitol

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    Joe Biden: Präsident in einem zerrissenen Land

    Heute werden Joe Biden und Kamala Harris die politischen Amtsgeschäfte in den Vereinigten Staaten übernehmen. Damit ist US-Präsident Donald Trump Geschichte. Zumindest vorerst. Doch das Land ist so gespalten wie selten zuvor.

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    Von
    • Claudia Sarre

    Wie so oft ist der Winterhimmel strahlend blau in Washington. Dennoch hängt kurz vor der Inauguration des neuen US-Präsidenten eine düstere Wolke über der Stadt. Über dem ganzen Land. Die letzten vier Jahre unter Donald Trump haben den demokratisch eingestellten Amerikanern viel abverlangt.

    Heute gibt es zwei Amerikas

    Trump trat 2016 mit dem Versprechen an, Amerika "wieder großartig" zu machen. Wie geht es Amerika vier Jahre später? Besser gesagt: Wie geht es den beiden Amerikas? Denn das Land ist mehr denn je zweigeteilt – in Trump-Wähler und Nicht-Trump-Wähler. Auch infolge der Corona-Pandemie und der desolaten Wirtschaftslage ist diese Spaltung dramatischer denn je geworden.

    "Aus meiner Sicht hat sich Amerika verändert, indem es in einer tiefen Identitätskrise steckt - auf beiden Seiten", sagt Peter Sparding vom German Marshall Fund. "Auf der demokratischen Seite wurden viele Gewissheiten darüber verloren, was das Land darstellt, wie stabil die Regierungsfähigkeit ist. Da sind viele Gewissheiten verloren gegangen in den letzten Jahren."

    Vertrauen in die Demokratie stark beschädigt

    Viele Amerikaner haben ihren Glauben in die Demokratie verloren, ihr Vertrauen in die politischen Institutionen. Verantwortlich dafür ist gar nicht mal die Politik, die Trump gemacht hat, sondern vor allem sein Regierungsstil. Die Drohungen und Schmähungen auf Twitter, das Feuern von Ministern und Beratern im Weißen Haus. Die Attacken auf die Medien. Die Liste ist endlos.

    Viele Demokraten sind immer noch geschockt darüber, dass ein Mann wie Donald Trump zum US-Präsidenten gewählt wurde. Aber auch das andere politische Lager sei erschüttert, so Peter Sparding: "Auf republikanischer Seite oder zumindest unter Anhängern des Präsidenten ist es ein ganz anderer Schock. Da wird ja noch teilweise geglaubt, dass die Wahl wirklich gestohlen wurde und natürlich hat man dann die Vorstellung, dass man das Land verliert. Das ist natürlich dramatisch."

    Gräben laufen durch die Familien

    Die Gräben scheinen unüberbrückbar. Auf der einen Seite sind die, die sich wehren gegen Rassismus, Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit. Auf der anderen Seite die, die Angst haben, dass sie als Weiße bald in der Minderheit sind. Die Spaltung in den USA verläuft durch Arm und Reich, Stadt und Land, Demokraten und Republikaner.

    "Die tiefe Spaltung gibt es teilweise sogar innerhalb von Familien", so Sparding. "Das hat man in den letzten Jahren beobachten können, wo Freundschaften darüber [zerbrechen] und wo es in einigen Familien wirklich zur tiefen Spaltung kam."

    Angst, Unsicherheit, Entsetzen

    Diese Zerrissenheit zeigt sich auch im Lebensgefühl vieler Amerikaner, das vielfach bestimmt ist von Angst, Unsicherheit – und Fassungslosigkeit. "Ich glaube nicht, dass vor einigen Jahren viele Amerikaner damit gerechnet hätten, dass es mal eine Gruppe gibt, die das Kapitol stürmt", so Sparding.

    Passantin: "Er war ein guter Präsident"

    So blickt die eine Hälfte des Landes hoffnungsvoll in die Zukunft – während die andere es bedauert, dass Trump schon bald Geschichte ist. "Alle haben immer an Trump herumkritisiert. Weil er zu viel getwittert oder sich schlecht benommen hat. Aber er war ein guter Präsident!" Meint etwa eine Passantin in Washington.

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