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Joe Biden: Der Versöhner

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Joe Biden: Der Versöhner

Im November stehen in den USA die Wahlen an. Der amtierende US-Präsident Trump hofft, in eine zweite Amtszeit zu gehen. Doch sein Herausforderer Biden liegt in den Umfragen vorne. Kann der 77-Jährige einen Regierungswechsel herbeiführen? Ein Porträt.

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Joe Biden spricht in seinem Wahlspot eindringlich zum amerikanischen Volk. Er sorgt sich um sein Land. Auch deshalb möchte der 77-Jährige der nächste US-Präsident werden. "Ich werde Sie nicht im Stich lassen, wir halten zusammen in diesen schwierigen Corona-Zeiten", schwört der frühere Vizepräsident das Volk ein.

Joe Biden gibt sich als Tröster. Als Versöhner. Sein Ziel: Er will die heillos zerstrittenen Lager in den USA wieder zusammenbringen. Nicht umsonst trägt der Nominierungsparteitag der Demokraten den Titel "Uniting America", Amerika vereinen. "Wir müssen die Herausforderungen in diesem Land gemeinsam lösen. Meine Kritiker sagen: Amerika kann nicht versöhnt werden. Aber wenn wir Amerika nicht vereinen, dann sind wir erledigt."

Tragische Familiengeschichte

Joe Biden wuchs auf in einer Arbeiterfamilie in Scranton, Pennsylvania. Als Jugendlicher schafft er es, sein Stottern zu überwinden. Er ist ehrgeizig, wird bereits mit 29 Jahren Senator. Bis eine private Tragödie ihn fast aus der Bahn wirft. Seine erste Frau und seine einjährige Tochter sterben bei einem Autounfall, seine beiden kleinen Söhne werden schwer verletzt. Nur um ihnen jeden Abend Gute Nacht zu sagen, pendelt Joe Biden täglich von seiner Heimatstadt Wilmington, Delaware nach Washington. Jeden Tag 120 Meilen, vier Stunden lang – und das über viele Jahre. Diese Anekdote zeigt, wie er tickt.

Biden sei grundehrlich und bodenständig, sagt der ehemalige Präsident Barack Obama. Von 2008 bis 2016 war Biden Obamas Vizepräsident. Auch deswegen kommt er vermutlich so gut bei Afro-Amerikanern und Latinos an. Der Demokrat spricht sich klar gegen Rassismus und für soziale Gleichheit im Land aus – ganz im Gegensatz zum amtierenden Präsidenten Donald Trump. "Viele Amerikaner – egal ob sie mich mögen oder nicht – sehen mich als Anti-These zu Trump. Und das stimmt wahrscheinlich", sagte der 77-Jährige.

Klimawandel auf der Agenda

Politisch gilt Biden als Kandidat der Mitte: So ist der zum Beispiel für eine Weiterentwicklung der Krankenversicherung, er will einen höheren Mindestlohn und er hat angekündigt, sich für den Kampf gegen den Klimawandel stark zu machen. "Wir haben eine Klimakrise. Und Donald Trump will die noch nicht mal wahrhaben. Er spricht von Schwindel."

Joe Bidens größte Schwäche ist womöglich sein Alter: Bei Amtsantritt wäre er 78 Jahre alt – tatsächlich wirkt er manchmal unkonzentriert, erschöpft, fast gebrechlich. Zweimal schon ging er als Kandidat ins Rennen ums Präsidentenamt. Zuletzt - 2016 – trat er nicht an, weil kurz zuvor sein Sohn Beau an einem Gehirntumor gestorben war. Sollte er am 3. November zum Präsidenten gewählt werden, wäre das eines der gewaltigsten Comebacks der US-Geschichte.

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