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Jetzt beginnen die Sprechstunden zur Atom-Endlagersuche | BR24

© picture alliance/Philipp Schulze/dpa

Welche Orte in Bayern kommen als Atommüll-Endlager in Frage?

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    Jetzt beginnen die Sprechstunden zur Atom-Endlagersuche

    Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat im September einen Bericht zur Atommüll-Endlagersuche veröffentlicht. Unter den möglichen Gebieten sind große Teile Bayerns. Ab heute gibt es eine Online-Sprechstunde für die Bürger.

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    Unterfranken, Oberfranken, Mittelfranken die Oberpfalz und Niederbayern sind komplett in der Auswahl bei der Suche nach einem Endlager für radioaktiven Atommüll. Schwaben ist etwa zur Hälfte und auch Oberbayern ist massiv betroffen. Das verunsichert viele Menschen.

    © BR24 / Carina Urban

    Welche Orte in Bayern kommen als Atommüll-Endlager in Frage?

    Bundesgesellschaft für Endlagersuche stellt sich zunächst den Günzburgern

    Ab heute gibt es in den 90 bundesweiten Teilgebieten eine Online-Sprechstunde für interessierte Bürgerinnen und Bürger. Sie dauert jeweils 60 Minuten. Experten erklären darin, warum das jeweilige Gebiet in der ersten Auswahl ist und beantworten Fragen. An diesem Montag, 26. Oktober, um 19 Uhr findet die erste bayerische Sprechstunde für die Region Günzburg statt.

    Am Dienstag, 27. Oktober, um 17 Uhr können sich die Bürger der Landkreise Rosenheim und Mühldorf informieren. Auf der Internetseite der Bundesgesellschaft für Endlagerung sind die genauen Sprechstundenzeiten für alle bayerischen und bundesweiten betroffenen Regionen vermerkt (die dort angegebenen Teilgebietskennungen sind auf einer zweiten Seite und einer Excel-Liste aufgeführt).

    Die Sprechstunden werden live auf YouTube übertragen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Bürger können ihre Fragen vorab per E-Mail an dialog@bge.de schicken.

    Beteiligung der Bürger erwünscht

    Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) betont, dass der Prozess noch am Anfang stehe. Das Suchverfahren laufe in drei Phasen, dies sei nun die erste Hälfte von Phase eins. Jetzt würden die Ergebnisse detailliert vorgestellt, sollen zugänglich "für jede und jeden sein". Gedacht ist an einen Prozess mit größtmöglicher Beteiligung der Bürger, in dem die Politik sich zunächst zurückhält. Bereits in der vergangenen Woche wurden die betroffenen Regionen in einem virtuellen Treffen von der BGE über den derzeitigen Stand informiert. Bei der Konferenz, die von Kassel aus online stattfand, waren unter anderem auch der Bürgermeister von Thurmannsbang, Martin Behringer (FWG), und der Freyung-Grafenauer Landrat Sebastian Gruber (CSU) mit dabei. Denn: Zu den potentiellen Gebieten für ein Endlager gehört auch der Saldenburger Granit im Bayerischen Wald. Behringer und Gruber zeigten sich eher enttäuscht von der Konferenz, wie sie im BR-Interview sagten. Beide beklagten vor allem die Online-Situation.

    Bürgermeister: "Langatmige Veranstaltung", oberflächlich und schwer verständlich für Laien

    So gut die Veranstaltung von technischer Seite her organisiert gewesen sei, so schwierig sei es gewesen, dieses kritische Thema digital anzugehen. Die Online-Version habe vor allem den Austausch, die Kommunikation und die Beteiligung erschwert. Bürgermeister Behringer sprach von einer "sehr langatmigen Veranstaltung". Es habe lange Vorträge zu geologischen Grundlagen gegeben, das Endlagergesetz wurde thematisiert, ebenso wie die Gesteine, die in Frage kommen (Salz, Ton, Granit). Behringer und Gruber sind sich einig, dass die Veranstaltung zu oberflächlich und für Laien schwer verständlich war. "Man weiß nicht, mit wem man es zu tun hat – die Veranstaltung hat nicht dazu beigetragen, dass man mehr Vertrauen bekommt," so Gruber.

    Atom-Gegner unterstützen öffentliche Suche

    Dennoch begrüßen viele Initiativen und Vereine das offene Verfahren ohne politische Vorgaben mit größtmöglicher Beteiligung der Bürger. Atomkraftgegner Thomas Wolf, der seit gut 30 Jahren an fast jedem Sonntag vor dem Kraftwerk Gundremmingen eine Mahnwache abhält, lobt die Wissenschaftlichkeit des Prozesses. Er ist froh, dass bei der Endlagersuche nicht einfach ein Standort wie damals bei Gorleben ausgewählt wird. Raimund Kamm, ehemaliger Grünenabgeordneter und ebenfalls vehementer Kernkraftgegnr, begrüßt vor allem, dass die Bürger dieses Mal gewissermaßen auf Augenhöhe mitgenommen werden. Er fordert, dass man ergebnissoffen den besten Standort auswählt. Eine Reaktion nach dem Motto "Endlager bitte hier nicht" werde dem Problem nicht gerecht, sagt er.

    Politik entscheidet erst in elf Jahren endgültig

    Noch steht der Such-Prozess jedoch ganz am Anfang. Erst 2031 wird die Politik endgültig entscheiden müssen, wo Deutschlands Atommüll hin soll. Ab 2050 könnte das Endlager den Betrieb dann aufnehmen.

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