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Jeremy Corbyn: Letzte Chance für den 70-jährigen "Sozialisten" | BR24

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Jeremy Corbyn vertritt keine Brexit-Position - zumindest nicht nach außen. Seine Kritiker sehen darin eine klare Führungsschwäche. Keine gute Grundlage für den Herausforderer, der mit 70 Jahren die Entscheidung seiner politischen Karriere sucht.

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Jeremy Corbyn: Letzte Chance für den 70-jährigen "Sozialisten"

Jeremy Corbyn vertritt keine Brexit-Position - zumindest nicht nach außen. Seine Kritiker sehen darin eine klare Führungsschwäche. Keine gute Grundlage für den Herausforderer, der mit 70 Jahren die Entscheidung seiner politischen Karriere sucht.

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Beim Festival in Glastonbury, im Sommer 2017, da schlug Jeremy Corbyn noch eine Welle der Begeisterung entgegen. Allen Prognosen zum Trotz hatte er bei der Unterhauswahl kurz zuvor mit seiner Labour-Partei zusätzliche Sitze gewonnen und einen Riesen-Rückstand auf Theresa May und die Tories fast aufgeholt. Der Altlinke war der große Star vor allem beim jungen Publikum.

Wenig Begeisterung für Corbyn übergeblieben

Aber die Welle der Begeisterung ist abgeebbt, gerade auch bei den jungen Corbyn-Fans von damals. Die meisten von ihnen wollen in der EU bleiben. Corbyn allerdings muss berücksichtigen, dass viele traditionelle Labour-Wähler für den Brexit gestimmt haben. Der Parteichef will beide Seiten nicht verlieren und hat daraus eine Brexit-Strategie entwickelt, die am Ende keine der beiden Seiten richtig zufrieden stellt.

"Wir werden innerhalb von drei Monaten eine glaubwürdige Austritts-Option mit der EU verhandeln und dann in weiteren drei Monaten in einem Referendum die Leute entscheiden lassen, ob sie auf Basis dieser Option austreten wollen oder doch als Vollmitglied in der EU bleiben." Jeremy Corbyn

Unentschlossen, zögerlich und positionslos

Corbyn selbst will dann keine der beiden Positionen vertreten, sondern anschließend einfach nur umsetzen, was entschieden wurde. Typisch, sagen seine Kritiker: zögerlich, unentschlossen, führungsschwach. Jeremy Corbyn dagegen sagt: Ich mache es eben anders als alle anderen - ich höre zu und entscheide dann.

Corbyn entdeckt den Sozialismus für Großbritannien

Sein Führungsstil, erklärt Corbyn, sei es, zuzuhören und Gemeinsamkeiten zu finden, einen Konsens - in der Partei und im Parlament. Seit 36 Jahren sitzt Jeremy Corbyn im Unterhaus, als Abgeordneter aus dem sicheren Labour-Wahlkreis in London Islington. Er kam 1983 ins Parlament, da regierte noch Maggie Thatcher das Land. Bevor er 2015 überraschend Parteivorsitzender von Labour wurde, galt Corbyn als Rebell und stimmte in der eigenen Fraktion regelmäßig gegen die Parteilinie. Inzwischen hat er Labour auf einen sozialistischen Kurs getrimmt. In seinem Wahlprogramm finden sich die Verstaatlichung der Energieversorgung, der Wasserindustrie, der Eisenbahnen.

Bei dieser Wahl 2019 geht es für Jeremy Corbyn politisch nun ums Ganze. Der 70-Jährige, der manchmal leidenschaftlich und manchmal kauzig verschroben wirkt, der zum dritten Mal verheiratet ist, drei Söhne aus seiner zweiten Ehe hat, der seit 50 Jahren vegetarisch lebt, muss jetzt wohl ans Ziel kommen und Premierminister werden. Wenn er Labour auch im zweiten Anlauf nach 2017 nicht in 10 Downing Street bringt, dann dürften seine Tage als Parteichef und Oppositionsführer Ihrer Majestät gezählt sein.