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Bundesgesundheitsminister Spahn neben RKI-Chef Wieler auf der wöchentlichen Pressekonferenz zur aktuellen Coronalage.

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Gesundheitsminister Spahn: "Dritte Welle scheint gebrochen"

Die Infektionszahlen sinken, die dritte Welle ist offenbar gebrochen: Der Dank dafür gebührt den Bürgern, betonte Bundesgesundheitsminister Spahn heute in Berlin. Dennoch gelte es weiterhin vorsichtig zu sein.

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  • BR24 Redaktion

Die dritte Welle der Corona-Pandemie in Deutschland scheint gebrochen, das sagte Bundesgesundheitsminister Spahn auf einer Pressekonferenz in Berlin. Er dankte den Bürgern für ihr Verhalten: Ihretwegen seien die Infektionszahlen am sinken - wenn auch nicht überall.

Spahn warnt vor voreiligen Öffnungsschritten

In diesem Zusammenhang mahnte der Gesundheitsminister zur Vorsicht : "Zu viele öffnen gerade ziemlich viel und das bei ziemlich hoher Inzidenz. Das trägt ein hohe Risiko in sich." Dass die Zahlen wieder steigen, müsse verhindert werden. Wenn mit Lockerungen bei einem Inzidenzwert unter 100 begonnen werde, dann sollte es diese laut Spahn im Außenbereich für die Außengastronomie oder kulturelle Veranstaltungen im Freien geben und zwar "testgestützt auf breiter Front".

"Jetzt geht's darum, in den nächsten Wochen noch gemeinsam durchzuhalten. Wir reden tatsächlich ja noch eher über Wochen oder wenige Monate." Bundesgesundheitsminister Spahn.

Bundesweit sank die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen nach Angaben des Robert Koch-Instituts von Freitag weiter auf nun 125,7. Vor einer Woche waren es 153,4. Es gab 18.485 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages.

Zugleich machten die Impfungen deutliche Fortschritte. 26,2 Millionen Menschen seien nun mindestens einmal geimpft - 31,5 Prozent der Bevölkerung. Kommende Woche werde jeder Dritte einmal geimpft sein. 8,8 Prozent hätten den vollen Schutz. Am Vortag seien rund 200.000 Zweitimpfungen dazugekommen. Mit Blick auf die Beschleunigung nach anfangs schleppendem Impftempo sagte Spahn, "dass Deutschland eher gut ist im Elfmeterschießen".

Kommende Woche: eine Million Astrazeneca-Dosen ohne Priorität

Der Gesundheitsminister kündigte außerdem eine Million Astrazeneca-Dosen für Arztpraxen in der kommenden Woche an, die dann ohne Priorisierung vergeben werden. Bund und Länder hatten die Priorisierung mit einer festen Vorrangliste für diesen Impfstoff am Donnerstag aufgehoben. Künftig ist es dem Arzt in Absprache mit dem Impfling auch freigestellt, den Abstand für eine Astrazeneca-Zweitimpfung von zwölf auf bis zu vier Wochen zu verkürzen.

Spahn betonte: "Die Wirksamkeit ist umso höher, desto länger der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung ist." Die Wirksamkeit einer zweimaligen Impfung im Abstand von vier bis acht Wochen liegt laut Studien bei 50,4 Prozent, bei zwölf und mehr Wochen bei bis zu 82,4 Prozent. Auf die Frage, ob mit einer Verkürzung des Intervalls die Urlaubsplanung von Impfwilligen zulasten der Wirksamkeit unterstützt werden soll, verteidigte Spahn den Schritt: Viele wollten sich augenscheinlich derzeit nicht mit Astrazeneca impfen lassen, weil sie dann erst im August den vollen Impfschutz bekommen.

Da auch die Erstimpfung schon gegen das Virus schütze, sei so eine geringere Akzeptanz aber für die Pandemiebekämpfung insgesamt nicht gut. "In dieser Phase der Pandemie haben wir ein großes Interesse daran, dass viele Menschen sich impfen lassen."

Bereits Pläne für Impfungen von Jugendlichen

Eine Zulassung für den Biontech-Impfstoff auch für über Zwölfjährige im Juni hält Gesundheitsminister Spahn für sehr wahrscheinlich. Deswegen müsse die Umsetzung jetzt schon mit den Ländern geplant werden. Denkbar seien Massenimpfungen in Impfzentren oder Schulen bis Ende August.

RKI-Chef sieht Licht am Ende des Tunnels

Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, ergänzte, vor umfangreichen Lockerungen der Corona-Einschränkungen müssten "deutlich über 80 Prozent" der Bürger gegen das Virus immunisiert sein. Dann werde es zwar noch Infektionen geben, aber keine neuen Wellen mehr.

"Zügig impfen, kontrolliert öffnen." RKI-Chef Wieler

"Die Pandemie ist quasi wie ein prall gefüllter Luftballon, den wir zusammen unter der Wasseroberfläche halten." Das sei ein gemeinsamer Kraftakt. Würden schlagartig alle Maßnahmen aufgehoben, breite sich das Virus wieder rasant aus. "Um im Bild zu bleiben: Wenn wir den Ballon jetzt loslassen, springt er über die Wasseroberfläche. Wir dürfen also nicht ungezielt lockern."

Mit zunehmenden Impfungen von Woche zu Woche könnten aber nach und nach auch einzelne Maßnahmen zurückgenommen werden. "Der Ballon verliert sozusagen langsam Luft, und es braucht aber immer weniger Kraft, ihn unten zu halten." Noch habe der Ballon aber genug Luft.

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Zügig Impfen, kontrolliert lockern. Diese Devise unterstrich RKI-Chef Wieler beim heutigen Corona-Briefing. Eine Aufhebung des Lockdowns käme zu früh, warnt der Mediziner.

Noch keine Entwarnung für Intensivstationen

Es gebe mittlerweile die Hoffnung, die Pandemie bald kontrollieren zu können. Allerdings könne für die Intensivstationen noch keine Entwarnung gegeben werden.

Auf den Intensivstationen gebe es bisher nur einen Rückgang der Patientenzahlen bei den leichteren Covid-19-Fällen, so der RKI-Chef. Über 70 Prozent der Intensivbereiche meldeten begrenzte oder ausgelastete Kapazitäten. "Das sind Höchstwerte in dieser Pandemie."

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