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Gesundheitsminister Jens Spahn hat, jedem der möchte, ein Impfung bis zum Sommer in Aussicht gestellt. Dies hänge mit weiteren Impfstoffzulassungen zusammen.

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Spahn: Zero-Covid-Strategie für Deutschland keine Lösung

Gesundheitsminister Spahn hat Forderungen nach einer Zero-Covid-Strategie eine Absage erteilt. Das Modell sei nicht auf Deutschland übertragbar. Die Corona-Zahlen müssten aber weiter gesenkt werden. Die Bürger rief er auf: "Machen Sie mit!"

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Von
  • Petr Jerabek

Sie sinken - müssen aber noch weiter runter: Die Corona-Zahlen gehen laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in die richtige Richtung. Das sei ermutigend, sagte er vor der Bundespressekonferenz in Berlin. "Aber sie sind immer noch auf zu hohem Niveau." Die Zahlen müssten weiter sinken, damit das Virus wieder gut kontrollierbar sei. Der Kampf gegen Corona sei keine abstrakte Angelegenheit, betonte Spahn. Jede und jeder könne dabei im Alltag einen Unterschied machen. "Ich bitte Sie, machen Sie mit, lassen Sie jetzt nicht nach. Es werden jetzt noch harte Wochen, aber es lohnt sich."

Die Zero- oder No-Covid-Strategie sieht Minister Spahn kritisch. "Ich tue mich immer schwer mit Vergleichen insbesondere mit Inselstaaten", sagte er. Es sei ein Unterschied, ob man in der Mitte eines Kontinents mit offenen Grenzen lebe - oder auf einer Insel jeden testen könne, der per Flugzeug einreise. Eine Null als dauerhafte Zielmarke könne in einem Land wie Deutschland daher nicht funktionieren. Er halte das Modell auf Deutschland nicht für übertragbar. Eine Initiative "Zero Covid" macht sich mit diesem Ziel gerade für einen kompletten Lockdown europaweit stark.

RKI-Präsident: Immer noch viele Ausbrüche in Pflegeheimen

Auch der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, sprach von einem "leicht positiven Trend". Nach wie vor seien die Fallzahlen aber insgesamt noch zu hoch. "Wir dürfen nicht nachlassen", mahnte Wieler. Leider gebe es nach wie vor sehr viele Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen. "Wir wissen aktuell von gut 900 Ausbrüchen, wahrscheinlich gibt es auch eine Dunkelziffer."

Essentiell sei, dass die Schutzmaßnahmen weiter konsequent umgesetzt werden, betonte der RKI-Präsident - auch mit Blick auf die mutierte Virus-Variante sagte er. Es gelte zu verhindern, dass sich diese noch ansteckender Variante ausbreite. "Geben wir Covid19 keine Chance."

Drosten: Virus-Variante wohl 22 bis 35 Prozent ansteckender

Zur mutierten Virus-Variante aus England gibt es nach Angaben des Chef-Virologen der Berliner Charité, Christian Drosten, mittlerweile "genauere Schätzungen anhand strukturierter Daten": Demnach ist sie nicht 50 bis 70 Prozent ansteckender als die ursprüngliche Virus-Variante, sondern wohl 22 bis 35 Prozent. Deswegen dürfe man sie aber nicht weniger ernst nehmen, "sondern eher noch ernster". Denn es sei garantiert, das sich eine solche Mutante stärker verbreite. "Das ist jetzt leider ein Faktum, das wir akzeptieren müssen."

Nach Einschätzung vieler Kollegen sei die Variante wahrscheinlich über die Weihnachtstage mit dem Reiseverkehr nach Deutschland eingeschleppt worden, erläuterte Drosten. "Übrigens nicht nur aus England", sondern auch aus anderen Ländern. Ob sie sich die mutierte Variante derzeit in Deutschland verbreite, lasse sich im Moment nicht sagen, da es keine repräsentativen Zahlen gebe.

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Über die mutierte Form des Coronavirus in Deutschland gibt es laut des Direktors des Instituts für Virologie der Charité Berlin, Christian Drosten, noch keine gesicherte Datenlage.

Intensivstationen: Kein Weihnachts- oder Silvester-Peak

Weihnachten und Silvester haben nach Angaben des Präsidenten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Gernot Marx, zu keiner Verschärfung der Lage auf den Intensivstationen geführt. "Insgesamt ist jetzt ein deutlicher Trend nach unten zu verzeichnen", sagte er. "Wir können keinen Weihnachts- oder Silvester-Peak erkennen. Dafür großer Dank an die Bürgerinnen und Bürger für die große Disziplin." Von einer "Entspannung" der Lage sei man aber noch weit entfernt, betonte er. "Wir müssen also die Infektionszahlen weiter drastisch reduzieren."

Auch RKI-Chef Wieler betonte, die überwiegende Mehrheit habe sich über die Feiertage verantwortungsvoll verhalten und die Maßnahmen beherzigt.

60 Prozent der Pflegeheim-Bewohner geimpft

Mit dem Start der Impfkampagne sei der Weg heraus aus der Pandemie beschritten worden, sagte der Minister. Vergleiche mit anderen Ländern nach nur drei oder vier Wochen seien nicht sinnvoll, "weil unterschiedliche Länder unterschiedliche Strategien haben", betonte Spahn mit Blick auf Kritik an der Bundesregierung im Zusammenhang mit der Beschaffung von Impfstoff. "Ich finde, wir sollten schon auch sehen, was wir miteinander erreicht haben." 60 Prozent der Pflegeheim-Bewohner in Deutschland seien bereits geimpft, die Ersten hätten schon die Zweitimpfung bekommen. Auch viele Pflegekräfte hätten sich impfen lassen.

Der Winter werde nicht leicht. "Aber ich bin sicher, wie haben Aussicht auf einen besseren Sommer." Spahn bekräftigte das Ziel, dass im Sommer, jeder der möchte, eine Impfung bekommen könne.

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Der Präsident des Robert Koch-Institutes, Lothar Wieler, spricht angesichts von mehr als 50.000 Corona-Opfern von "unfassbaren" Zahlen.

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