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Jemen-Krieg: Deutsche Waffen spielen größere Rolle als bekannt | BR24

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Deutsche Waffentechnik wird im Jemen-Krieg in weit größerem Umfang eingesetzt als bislang bekannt. Das haben Recherchen des Investigativverbunds #GermanArms ergeben, an dem das ARD-Politikmagazin report München beteiligt ist.

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Jemen-Krieg: Deutsche Waffen spielen größere Rolle als bekannt

Deutsche Waffentechnik wird im Jemen-Krieg in weit größerem Umfang eingesetzt als bislang bekannt. Das haben Recherchen des Investigativverbunds #GermanArms ergeben, an dem das ARD-Politikmagazin report München beteiligt ist.

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Der Krieg im Jemen – die schlimmste humanitäre Krise weltweit. Mit mehr als 10.000 Toten, vor allem durch Luftangriffe der saudisch geführten Militärallianz. Welche Rolle spielen deutsche Waffen in diesem Krieg? Dieser Frage sind jetzt Journalisten für das Rechercheprojekt #GermanArms nachgegangen. Mit unangenehmen Ergebnissen für die Bundesregierung.

Durch Analyse von Video- und Satellitenbildern konnte das Journalistenteam rund ein Dutzend Waffensysteme mit deutscher Technologie im Kriegsgebiet identifizieren.

Vertreter der Bundesregierung hatten zuvor wiederholt versichert, ihnen lägen keine Erkenntnisse zum Einsatz deutscher Rüstungstechnologie im Jemen vor. Zuletzt hatte der für Rüstungsexporte maßgeblich zuständige Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz erklärt, er habe dazu keine Erkenntnisse.

Deutsche Rüstungstechnik zu Land, zu Wasser und in der Luft

Doch auf Satelliten- und Videobildern aus dem Jahr 2017 ist beispielsweise ein aus Deutschland stammendes Kriegsschiff der Frankenthal-Klasse im jemenitischen Hafen von Mocha zu sehen. Das Schiff ist für die Vereinigte Arabische Emirate im Einsatz. Den Hafen hatten kurz zuvor Truppen der saudisch-geführten Militärallianz erobert.

Das #GermanArms-Team konnte außerdem mit sogenannten Fewas-Waffenstationen des deutschen Unternehmens Dynamit Nobel Defence (DND) ausgerüstete Fahrzeuge in Aden und bei Al Khawkhah im südwestlichen Jemen lokalisieren.

Zudem identifizierte das Recherchebündnis auf einem Video einer arabischen Nachrichtenagentur aus dem Oktober 2018 einen Panzer des Typs Leclerc. Dieses Modell wird von Motoren des Unternehmens MTU angetrieben. Der im Jemen eingesetzte Panzer auf dem Video verfügt offenbar über das aus Deutschland stammende Schutzsystem des Typs Clara der Firma DND.

Auch für den Einsatz der Kampfjets Eurofighter und Tornado sowie des Tankflugzeugs Airbus A330 MRTT durch die saudische Luftwaffe fand das #GermanArms-Team Indizien. Sämtliche Flugzeuge sind mit wichtigen Komponenten aus Deutschland ausgestattet.

SPD-Politiker kritisiert deutsche Außenpolitik scharf

Für den stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Bundestag, Rolf Mützenich, zeigen die Recherchen, "dass unser Kompass in der Außenpolitik in den vergangenen Jahren versagt hat". Er habe schon seit längerer Zeit befürchtet, dass Waffen, die einst aus Deutschland in Spannungsgebiete geliefert worden waren, nun Konflikttreiber geworden seien.

Teilweise hatte die Bundesregierung noch während des laufenden Konfliktes Exportgenehmigungen für die Waffensysteme erteilt – entgegen den eigenen politischen Grundsätzen. Die Bundesregierung wollte zu konkreten Fragen des Recherchebündnisses #GermanArms zu Sichtungen einzelner der im Jemen genutzten Waffensysteme jetzt keine Stellung nehmen. Die betroffenen Hersteller verwiesen darauf, dass sie sich stets im Rahmen der Gesetze bewegt hätten.

#GermanArms ist ein gemeinsames Projekt des ARD-Politikmagazins report München, des Stern, des niederländischen Recherchebüros Lighthouse Reports, des internationalen Investigativnetzwerks Bellingcat und der Deutschen Welle.

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report München

Autoren
  • Philipp Grüll
  • Jasmin Körber
  • Franziska Timmer
  • Ahmet Senyurt
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