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Bildrechte: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Koji Ito

Kathrin Erdmann zu den Plänen in Japan

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Japan will belastetes Wasser aus Fukushima ins Meer leiten

Seit zehn Jahren sammelt Japan radioaktiv verseuchtes Wasser aus dem Unglücks-Kraftwerk in Fukushima in Tanks. Doch die sind bald voll. In etwa zwei Jahren soll damit begonnen werden, das belastete Wasser ins Meer abzulassen.

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Von
  • Fabio Taormina

Das am Meer gelegene Atomkraftwerk Fukushima war kurz nach einem schweren Erdbeben am 11. März 2011 von einer fast 15 Meter hohen Tsunami-Wasserwand getroffen worden. Das Kühlsystem des Kraftwerks fiel aus, in drei der sechs Reaktoren kam es zur Kernschmelze. Die Katastrophe verwandelte umliegende Orte in Geisterstädte. Es war das schlimmste Atomunglück seit der Tschernobyl-Katastrophe von 1986.

Nachbarländer kritisieren Japans Entscheidung

Japan plant, über eine Million Tonnen aufbereitetes Wasser aus dem Unglücksreaktor ins Meer leiten. Regierungschef Yoshihide Suga gab diese Entscheidung zur Entsorgung des Wassers bekannt. Das Ablassen des Wassers wird voraussichtlich in zwei Jahren beginnen und dürfte Jahrzehnte dauern. China kritisierte die Pläne als "äußerst unverantwortlich". Diese hatten zuvor bereits Proteste bei Umweltschützern, Fischern und Landwirten der Region ausgelöst.

Auch Südkorea hat die Entscheidung Japans, gefiltertes Kühlwasser aus der Atomruine Fukushima ins Meer abzuleiten, ebenfalls in scharfem Ton kritisiert. "Diese Entscheidung der japanischen Regierung kann nicht akzeptiert werden", sagte der Minister für die Koordinierung der Regierungspolitik, Koo Yun Cheol, in Seoul. Koo warf Tokio vor, einseitig entschieden zu haben, ohne sich vorher ausreichend mit den Nachbarländern zu beraten. Die Freisetzung von verstrahltem Wasser bedrohe die Sicherheit dieser Länder und die Meeresumwelt.

Streit über kontaminiertes Wasser hält schon seit Jahren an

Japans Kabinett hatte zuvor den Beschluss damit begründet, dass für die in mehr als 1.000 Tanks gelagerten Wassermassen auf dem Gelände der Atomruine Fukushima Daiichi auf der Hauptinsel Honshu kein Platz mehr sei. Noch immer werden die drei Reaktoren, in denen es vor zehn Jahren zu einer Kernschmelze gekommen war, mit Wasser gekühlt.

Die Entscheidung soll einen jahrelangen Streit um hunderttausende Tonnen Wasser beenden, das unter anderem zur Kühlung der Atomanlage nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe im Jahr 2011 verwendet worden war. Das Wasser wurde nach japanischen Angaben inzwischen einem umfangreichen Filterungsprozess unterzogen, um die meisten radioaktiven Isotope zu entfernen. Das Isotop Tritium bleibt dabei jedoch zurück. Für Menschen ist es laut Experten nur in sehr hohen Dosen schädlich. Das Wasser soll außerdem noch verdünnt werden.

Experten warnen vor den Plänen

Die "Organisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges - Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW)" warnte im Vorfeld der Kabinettsentscheidung vor der Entsorgung von radioaktiv kontaminiertem Wasser im Ozean. Dies sei ein "Horrorszenario" für die Menschen in der Region und die Fischerei. Tritium könne von Fischen, Meeresfrüchten und Algen aufgenommen werden "und so über die Nahrungskette ihren Weg in Restaurants und Supermärkte finden", erklärte die Organisation.

Die Umweltorganisation Greenpeace kritisierte die Entscheidung Japans ebenfalls. Man habe über 200.000 Unterschriften gesammelt, über die sich die Regierung ebenso wie über die in vielen öffentlichen Anhörungen geäußerten Bedenken hinwegsetzte. Vor allem die Fischer aus Fukushima fürchten erneut einen Image-Schaden.

Aktuell haben sich rund 1,25 Millionen Tonnen Wasser in der Anlage von Fukushima angesammelt. Die Internationale Atomenergiebehörde hat den Vorschlag für das Ablassen des aufbereiteten Fukushima-Wassers bereits gebilligt.

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