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Japan macht es möglich: Homeoffice im Auto und im Zug | BR24

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So könnte das Modell der Zukunft in Japan aussehen: Ein Minivan als Büro zur Miete

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    Japan macht es möglich: Homeoffice im Auto und im Zug

    Weil viele Japaner zu Hause kaum Platz haben, um zu arbeiten, müssen neue Ideen her. In Hamatsu können die Menschen dafür jetzt Büro-Autos mieten und der japanische Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen wird kurzerhand zum rasenden Arbeitsplatz.

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    Von
    • Ines Schneider
    • Kathrin Erdmann

    Japan ist nach Südkorea innerhalb der OECD (Organisation für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit) das Land mit dem höchsten Anteil an Glasfaseranschlüssen an allen stationären Breitbandanschlüssen. Doch gerade in Zeiten von Corona löst hochmoderne Technik noch lange keine Alltagsprobleme. Auch in Japan müssen Unternehmen ihren Mitarbeitern Homeoffice anbieten, doch die Wohnverhältnisse vieler Menschen dort sind mehr als beengt, es gibt schlichtweg keinen Platz dafür.

    Not macht erfinderisch: Homeoffice im Minivan

    In der Stadt Hamatsu, rund 200 Kilometer südwestlich von Tokio gelegen, hat man sich deshalb etwas ausgedacht. Mitten im Bentenjima Seaside Park, in einer Bucht, die nur eine Meerenge vom Pazifik trennt, können auf einem Parkplatz so genannte Büro-Autos angemietet werden. Dort stehen ein halbes Dutzend Minivans. Alle haben die Heckklappe geöffnet. Die Rückbank ist runtergeklappt, eine Tischplatte wurde montiert, daran arbeiten zwei junge Frauen. Wegen der Kälte haben die beiden zwar dicke Jacken an, aber unten – ganz japanisch – die Schuhe ausgezogen und die Füße zum Wärmen auf eine Kuscheldecke gestellt. "Es funktioniert gut", erzählen sie, es könne sogar noch eine Person zwischen ihnen sitzen, es sei gar nicht so eng.

    Auto mieten, Parkplatz suchen und los geht's

    Für dieses Pilotprojekt, das seit November vergangenen Jahres als Test läuft und ab nächstem Jahr regelmäßig angeboten werden soll, hat sich die Stadt mit dem Autohersteller Suzuki zusammengetan. Man mietet zuerst das Auto, fährt zu dem Parkplatz und hat dann Strom und W-Lan. Hiroshi Miyagi hat das Projekt geplant.

    "Ich denke, wir wollen alle ab und an den Arbeitsort oder die Arbeitsumgebung verändern. Ein Auto als Büro in einem Set bringt Abwechslung." Hiroshi Miyagi, Planer des Projekts "Büro-Auto"

    Das Autobüro kostet für einen halben Tag umgerechnet 12 Euro, für einen ganzen das doppelte.

    Alternative: Arbeiten im Hochgeschwindigkeitszug

    Homeoffice geht in Japan aber auch ganz rasant: Im Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen war telefonieren bislang nur im Gang erlaubt. Für Viele lästig und oft auch richtig nervig, weil die Verbindung immer wieder abbricht.

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    Bildrechte: picture alliance/ASSOCIATED PRESS/Kentaro Tominaga

    Ein Japaner im rasenden Büro: im Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen

    Noch bis Ende Februar bietet der Bahnbetreiber JREast deshalb jetzt kostenlos sozusagen einen Homeoffice-Zug mit "Super-Internet" an. Gen Nakamura arbeitet in der Abteilung, die sich um das Arbeitsumfeld kümmert.

    "Wir erwarten, dass die Nachfrage nach solchen Angeboten in Zukunft steigen wird, da die Arbeitsplätze immer dezentraler werden. Wir wollen daher unseren Passagieren ermöglichen, die Fahrtzeit optimal zum Arbeiten nutzen zu können." Gen Nakamura vom Bahnbetreiber JREast

    Dafür kann man sich kostenlos einen Wifi-Router ausleihen. Selbst wenn der Zug mit 300 Kilometern pro Stunde durch Japan fährt, soll die Internetverbindung stabil bleiben, verspricht das Unternehmen.

    Künstliche Geräusche übertönen das Arbeitsgespräch

    Und damit das Arbeiten möglichst ruhig, ungestört und anonym ablaufen kann, hat sich der Bahnbetreiber JREast etwas bei den japanischen Toiletten-Konstrukteuren abgeschaut. Dort kann man nämlich, damit man niemanden mit seinem "Geschäft" stört, fast überall per Knopfdruck ein Geräusch einspielen.

    Und genau das gibt es im Schnellzug Shinkansen auch. Der von Yamaha entwickelte Ton ist so konzipiert, dass niemand mithören kann, was andere gerade reden. Dazu wurden verschiedene Geräusche und Gespräche miteinander gemixt. Das Testangebot kommt gut an, allerdings ist die Frage, ob das auch dann noch so ist, wenn die Kunden dafür bezahlen müssen. Wie viel das sein wird, ist bisher nicht bekannt.

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