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Japan beginnt wieder mit kommerziellem Walfang | BR24

© dpa - Report, Franck Robichon

Japan beginnt nach 31 Jahren wieder mit kommerziellem Walfang

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Japan beginnt wieder mit kommerziellem Walfang

Japan nimmt nach 31 Jahren wieder den kommerziellen Walfang auf. Heute früh stachen dafür zum ersten Mal insgesamt acht Boote in See.

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In den vergangenen Jahren wurden Wale von japanischen Walfängern zumindest offiziell nur zu Forschungszwecken gejagt. Nachdem Tokio aus der Internationalen Walfangkommission ausgetreten ist, geht der kommerzielle Walfang nun wieder los.

Zuletzt machte Japan vor 31 Jahren kommerziell Jagd auf Wale in seinen Hoheitsgewässern. Heute früh stachen nun zum ersten Mal wieder insgesamt acht Boote dafür in See.

225 Wale dürfen bis Ende des Jahres erlegt werden

Bis Ende des Jahres dürfen maximal 225 Wale gefangen werden. Das teilte die Fischereibehörde mit. So soll der aktuelle Bestand nicht gefährdet werden.

In den 1980er-Jahren hatte die Internationale Walfangkommission IWC ein Jagdverbot wegen schwindender Bestände verhängt. Japan kämpfte aber jahrelang darum, wieder kommerziell Wale fangen zu dürfen, weil es die Bestände für ausreichend erholt hält.

Einen entsprechenden Antrag Tokios lehnte die Kommission ab. Danach erklärte Japan im Dezember 2018 seinen Rücktritt aus der IWC. Am Sonntag wurde der Austritt nach einer sechsmonatigen Frist wirksam.

Walfang international verboten

Seit 1986 ist der kommerzielle Walfang eigentlich international verboten. Trotzdem fangen vor allem Island und Norwegen zu kommerziellen Zwecken Wale, auch wenn Island diesen Sommer keine Wale jagen will. Mit dem Austritt aus der IWC schließt sich Japan den beiden Walfangnationen an.

Bisher nutzte Japan eine Lücke in der Vereinbarung, wonach Wale zu Forschungszwecken getötet werden dürfen. Das Fleisch getöteter Wale wurde aber anschließend dennoch zum Verzehr verwendet.

Die Mitglieder des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) warfen Japan 2018 vor, mit der Einführung verschiedener Produkte von Seiwalen wieder kommerziellen Handel zu betreiben und damit gegen das Artenschutzabkommen zu verstoßen.

Tierschützer kritisieren Japans Austritt aus Walfangkommission

Viele Tierschützer kritisieren Japans Wiederaufnahme der Waljagd scharf. Greenpeace nannte die Entscheidung, aus der Kommission auszutreten, "vollkommen falsch und rückwärtsgewandt".

Befürworter des kommerziellen Walfangs sehen es als gesichtswahrenden Weg, dass das teure und umkämpfte Walfangprogramm der Regierung angesichts des Wandels der Zeiten und des Geschmacks nach und nach von selbst zum Erliegen kommt.

Während die Schiffe die Häfen der zwei Walfangstädte Shimonoseki und Kushiro verließen, feierten Walfänger, ihre Familien und Vertreter der Städte den neuen Start, hofften auf eine sichere Rückkehr und einen gute Fang.

Japaner essen bis zu 5.000 Tonnen Walfleisch pro Jahr

Entgegen der massiven Aufmerksamkeit, hoher Ausgaben von Steuergeldern und politischer Unterstützung durch Abgeordnete sind nur wenige Hundert Menschen in den Walfang verwickelt. Walfleisch machte im Finanzjahr 2017 weniger als 0,1 Prozent des Fleischkonsum aus, wie jüngste Daten der Regierung zeigen.

Derzeit essen Japaner durchschnittlich 30 bis 40 Gramm Walfleisch pro Jahr, das entspricht 4.000 bis 5.000 Tonnen insgesamt. In den mageren Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg galt es als erschwingliche Proteinquelle: 1962 wurden noch 223.000 Tonnen konsumiert. Es wurde jedoch schnell durch anderes Fleisch ersetzt. 1986, ein Jahr vor dem Walmoratorium der IWC, lag der Konsum bei 6.000 Tonnen.