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2020 verstorben: Schauspieler Sean Connery, US-Richterin Ruth Bader Ginsburg, Fußballer Diego Maradona

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Jahresrückblick: Diese Prominenten sind 2020 gestorben-Teil 2

Ein Ballzauberer, ein Schotte im Geheimdienst ihrer Majestät und eine Ikone des liberalen Amerikas - das sind nur drei der vielen Toten des Jahres 2020 in Deutschland und der Welt. Teil 2 unserer Nachruf-Galerie.

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Von
  • Michael Kubitza

Ennio Morricone: Spiel mir das Lied vom Tod

Wenn die Mundharmonika - bairisch: Fotznhobel, früher ein gemütliches Westentascheninstrument für den Handwerkerfeierabend - bei vielen Menschen heute das mulmige Gefühl auslöst, einen Strick um den Hals zu tragen, liegt das an ihm. Kongenial brachte Ennio Morricone die breitleinwandfüllenden Bilder des Italo-Westerns zum klingen und wurde so zum Paten der europäischen Filmmusik.

Vielleicht kommt Ennio Morricones Erfolg daher, dass er in zwei Welten groß wurde. Sein Musikstudium, dass der angehende Avantgarde-Komponist mit Avantgarde-Anspruch am römischen Konservatorium Santa Cecilia absolvierte, finanzierte er, indem er nebenbei Hits für Mario Lanza und Paul Anka schrieb. Wer sonst hätte damals knallenden E-Bass und Symphonieorchester kombiniert und den Ruf des Kojoten als Leitmotiv verwendet? Sechsmal wurde Morricone im Lauf seines Lebens für den Oscar nominiert, zwei hat er tatsächlich bekommen - 2007 den Ehrenoscar, 2016 einen für Tarrantinos "The Hateful Eight".

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Ennio Morricone * 10. November 1928 in Rom † 6. Juli 2020

Uli Stein: Aus die Maus

Mit den Menschen hatte es der Cartoonist nicht so, unter ihnen sah er zu viele Ratten, Geier und Hasenfüße. Tiere mochte er lieber. Seine Mäuse, Pinguine, Hunde und Katzen machten den deutschen Zeichner international bekannt - wofür er sich mit Einrichtung der Stiftung "Tiere in Not" revanchierte.

1982 veröffentlichte Uli Stein erste Postkarten, 1984 erste Bücher, danach folgten 13 Millionen humorvolle Bildbände, Cartoons in über 100 Zeitungen und Magazinen sowie Tassen und Federmäppchen. Seine Bilder waren süß - aber nicht ohne Biss. In diesem Jahr verstarb er, nachdem er lange an der Parkinson-Krankheit gelitten hatte.

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Uli Stein * 26. Dezember 1946 † 29. August 2020. Für seine Freunde ...

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... hieß er Ulrich Steinfurth und sah so aus.

Ruth Bader Ginsburg: Liberale Stimme am US-Supreme Court

Die Richterin am höchsten US-Gericht, dem Supreme Court wurde von ihren Fans wie ein Popstar gefeiert. Ruth Bader Ginsburg galt als Vorreiterin für Frauenrechte und liberale Denkweisen. Sie machte sich für die Legalisierung der Abtreibung stark und sprach sich für die Gleichstellung von Homosexuellen aus. Ihr Tod fiel in die letzten Amtswochen von Präsident Donald Trump, was diesem die Gelegenheit gab, die rechtskonservative Mehrheit am Supreme Court weiter auszubauen.

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Joan Ruth Bader Ginsburg * 15. März 1933 † 18. September 2020

Michael Gwisdek: unser Lieblingsonkel aus Berlin

Der Schauspieler Michael Gwisdek konnte aufs Gröbste berlinern, ohne dabei die feinen Zwischentöne zu verschlucken: In der DDR war er schon in den 70er-Jahren ein Theater- und Kinostar, bald auch ein vom Publikum gefeierter, von der Regierung gerade noch geduldeter Regisseur - zu besichtigen in "Treffen in Travers" (1988), in dem er neben seiner damaligen Frau Corinna Harfouch auch die Hauptrolle spielt. Nach dem Mauerfall machte ihn die Erfolgskomödie "Goodbye Lenin" auch im Westen zum Star.

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Michael Gwisdek * 14. Januar 1942 † 22. September 2020

Juliette Greco: Grande Dame in schwarz

Mit 15 wurde die Tochter einer Widerstandskämpferin von der Gestapo verhaftet, mit 18 tauchte sie ins Pariser Nachtleben ein, diskutierte und flirtete mit Sartre, Prévert, Vian. Und bezauberte dann für Jahrzehnte mit dunkler, leiser Stimme ein Millionenpublikum in aller Welt. Die Trauerzeremonie für Greco in Paris glich einem Staatsbegräbnis, und viele der Corona-Schutzmasken hatten ihre Lieblingsfarbe: leuchtendes Schwarz.

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Bildrechte: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Francois Mori

Juliette Greco * 7. Februar 1927 Montpellier † 23. September 2020

Wolfgang Clement: Der Streitbare

Als Nachfolger von NRW-Ministerpräsident Johannes Rau regierte der gebürtige Bochumer Wolfgang Clement fünf Jahre lang Nordrhein-Westfalen, die einstige Herzkammer der Sozialdemokratie. Unter Bundeskanzler Gerhard Schröder wurde Clement "Superminister", Agenda-2010-Reformer - und Gegenspieler von Oskar Lafontaine. Dann verließen beide die SPD - der eine nach links, Clement als Wahlkämpfer für die FDP.

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Wolfgang Clement *7. Juli 1940 in Bochum † 27. September 2020

Eddie Van Halen: Jump and Twang!

Ein holländischer Kalifornier und Chef einer lustigen Truppe: Der Gitarrist Eddie Van Halen machte mit seinem Schlagzeugerbruder Alex und dem bis heute manisch umtriebigen "Frontman" David Lee Roth Hardrock, den man lieben konnte, wenn man Musik liebte, aber auch wenn man sich sonst eher für "Zurück in die Zukunft 1-3" interessierte.

Ihr Mithüpfhit "Jump" gehört für Zeitgenossen zu den bleibenden Party-Erinnerungen der manchmal ja schon etwas albernen 1980er Jahre. Jan Van Halen, der Senior, war übrigens Klarinettist im Geiste Woody Allens, jamte gern mit seinen Buben und bekam den ganz großen Erfolg der Band ab 1984 gerade noch mit.

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Edward Lodewijk "Eddie" Van Halen (* 26. Januar 1955 in Amsterdam; † 6. Oktober 2020

Frank Günther: Shakespeares deutsche Zunge

Günther? Vielleicht das am wenigsten bekannte Gesicht unserer Galerie, aber: fast jeder, der Shakespeare heute auf deutsch sieht oder liest, liest oder sieht Frank Günther.

Der Übersetzer gab dem Shakespeare von heute die Derbheit, die Zartheit, den Witz zurück. Der erste, der's versuchte, Wieland, liebte den Briten, konnte aber nur notdürftig Englisch. Für die "klassische" Eindeutschung von Schlegel braucht man heute - "Ei du liebes Mühmchen!" - selbst eine Übersetzung. Wenn der Meister heute auf deutschen Bühnen immer noch und wieder Erstaunen, Gelächter, Entsetzen auslöst, liegt es auch an Frank Günthers Übertragung seines Werks.

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Seit den 1970er Jahren übersetzte Frank Günther das Gesamtwerk von William Shakespeare.

Thomas Oppermann: "Ein Gestalter"

Dazu "ein Energiebündel und ein feiner Kerl" - so beschrieb den früheren SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich, seinen Nachfolger im Amt. "Klar und loyal in seiner sozialdemokratischen Haltung, aber nie ideologisch" - so würdigte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) seinen seit 2017 amtierenden Vizepräsidenten. Der 66-jährige Niedersachse war kurz vor einer TV-Liveschalte zusammengebrochen. Für das kommende Jahr hatte der vierfache Vater, der der evangelischen Kirche angehörte, seinen Rückzug aus der aktiven Politik angekündigt.

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Thomas Ludwig Albert Oppermann * 27. April 1954 † 25. Oktober 2020

Sean Connery: ein Schotte im Geheimdienst ihrer Majestät

Sein Name war Connery - Deckname Bond. Ein Schotte, der sich nichts mehr wünschte als die Unabhängigkeit vom Königreich, raste, schoß und raufte faltenfrei im Dienst der britischen Krone. In einer Zeit, als das Kinopublikum hungrig, der Kalte Krieg heiß und die Insel - nun ja, auch schon kein Teil der EU war.

Smoking und Walther PP standen dem Sohn eines Fernfahrers und einer Putzfrau so gut wie später Kilt und Dudelsack. Und so richtig kriegte Connery den siebenfachen öffentlichen Geheimdienst auch später nie los, obwohl er auch in 60 anderen Filmen sein Publikum schüttelte, rührte oder zum Lachen brachte - besonders erfolgreich als Vater eines anderen Draufgängers namens Indiana Jones.

Es sei eine wahre Freude gewesen, Connery im Beiwagen eines russischen Motorrads über holprige Bergstraßen zu chauffieren, erinnert sich "Indy" Harrison Ford an seinen Filmpartner. Zuletzt kämpfte Connery in seinem Ruhesitz auf den Bahamas gegen einen besonders fiesen Gegner, die Demenz - und wünschte sich nur noch, "ohne viel Aufhebens zu verschwinden".

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Sir Thomas Sean Connery * 25. August 1930 in Edinburgh, Schottland; † 31. Oktober 2020

Diego Maradona: Aus Liebe zum Ball

Müsste man Außerirdischen erklären, warum Abermillionen Menschen weltweit zuschauen, wenn sich 22 Männer um einen kleinen Ball streiten, man könnte ihnen das Halbfinalspiel Argentinien - England der WM 1996 vorführen. Im Mittelpunkt: Diego Maradonna, der kreuz und quer "unstoppable" vom Mittelkreis zum Tor rennt und "vollendet" und dessen Fuß mit dem Ball Dinge vollführt, die von der Physik eigentlich nicht vorgesehen sind. Einer von uns? würden die Außerirdischen fragen.

Leider machte Maradonna auch außerhalb des Platzes oft Dinge, die ihn als Alien erscheinen ließen: wirres Zeug reden, weißes Pulver durch die Nase ziehen, seine Körperform verändern. Egal: "Gott ist tot", titelten Fußballblätter weltweit. Oder war Gott nur die Hand eingeschlafen?

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Diego Armando Maradona Franco * 30. Oktober 1960 in Lanús † 25. November 2020

Karl Dall: Hängendes Lid, steile Sprüche

Wie Otto Waalkes in Emden geboren und wie dieser frei von Scham und Scheu. Karl Dall, der Lehrersohn mit der Lidmuskelschwäche lernte erst Schriftsetzer. Seine Karriere als Berufskomiker begann 1967 mit der Berliner Gruppe Insterburg & Co ("Ich liebte ein Mädchen"). Später moderierte Dall als Kalauer-König im Fernsehen Talkshows und kam mit Schlagern wie "Diese Scheibe ist ein Hit" in die Charts.

Sein Berufsethos beschrieb er so: "Ich gebe meine Neurosen, die ich tagsüber gesammelt habe, abends auf der Bühne an das Publikum weiter. Die Leute bezahlen dafür und gehen dann mit meinen Problemen nach Hause." Der Meister des schrägen Humors verabschiedete sich 2017 von der Tourneebühne.

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Karl Bernhard Dall * 1. Februar 1941 † 23. November 2020

Valéry Giscard d'Estaing: Halbes französisch-deutsches Doppel

Die Wahl von Giscard d'Estaing zum französischen Staatspräsidenten folgte im Mai 1974 nur drei Tage auf die Wahl Helmut Schmidts zum Bundeskanzler. Beide regierten fast zeitgleich. Als Doppelkopf belebten die beiden eleganten Staatsoberhäupter die deutsch-französische Freundschaft und Europa.

Der moderate Gaullist, der als Sohn eines Besatzungsoffiziers in Koblenz zur Welt gekommen war, legte in den 70er Jahren die Grundlagen für die europäische Währungsunion und brachte Frankreich Neuerungen wie die Absenkung des Wahlalters auf 18 Jahre und Liberalisierungen des Abtreibungs- und des Scheidungsrechts.

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Giscard d'Estaing * 2. Februar 1926 † 2. Dezember 2020

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