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Ardern: Keine Plattform für Attentäter von Christchurch | BR24

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In Christchurch haben Bürger vor einer Kirche 50 weiße Schuhe aufgestellt. Damit gedenken sie den Terroropfern.

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Ardern: Keine Plattform für Attentäter von Christchurch

Die neuseeländische Premierministerin hat sich geweigert, dem Attentäter von Christchurch eine Plattform zu bieten. Der Täter suche nach einer Möglichkeit, seine rassistischen Ansichten zu verbreiten - das wolle sie verhindern, sagte Jacinda Ardern.

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"Eines kann ich euch versichern", sagte Ardern: "Ihr werdet seinen Namen von mir nicht hören." In einer Rede im Parlament rief sie auch die Öffentlichkeit auf, dem mutmaßlichen Schützen, die von ihm provozierte Aufmerksamkeit nicht zu schenken. "Sprecht die Namen derjenigen aus, die wir verloren haben", bat sie. "Er wollte wohl Allbekanntheit erlangen, aber wir in Neuseeland werden ihm nichts geben, nicht einmal seinen Namen." Der Angeklagte hatte angekündigt, sich vor Gericht selbst verteidigen zu wollen und auf einen Anwalt verzichtet.

Ardern nimmt Facebook in die Pflicht

Ein rechtsextremistischer Terrorist hatte am Freitag zwei Moscheen in Christchurch überfallen, das Feuer eröffnet und mindestens 50 Menschen getötet, sowie Dutzende verletzt. Er hatte die Tat unter anderem per Helmkamera gefilmt und das Video live bei Facebook übertragen. Außerdem hatte er eine Kampfschrift veröffentlicht.

Facebook hatte mitgeteilt, in den ersten 24 Stunden nach dem Anschlag 1,5 Millionen Kopien des Videos entfernt zu haben. Ardern kritisierte, dass das Video auch Tage danach noch zu sehen war. Sie habe mit Facebook Kontakt gehabt, die Sache liege in der Verantwortung des Unternehmens.

Weitere Verbreitung des Videos durch Filesharing-Seite

Nach eigenen Angaben hat Facebook den ersten Hinweis auf das Anschlagsvideo von Christchurch nach 29 Minuten erhalten. Der Nutzerhinweis kam 12 Minuten nach Ende dieses Livestreams, wie Facebook am Dienstag erklärte. Das Video sei "binnen Minuten" nach einer Anfrage der neuseeländischen Polizei gelöscht worden, hieß es weiter. Damit blieb zunächst unklar, wie lange genau es online war. Livestream-Videos bleiben nach Ende einer Übertragung zum Abruf verfügbar.

Das Video sei während des Livestreams weniger als 200 Mal angesehen worden und insgesamt rund 4000 Mal, bevor Facebook es entfernte. Allerdings habe ein Nutzer der Plattform 8chan eine Kopie auf eine Filesharing-Seite hochgeladen, noch bevor Facebook auf das Video aufmerksam gemacht worden sei. Das dürfte zur späteren Verbreitung des Videos beigetragen haben.

Deutscher Presserat: Dutzende Beschwerden gegen Bild.de

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat Redaktionen kritisiert, die das Täter-Video des Terroranschlags in der neuseeländischen Stadt Christchurch veröffentlicht haben. "Es steht für mich außer Frage, dass journalistische Medien nicht das Video des Attentäters zeigen dürfen, auch nicht in längeren Ausschnitten", sagte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall in Berlin. Beim Deutschen Presserat gingen bis zum Montagmittag allein gegen die Veröffentlichung des Videos bei "Bild.de" 35 Beschwerden ein. Es könne nicht sein, dass das soziale Netzwerk das Video des Attentäters millionenfach lösche und hierzulande einzelne Boulevardmedien Teile des Films auf ihren Digitalseiten zeigten, kritisierte Überall.

Islamisches Gebet im neuseeländischen Parlament

Mit einem islamischen Gebet hat das neuseeländische Parlament der 50 Todesopfer des Anschlags auf zwei Moscheen in Christchurch gedacht. Premierministerin Jacinda Ardern begann ihre Rede vor den Abgeordneten am Dienstag mit der arabischen Grußformel "Salam aleikum" ("Friede sei mit Euch"). Vier Tage nach dem rassistisch motivierten Massaker am vergangenen Freitag werden noch 30 Verletzte im Krankenhaus behandelt. Nach Angaben der Kliniken sind neun von ihnen in kritischem Zustand.